Hardheim

Leserbrief Zu „Die Praxis gab unserem Konzept recht“ (FN vom 17. März)

„Verantwortung trägt die Zeag nur für sich“

Liebe Frau Leipold, Sie bemühen sich in Ihrem Leserbrief redlich und sprechen davon, dass die „Menschen“ des Neckar-Odenwald-Kreises Ihnen den Auftrag erteilt haben, sich im Klimaschutzkonzept zu engagieren. Dies erscheint mir sehr ungewöhnlich, deshalb bitte ich um öffentliche Vorlage der schriftlichen Beauftragung.

Weiterhin sprechen Sie von Vertrauen und Verantwortung. Genau dies, Frau Leipold, praktiziert die Zeag jedoch nachweislich nicht. Dies zeigen Sie deutlich in anderen Gebieten.

Einige Beispiele: In Königheim verklagen Sie inzwischen die Gemeinde. In Boxberg lassen Sie Schneisen durch Privatwälder ohne Genehmigung schlagen. Das genau ist Ihr Verständnis von okölogisch sanfter Vorgehensweise!

In Braunsbach steht eine von Ihnen erbaute Windkraftanlage still und darf nicht betrieben werden, da Ihr Haus und Hofgutachter Beck mal wieder weg geschaut und einen Rotmilanhorst nicht entdeckt hat.

Apropos Beck, warum vertrauen Sie diesem angeblich neutralen Büro noch? Das Gutachten Becks für den Kornberg wurde von der Bürgerinitiative für Gesundheit und Naturschzutz (BGN), der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes sowie dem Regierungspräsidium regelrecht zerrissen. Auch hier hat Beck nachweislich weg geschaut und zwar mehrmals. Sie lassen dann noch zu, dass Beck im Rahmen der Informationsveranstaltung in der Erftalhalle all diese Behörden der Falschdarstellung und Irreführung bezichtigt. Genau dies ist Ihr Verständnis von transparenter Öffentlichkeitsbeteiligung.

Weitere Anmerkungen noch zur Informationsveranstaltung in der Erftalhalle: Sie verschweigen, daß es Bürgern untersagt wurde, öffentlich Fragen zu stellen (auch hierüber berichtete die Presse).

Weiterhin durfte man zwar sehr großzügig eine Kopie seiner eigenen schriftlichen Einwände erhalten (übrigens kann man diese auch Zuhause selbst anfertigen ), eine geforderte schriftliche Bestätigung des Empfangs genau dieser Fragen haben Ihre Zeag-Mitarbeiter aber verweigert (auch hierüber berichtete bereits die Presse).

All das ist anscheinend Ihr Verständnis von umfassender Einbindung der Bürger. Aber das ist man ja bereits seit nahezu vier Jahren von Ihnen gewohnt.

Aber nun doch auch noch zum absolut wichtigsten Teil, der von Ihnen propagierten Verantwortung: Sie sprechen von neuen Techniken und immer größeren Anlagen, verschweigen aber gleichzeitig, dass die Rahmenbedingungen – unter anderem vor allem der Abstand zur Wohnbebauung und Lärmschutz – noch aus Richtlinien stammen, die bereits 20 Jahre alt sind. Damals waren die Anlagen weniger als 100 Meter hoch.

Wie sieht es denn hier mit Ihrer Verantwortung gegenüber uns Bürgern aus? Die geplanten Anlagen mit Höhen von 206 Meter in Hardheim und gar 235 Meter in Höpfingen erfordern noch größere Abstände zur Wohnbebauung. Laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der Abstand viel zu gering! Tragen Sie dieser doch endlich Rechnung und vergrößern den Abstand zur Wohnbebauung auf das zehnfache der Anlagenhöhe, wie es in Bayern verantwortungsvoll und zum Schutz der Bürger praktiziert wird. Sie stempeln uns hier zu Bürgern II. Klasse ab!

Verantwortung, liebe Frau Leipold, trägt die Zeag nur für sich selbst, dies zeigen Sie überall und nun auch bei uns.

Das Interesse der Zeag besteht rein darin, aus dem Bau der Anlagen Profit zu schlagen und dabei das Naturparadies am Kornberg zu nutzen.

Die Zerstörung unserer Natur, der Erhalt seltener Tierarten sowie auch das Wohl und die Gesundheit unserer Bürger spielt bei Ihnen überhaupt keine Rolle, im Gegenteil, vor Ihrer eigenen Haustüre würden Sie das niemals zulassen.“