Grünsfeld

Kulturverein Dr. Robert Meier stellte seine Forschungen zum Würzburger Fürstbischof Julius Echter vor

Ein Fall von "Fake News" aus dem 17. Jahrhundert

Archivartikel

Grünsfeld.Wunsch und Wirklichkeit: Hartnäckig hält sich die Vorstellung, der Würzburger Fürstbischof Julius Echter sei ein fanatischer Verfolger der Hexen gewesen. Für viele Kritiker gilt er als Repräsentant einer unbarmherzigen katholischen Kirche. Dieses scheinbar festgefügte Bild bekommt Risse. Der Würzburger Historiker Dr. Robert Meier hat Dokumente entdeckt, die Julius Echter in einem neuen Licht erscheinen lassen. Seine Forschungsergebnisse präsentierte er bei einem Vortrag im Leuchtenbergsaal des Zehntgebäudes. Mit der sehr gut besuchten Veranstaltung endete der Kulturherbst des Kulturvereins.

Woher kommt Julius Echters schlechter Ruf? Zwei Quellen werden immer wieder angeführt. Der Tuchscherer Röder berichtet in seinem Tagebuch, am 11. Juni 1617 - also während der Regierungszeit Julius Echters - sei von der Würzburger Domkanzel verkündet worden, dass man innerhalb eines Jahres 300 Personen im Frankenland und im Bistum Würzburg verbrannt habe. Für Meier eine mehr als problematische Notiz. "Man weiß gar nicht genau, worauf sich die Angaben beziehen", erklärte er beim Vortrag im Leuchtenbergsaal.

Noch heikler verhält es sich nach Meiers Ansicht mit einem zweiten Hinweis. Es handelt sich dabei um eine Flugschrift von sieben Seiten, angeblich "gedruckt zu Tübingen 1616", in der es heißt, Julius Echter habe regelmäßige Verbrennungstermine angeordnet. Damit scheint der Gipfel administrativer Hexenverfolgung "von oben" erreicht. Meier ist da vorsichtiger. In den Akten hat er keinen einzigen Beleg für eine solche Aufforderung Echters gefunden. "Der Landesherr wird als Motor hinter Vorgängen geschildert, die er nicht verursacht hat." Ein Fall von "Fake News" aus dem 17. Jahrhundert.

Die Einschätzung macht Meiers Vorgehensweise deutlich. Der promovierte Archivar wertet Quellen aus und bildet sich danach ein Urteil. Bei Julius Echter kam ihm ein Zufallsfund zu Hilfe. Im Staatsarchiv Wertheim, das im Kloster Bronnbach lagert, entdeckte er bislang unbekannte Dokumente: Prozessakten, Verhörprotokolle sowie den Schriftwechsel zwischen der Kanzlei des Hochstifts Würzburg und den Amtleuten im Zentgericht Remlingen.

Weitere Indizien gefordert

Einzelne Fälle daraus schilderte er bei seinem Vortrag im Leuchtenbergsaal. Wie den der zwölfjährigen Margret Hedwig aus Erlenbach. Im Sommer 1616 bezeichnete sie sich selbst als Hexe und nannte eine Frau aus Unteraltertheim, von der sie das Hexenhandwerk gelernt habe. In der Zent Remlingen, einem Würzburger Gericht, wurde das Mädchen daraufhin inhaftiert. In der Folgezeit wechselten Schreiben zwischen Echter und seiner Kanzlei sowie den Remlinger Amtleuten hin und her. Echter forderte weitere Indizien und verlangte, das Mädchen freizulassen. Eltern und Gemeinde intervenierten und wollten nicht nachgeben. Am Ende setzte Echter sich durch. Das Mädchen kam frei.

Das Thema "Hexenverfolgung" hat auch für Grünsfeld eine ganz besondere Bedeutung. Ab 1594 kam es in einer Zeit der religiösen und sozialen Verunsicherung zu etlichen Anklagen wegen Hexerei. Bis 1602 wurden rund 30 Frauen verurteilt und hingerichtet. Zwischen 1626 und 1630 gab es eine zweite Welle der Verfolgung.

Professor Dr. Dr. Friedrich Merzbacher, renommierter Kirchenrechtslehrer und Rechtshistoriker an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, hat in verschiedenen Veröffentlichungen Julius Echter für die Grünsfelder Hexenprozesse aus dem Jahre 1590 verantwortlich gemacht.

Robert Meier kommt nach seinem Aktenstudium zu einem anderen Urteil. "Julius Echter hatte mit diesen Verfahren überhaupt nichts zu tun, Grünsfeld war damals nicht unter Würzburger Verwaltung."

Für Meier ist dieses Beispiel bezeichnend. "Da wird nicht ordentlich gearbeitet." Mit Quellen lassen sich solche Behauptungen nicht belegen, so das Ergebnis seiner Forschungen. Gleiches gilt in seinen Augen für die in Oxford lehrende Professorin Lyndal Roper. In ihrem 2007 veröffentlichten Buch "Hexenwahn" wirft sie Echter vor, er habe unerbittlich viele Hexen verfolgen und hinrichten lassen. "Nicht lange nach Würzburgs Rückkehr zum Katholizismus stellte sich Echter an die Spitze einer gewaltigen Hexenjagd", heißt es dort.

Äußerungen wie diese stehen in der Tradition einer im 19. Jahrhundert einsetzenden, stark antikatholisch gefärbten Geschichtsschreibung. In Ropers Buch liest sich das so: "Marienverehrung, Judenhass und Hexenverfolgung. Bei Julius Echter kommt alles zusammen."

Nach sorgfältigem Quellenstudium fällt Robert Meiers Fazit viel differenzierter aus. "Es gibt derzeit überhaupt keine Hinweise, dass Echter die Verfolgung von Hexen angeordnet oder auch nur gewünscht hätte."

Stattdessen belegten die Quellen, dass er bei Beschuldigungen "auf die Bremse getreten" und darauf gedrungen habe, ein ordentliches Verfahren vorzunehmen. "Damit wird der auch in der seriösen Literatur verbreitete Reflex fragwürdig, Hexenprozesse in den katholischen Hochstiften der Gegenreformation mit der Durchsetzung politischer Machtansprüche und dem Kampf gegen jede Form abweichenden Verhaltens in Zusammenhang zu bringen."

Übrigens: Robert Meier hat Lyndal Roper einen Aufsatz geschickt, in dem er seine Forschungsergebnisse zusammengefasst hat. Auf eine Antwort wartet er bis heute vergeblich.

Seine Forschungsergebnisse hat Robert Meier in einem Buch zusammengefasst: "Julius Echter 1545 - 1617". Würzburg: Echter 2017.

Die nächste Veranstaltung des Kulturvereins ist das Adventskonzert am Sonntag, 17. Dezember, in der Stadtkirche St. Peter und Paul. feu