Wertheim

Bildung Ausschuss billigt grobe Linie bei der Schulentwicklung / Campus-Lösung am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium oder Verbleib an der Alten Steige

Gemeinschaftsschule soll umziehen

Archivartikel

Die Gemeinschaftsschule soll von der Alten Steige auf den Reinhardshof verlegt werden. Wo die Grundschüler künftig unterrichtet werden, bleibt vorerst offen.

Wertheim. Nach jahrelangen Diskussionen steht nun – zumindest teilweise – fest, wie es mit der Schullandschaft in Wertheim weitergeht. Der Fikuss (Ausschuss für Finanzen, Verwaltung, Kultur, Soziales und Schulen ) billigte am Montag in seiner Sitzung in der Main-Tauber-Halle eine Lösung, die „von allen Beteiligten mitgetragen wird“, wie OB Markus Herrera Torrez sagte.

Demnach soll die Gemeinschaftsschule nach dem Rückumzug der Otfried-Preußler-Schule in die Neue Soziale Mitte auf dem Wartberg an den Standort Reinhardshof verlagert werden. Die Neuordnung ist notwendig, weil die Gebäude der Gemeinschafts- und Grundschule an der Alten Steige in einem maroden Zustand sind. Neubau oder Generalsanierung wären erforderlich.

Der Gemeinderat hatte bereits 2016 beschlossen, dass auf dem Gelände des ehemaligen Kirchenzentrums, dass derzeit umgebaut wird, die Otfried-Preußler-Schule als zentrale Grundschule für die Stadtteile Reinhardshof, Wartberg und Vockenrot dienen soll.

Umzug pädagogisch sinnvoll

Das Areal auf dem Reinhardshof wiederum ist in einem guten Zustand und hat den Vorteil, dass die Gemeinschaftsschule dort lediglich einen Anbau benötigt. Aus pädagogischer Sicht sei der Reinhardshof geeignet. Das Schulamt Künzelsau halte den Umzug für sinnvoll, so Fachbereichsleiter Helmut Wießner.

Zudem seien die Kosten für eine Generalsanierung oder einen Neubau am bisherigen Standort an der Alten Steige viel höher als für den Anbau am Reinhardshof.

Der Umzug böte außerdem „neue Chancen und eine neue Darstellung der Gemeinschaftsschule“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung. Und schließlich entstehe eine städtebauliche Entwicklungsfläche an der Alten Steige.

Allerdings sollen die Grundschüler der Alten Steige weiter in der Kernstadt unterrichtet werden. Hierfür gibt es zwei Varianten: Die Grundschule bleibt an der Alten Steige und wird neu gebaut (grobe Kostenschätzung: zehn Millionen Euro). Sie könnte aber auch auf dem ehemaligen Krankenhausgelände auf einer freien Fläche neu errichtet werden, was in etwa das gleiche kosten würde.

Die Variante, die Schule auf die geplante Dreifeldsporthalle des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums zu bauen, wurde verworfen: Dagegen sprechen die architektonisch hohen Anforderungen, welche die Kosten in die Höhe treiben würden, sowie Zeitgründe, weil es dann zu lange dauere.

Auf dem Weg zur Entscheidung zwischen den beiden Varianten sollen Synergieeffekte und „pädagogische Wirkungszusammenhänge“ unter Einbeziehung aller Beteiligten geprüft werden. Zudem müsse geprüft werden, ob die Kapazität der Dreifachsporthalle für das Gymnasium und die Grundschule ausreicht, so Wießner. Auch die städtebauliche Nutzung des möglicherweise freiwerdenden Geländes Alte Steige und das Areal des ehemaligen Krankenhauses soll näher unter die Lupe genommen werden.

Zeitplan unklar

Zum Zeithorizont könne man noch keine genauen Angaben machen, sagte OB Herrera Torrez. Anfang nächsten Jahres werde man einen besseren Überblick haben und wissen, „was die mittelfristige Finanzplanung abbilden kann“.

Axel Wältz (CDU) war mit den Vorschlägen „äußerst zufrieden“. Es sei wichtig, dass es auf dem Reinhardshof im Einzugsbereich des Wartbergs auch eine weiterführende Schule gebe. Das sei wegen der Größe der Stadtteile angemessen. Das Schulgebäude auf dem Reinhardshof sei „mit das beste“, über das Wertheim derzeit verfüge. Aus Sicht der CDU sei nach dem Bau der Sporthalle am Gymnasium und dem Abschluss des Projekts Neue Soziale Mitte die Neuordnung der Schulstandorte das nächste große Projekt. Vielleicht könne das „ein oder andere Konjunkturpaket des Landes“ dabei helfen.

Birgit Väth (Grüne) begrüßte, dass die Schulentwicklung „endlich vorankommt“. Der Umzug der Gemeinschaftsschule sei „folgerichtig“. Würde die Grundschule auf dem Areal des alten Krankenhauses errichtet, könnten durch zunehmenden „Elternverkehr“ Herausforderungen entstehen. Im Raum stehe allerdings noch die Frage, was mit der Aula Alte Steige geschehen soll. Dies thematisierte auch Johann Vogeltanz (Freie Bürger). OB Herrera Torrez antwortete, es mache nur Sinn, die Aula zu erhalten, wenn die Grundschule auf dem Gelände angesiedelt werde.

Anna-Lena Szabo (SPD) berichtete aus „eigener Erfahrung“, dass die Schule am Reinhardshof „ein toller Standort“ sei. Es gebe hier zum Beispiel Fachräume. Die SPD-Fraktion wünsche, dass Schulleitung und Lehrer in die Planungen des Umbaus mit einbezogen werden.

Man sei offen bei der Wahl für den Grundschulstandort in der Innenstadt. Gegen die Alte Steige spreche der Zustand der dortigen Turnhalle, die möglicherweise aufwendig saniert werden müsste.

Einstimmig beschlossen

Stefan Kempf (Bürgerliste) favorisierte die Lösung , die Grundschule in die Nähe des Gymnasiums anzusiedeln. Dann stünde an der Alten Steige eine komplette Fläche für die Wohnbebauung zur Verfügung.

Nach dem einstimmigen Beschluss des Fikuss wird dem Gemeinderat empfohlen, die Stadtverwaltung zu beauftragen, eine „zeitnahe“ Prüfung der beiden Grundschulvarianten vorzunehmen. Ebenso soll die Verwaltung, Planungen für die Gemeinschaftsschule am Standort Reinhardshof erarbeiten.

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