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Arbeiten auf der Corona-Station - Oberarzt Dr. Hans Drexl berichtet exklusiv in den FN aus seinem Berufsalltag im Caritas-Krankenhaus

Covid-19 ist endgültig ein Teil der Normalität geworden

Oberarzt Dr. Hans Drexl berichtet exklusiv in den FN aus seinem Berufsalltag im Caritas-Krankenhaus

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Bad Mergentheim. Dr. Hans Drexl, Oberarzt in der Medizinischen Klinik 1 im Caritas-Krankenhaus und Oberarzt auf der Corona-Intensivstation, berichtet exklusiv in den Fränkischen Nachrichten von seinen Erlebnissen:

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In den letzten Tagen hat sich die Lage auf der Intensivstation im Caritas-Krankenhaus etwas entspannt, was die Anzahl der Covid-19-Patienten angeht – nur noch zwei Patienten, die invasiv beatmet werden müssen. Die anderen sind erfreulicherweise schon länger extubiert und auf dem Weg der Besserung. Bei der Frühbesprechung heute Morgen ein Neuzugang: eine Patientin von unserer Normalstation, die vermehrt Sauerstoff benötigt und nichtinvasiv über eine Maske beatmet werden muss – auf diesem Weg haben wir sie vorerst stabilisieren können. Normaler Alltag auf der Intensivstation in Corona-Zeiten. Leer ist die Station deswegen nicht: wir behandeln natürlich wie vor der Pandemie Patienten, die nach Herzinfarkten, nach schweren Operationen oder aufgrund lebensbedrohlicher Infekte intensivmedizinische Überwachung und Therapie benötigen. Denn diese Krankheiten verschwinden ja nicht einfach, nur weil es das Corona-Virus gibt. Also keine Entspannung in Sicht.

Schutzkleidung überziehen

Dr. Hans Drexl. © Chris*TEL

Nach der Frühbesprechung beginnt die Visite. Gemeinsam mit den Assistenzärzten und den Kollegen von der Pflege gehen wir von Zimmer zu Zimmer – bei den Covid-Patienten bedeutet das erst einmal: Schutzkleidung überziehen in der Schleuse vor jedem Zimmer mit infektiösen Patienten. Spezieller Kittel, Maske, Kopfhaube, Handschuhe und Schutzbrille – das ist mittlerweile für uns Routine. Zwei bis drei Stunden dauert die Visite, je nachdem, wie viele Patienten auf den Intensivstationen im Caritas-Krankenhaus liegen und wie es ihnen geht.

Länger dauert es, wenn alle zupacken müssen, um einen der invasiv beatmeten Patienten auf den Bauch oder wieder auf den Rücken zu drehen; ein Verfahren, das sich schon lange vor der Corona-Pandemie bei beatmeten Patienten mit Lungenversagen bewährt hat und das auch den beatmeten Covid-19-Patienten hilft. Durch langes Liegen auf dem Rücken verdichtet sich der unten liegende Teile der Lunge, der normalerweise aber am besten durchblutet ist und für einen guten Gasaustausch sorgt.

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Außerdem muss die versagende Lunge mit höherem Druck beatmet werden, was zu zusätzlichen Schädigungen des Lungengewebes führt. Um diesen Prozess zu unterbrechen und die Lunge zu entlasten, drehen wir die Patienten mehrmals von der Rücken- in die Bauchlage und nach jeweils 16 Stunden wieder zurück. Was dem gesunden Mensch mühelos in Sekunden gelingt, ist für den beatmeten Patienten und unser Team auf der Intensivstation eine Aktion, die gut vorbereitet werden muss und über eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nehmen kann. Vor allem die verschiedenen Zugänge und Kabel, die ein Intensivpatient benötigt – der Tubus für die Beatmung, der zentrale Venenkatheter für die Gabe von Medikamenten, die Magensonde und der Blasenkatheter sowie alle Kabel für die Überwachung des Kreislaufs und der Beatmung – dürfen bei der Drehung nicht aus Versehen verrutschen oder gar aus dem Patienten gezogen werden.

Gute Lagerung wichtig

Je nach Größe und Gewicht unseres Patienten dreht ein Team von bis zu sechs Kollegen ihn zunächst vorsichtig zur Seite und schließlich ganz auf den Bauch, hält dabei die Schläuche und Kabel in Position und checkt danach alle Überwachungsgeräte und Einstellungen. Sehr wichtig hierbei ist zuletzt eine gute Lagerung des Patienten mit Hilfe verschiedener Kissen, sonst würde der Patient bis zur nächsten Drehung schwere Druckschäden im Bereich der unmittelbar aufliegenden Körperteile erleiden. Hier hilft vor allem die Erfahrung unserer Intensivpfleger, die mit großer Sorgfalt und Umsicht dieses Aufliegen und somit die Entstehung solcher Drucknekrosen verhindern.

Auch wenn der Aufwand hoch ist – er ist wichtig, denn er kann helfen, das Leben der schwer kranken Covid-19-Patienten zu retten. Für uns auf der Intensivstation ist das inzwischen tägliche Routine. Covid-19 ist in den letzten Monaten endgültig Teil unserer Normalität geworden, bestimmt unseren Alltag – gewissermaßen „der ganz normale Wahnsinn“. Trotzdem hoffen wir, dass dieser Wahnsinn bald ein Ende haben wird. Ich bin unverändert zuversichtlich, dass wir durch die Impfungen und natürlich aber auch durch weitere persönliche Rücksichtnahme die Pandemie letztlich in den Griff bekommen. Damit ein neuer, alter Alltag auf die Intensivstation zurückkehrt.

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