Kultur

Mainfranken Theater Würzburg Gefeierte Neuauflage der Comedian Harmonists / Publikum forderte mehrere Zugaben

Ein hübsch verpackter Liederabend

Archivartikel

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt“ singen die „Comedian Harmonists“, die ausgerechnet nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auf dem besten Wege sind, mit einem witzig-charmanten, swingenden Jazz eine Weltkarriere zu starten. Zerwürfnisse lassen nicht lange auf sich warten.

Andreas Wiedermann inszenierte am Mainfranken Theater Würzburg eine biografische Revue von Gottfried Greiffenhagen und Franz Wittenbrink. Nacherzählt werden Gründung und Aufstieg der wohl ersten deutschen Boygroup. Mit Cykowski, Frommermann und Collin sind drei der sechs Sänger Juden, deren Auftrittsverbot innerhalb Deutschlands im Jahre 1935 zum abrupten Ende des inzwischen schon legendären Ensembles führt.

In Diktaturen ist frei atmender Swing und Jazz verpönt. Mit dem Verbot endet auch das Stück, in dem manche Details des Werdegangs der Musiker erwähnt werden, andere aber unter den Tisch fallen. Dafür entschädigt das Programmheft des Abends mit einem ausführlichen Lebenslauf des Sextetts. Dass Johannes Heesters vergeblich in der Mansarde von Harry Frommermann, dem Gründer, Arrangeur und Sänger, vorgesungen hat, findet im Stück Erwähnung; nicht aber, dass schon früh die Tenöre des Ensembles wechselten.

Walter Nußbaum war vor Erich Collin zweiter Tenor und gehörte mit dem Bariton Theodor Steiner, dem 3. Tenor Harry Frommermann, dem Bass Robert Biberti und dem 1.Tenor Ari Leschnikoff Anfang April 1928 zu den Gründungsmitgliedern der „Melody Makers“. Steiner wird als Pianist von Erwin Bootz und kurz darauf als Bariton von Roman Cycowski ersetzt.

Der Aufstieg der zunächst mittellosen Sänger nach monatelangen Proben, die alle an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit bringen, wird mit viel Schwung auf der Bühne nachgespielt. Der Impresario Bruno Levi schafft es, den Regisseur und Schauspieler Eric Charell für das Ensemble zu begeistern, das sich dann nach Charells Vorschlag in „Comedian Harmonists“ umbenennt.

Durch den Auftritt in Charells Produktion „Casanova“ im Großen Schauspielhaus wird das Ensemble nahezu schlagartig weltberühmt. Beim ersten Auftritt im Berliner Varietétheater „Scala“ gibt es sogar eine musikalische Begegnung mit dem großen Vorbild, dem amerikanischen Vokalensemble „The Revelers“, die auf einer Europatournee unterwegs sind.

Seine ganze Konzentration gilt der nicht einfachen, auch im Falsett angesiedelten Stimme des 1. Tenors Ari Leschnikoff; kein Wunder, dass bei Cedric von Borries die gewohnte schauspielerische Souveränität etwas vermisst wird. Dank seiner energiegeladenen Bühnenpräsenz sorgt Daniel Fiolka als Bariton Roman Cycowski für ein besonderes Hörerlebnis. Jeden Ton kostet der erfahrene Sänger mit hörbarem Vergnügen aus.

Eine eigentümliche Ausstrahlung ist Jakob Mack zu attestieren, der mit seinem samtig-sonoren Bass die Rolle von Robert Biberti glänzend ausfüllt. Wolfgang Mirlach hat mit eindringlicher Gestik den lebhaften Harry Frommermann verinnerlicht und übertrifft ihn gesanglich noch. Jugendlich-frisch kommt Martin Pauli als 2. Tenor Erich Collin rüber. Musikalischer Leiter André Callegaro hat als Pianist Erwin Bootz die charakterlich und stimmlich so grundverschiedenen Ensemblemitglieder immer im Griff. Glanzlichter sind seine schauspielerischen Einlagen als unermüdlicher, gelegentlich aufbrausender Klavierbegleiter bei den Proben.

Als Ensemble überzeugt das Würzburger Sextett wie das große Vorbild im dunklen Frack und weißer Fliege mit den auf Leichtigkeit und präziser Rhythmik getrimmten Liedern wie „Veronika, der Lenz ist da“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“; ein Song, der mit einem von Hand zu Hand wandernden Kaktustöpfchen gleich zweimal zu hören ist.

Zum Dahinschmelzen klingt „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“. Es sind triviale Lieder, doch hinreißend locker-schwebend mit ironischen Untertönen vorgetragen. Getragen von schmerzlicher Sehnsucht erklingt die Vertonung des Gedichts „In einem kühlen Grunde“ von Joseph von Eichendorff: „Sie hat mir Treu versprochen, gab mir ein’ Ring dabei. Sie hat die Treu gebrochen, das Ringlein brach entzwei.“

Für das gefragte Berliner Stadtkolorit sorgt Alexander Darkow mit einem Dutzend schräger Rollen von der zeternden Wirtin, über den Elektrola-Chef bis zum Theaterdirektor; immer der Szene entsprechend von Aylin Kaip kostümiert, die auch für das Bühnenbild mit einem überdimensionalen Grammophon-Trichter im Hintergrund verantwortlich zeichnet.

Von dessen breiter Umrandung leuchten schwarz-weiße Videoeinblendungen von Jürgen Bergbauer, die stilgerecht den „Roaring Twenties“ nachempfunden sind. Diesen Trichter weiß auch Pascal Moonen für die stimmungsgerechte Lichtgebung zu nutzen. Ohne den geringsten Anflug von Albernheit überzeugt die humorvolle Choreografie der Truppe von Elisabeth Margraf.

Bleibt nur inständig zu hoffen, dass Intendant Markus Trabusch trotz der großen Resonanz im Publikum seine Truppe, die im Großen Haus immer mit gepackten Koffern auf der als Plattenteller gestalteten Drehbühne unterwegs ist, nicht womöglich noch an einen begeisterten Tourneeveranstalter verliert. So war jedenfalls der Lauf der Dinge bei den Berliner Comedian Harmonists, die nach ihrer Premiere im Dezember 1997 in der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin später eine Welttournee absolvierten; umjubelte Auftritte im Ausland, die auch das Original-Ensemble von 1931 bis 1933 in Europa hatte. Den Krieg überlebten alle Mitglieder, doch fand man nie mehr zusammen und es gab stattdessen erbitterten Streit um die Tantiemen. In Würzburg waren nach der Premiere nur eitel Sonnenschein und spontane Standing Ovations zu konstatieren, für die sich das Ensemble mit mehreren Zugaben bedankte.

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