Bad Mergentheim

Natur Im Stuppacher Wald steht eine gesunde und weit verzweigte Vierlingseiche / Ihr Alter wird auf über 200 Jahre geschätzt / Vier kräftige Stämme ragen in den Himmel

Eine seltene Erscheinung am Wegesrand

Archivartikel

Die Natur überrascht immer wieder mit ihren Wundern. Oberhalb von Stuppach steht eine stattliche Vierlingseiche. Sie soll über 200 Jahre alt sein.

Bad Mergentheim. Normalerweise wird man bei Google mit Erklärungen und Hinweisen geradezu überhäuft, wenn man irgendein beliebiges Stichwort eingibt. Wenn man aber das Suchwort Vierlingseiche eintippt, wird man auf den Begriff Zwillingseiche verwiesen, von Vierlingseiche keine Spur. Geht man dann zu Wikipedia, dann erhält man die Antwort: „Der Artikel ’Vierlingseiche’ existiert in der deutschsprachigen Wikipedia nicht.“

Daraus schließen wir, eine Vierlingseiche muss etwas Seltenes und ganz Besonderes sein. Eine Rarität, die nicht in jedem Wald zu finden ist. Umso schöner, wenn man eine derartig ungewöhnliche Erscheinung entdeckt. Zufällig. Beim Spazierengehen im ehemaligen Gemeindewald Stuppach, der heute zum Stadtwald Bad Mergentheim gehört. Und da stand sie plötzlich, die Eiche mit vier Stämmen, die weit hinauf in den Himmel ragen und wohl schon ein beträchtliches Alter auf dem Buckel haben. Und siehe da, ein kleines Schild am Baum gibt Auskunft: „Vierlingseiche Keimungsjahr 1800“ ist da zu lesen.

Karlheinz Mechler, Leiter des Forstamts beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis, vermutet, dass die Zeitangabe eine Schätzung ist, meint aber auch, dass der Baum so um die 220 Jahre alt sein könnte. Rein äußerlich betrachtet, mache die vollbelaubte Eiche einen gesunden Eindruck. Weiter östlich dagegen „werden die Eichen von blattfressenden Raupen traktiert“.

Die Vierlingseiche, die als Naturdenkmal im Gewann Edelberg ausgewiesen wurde, sei die erste derartig alte und groß gewachsene Vierlingseiche, die Mechler je in seinem Leben bewusst wahrgenommen habe.

Dreistämmige oder zweistämmige jüngere Eichen könne man dagegen immer wieder mal im Wald sehen.

Diese Ausnahme-Eiche habe wohl deswegen bei vielen Waldspaziergängern eine gewisse „Berühmtheit“ erlangt, weil sie eine bizarre Wuchsform aufweist und sich in der Nähe der Edelberghütte direkt am Weg befindet und daher leicht erreichbar sei.

Wie entsteht eine Vierlingseiche? Dazu hat der Leiter des Forstamts verschiedene theoretische Erklärungen parat. Möglich sei, dass mehrere Pflanzen in ein Pflanzloch gesetzt wurden und dann zusammenwuchsen. Schon Prof. Klein habe 1907 in seiner Monographie über bemerkenswerte Bäume im Großherzogtum Baden solche zusammengewachsenen bizarren Exemplare aufgeführt.

Die Vierlingseiche könnte aber auch dadurch entstanden sein, dass im Rahmen der früher gepflegten Waldwirtschaft das Unterholz (also junge Bäume) eingeschlagen wurde, wobei sich dann aus einem der Baumstümpfe mehrere Triebe entwickelt haben, von denen dann vier übrig blieben, die zu Stämmen wurden.

Wenn sich ein Stamm in zwei oder seltener auch in drei Triebe auflöst, könne der Baum leicht bei starkem Sturm auseinanderbrechen, so dass nur wenige derartiger Eichen ein hohes Alter erreichen würden. Daher dürfte die Stuppacher Vierlingseiche, gerade was ihr Alter und ihre Dimension anbelangt, „schon etwas Besonderes sein“, weiß Mechler aus Erfahrung. Eichen könnten zwar sehr alt werden. Häufig würde aber das Alter überschätzt. Die „Tausendjährigen Eichen“ seien in der Regel nur halb so alt, in der Feldflur sogar noch jünger. Das Stuppacher Exemplar aber hält wahrscheinlich, was es verspricht: Es könne durchaus gut über 200 Jahre alt sein, ist sich Forstamtsleiter Mechler sicher.

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