Wertheim

Werkrealschule Konrektor der Comenius Realschule übernimmt das Ruder / Staatliches Schulamt und Regierungspräsidium bestätigen Fortbestand der kleinen Lehranstalt

Dieter Fauth will „UrLi“ neues Leben einhauchen

Dieter Fauth ist neuer kommissarischer Leiter der Werkrealschule Urphar-Lindelbach. Er will „UrLi“ wieder in positive Bahnen lenken.

Urphar/Lindelbach. Es ist zumindest ungewöhnlich, dass ein Schulleiter von sich aus um ein Gespräch bittet. Dieter Fauth hat es getan. Er leitet seit Beginn des neuen Schuljahres, zunächst befristet auf ein Jahr, kommissarisch die in die Krise geratene Werkrealschule Urphar-Lindelbach, noch immer von vielen liebevoll-nostalgisch „UrLi“ genannt (wir berichteten). Und in dieser Funktion geht Fauth in die Offensive. Denn er ist fest entschlossen, die Werkrealschule wieder in positive Bahnen zu lenken.

Auch wenn sich seine ersten Sätze gar nicht so anhören. Er sei „ungewollt und ungefragt in das Amt gekommen“, ein „ordentlicher Schulleiter ist bisher nicht zu finden gewesen“ und sein Vorgänger habe „keinen gesteigerten Wert darauf gelegt, die Position weiter auszufüllen“, sagt Fauth. Im „Hauptberuf“ ist er weiterhin Konrektor an der Comenius Realschule Wertheim (CRW). Jeweils montags und donnerstags will er ab 11 Uhr in Urphar-Lindelbach sein, „mehr ständige Präsenz ist wahrscheinlich leider nicht möglich“. Für die Arbeit als kommissarischer Schulleiter hat der Pädagoge vier sogenannte Entlastungsstunden bekommen. Und Unterstützung. Zur Seite stehen ihm Verena Tenzer, ebenfalls Konrektorin an der CRW mit zwei Entlastungsstunden und Susanne Keupp, die bisher schon in „UrLi“ unterrichtet und gleichfalls über vier Stunden für die Tätigkeit verfügt.

„Zusammen bilden wir das Schulleiterteam“, informiert Fauth. Das Lehrerkollegium besteht im neuen Schuljahr aus zwölf Pädagogen, ein Drittel davon abgeordnet von der Realschule. Soweit die personelle Seite.

„Wir wissen alle, dass die Schule eine Abwärtsentwicklung genommen hat“, leitet der kommissarische Chef zum eigentlichen Thema des Gesprächs über. Er wisse nicht, ob es ihm gelinge, diese zu stoppen, räumt er ein, macht aber deutlich, dass er zumindest fest entschlossen ist, es zu versuchen.

Allerdings: „Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen, die Eltern müssen sich am Ende entscheiden. Es wird mit den Füßen abgestimmt.“ Ein Problem sieht Fauth in der vermeintlichen Randlage der Schule. Das mache es schwer, Schüler aus Richtung Mondfeld oder gar Freudenberg zu gewinnen. Versuchen will er es trotzdem und hofft auf den Einsatz von Shuttle-Bussen morgens und nachmittags, um den Transport zu gewährleisten.

Schon mächtig aktiv

Einen Schwerpunkt der Arbeit sieht der Pädagoge darin, dafür zu sorgen, dass „UrLi“ in der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen wird, auch wenn es, zumindest anfangs, nur durch bescheidenere Events sein könne.

Dafür müsse es aber wieder so etwas wie ein Schulleben geben. Aufbauen will er das zunächst aus dem normalen Unterricht heraus, denn die Werkrealschule verfügt derzeit weder über AG-Stunden noch über Schulbegleiter. Auch das soll sich ändern. „’UrLi’ ist zur Zeit so etwas, wie die ‚Bad Bank’ der Schulen Wertheims“, spricht er ein weiteres Problem offen an. Quereinsteiger, also Schüler, die nicht unmittelbar nach der Grundschule nach Urphar-Lindelbach kommen, seien momentan vor allem solche, die an anderen Schulen untragbar geworden sind.

„Das ist für uns eine große Belastung.“ Um diese abzubauen, hofft er auf die Kollegialität und Solidarität der anderen Schulleiter.

Obwohl Fauth erst seit Kurzem im Amt ist, war er zusammen mit seinem Schulleitungsteam schon mächtig aktiv. So hat es bereits Gespräche mit Vertretern von Industrie und Handwerk gegeben, um seine Idee von Patenschaften in die Tat umzusetzen. Von Beginn an sollen die Schüler mit der Berufswelt in Kontakt kommen und im Idealfall am Ende die Garantie auf einen Ausbildungsplatz haben, wenn sie den Hauptschulabschluss erreichen.

Bislang hing über „UrLi“ zumindest in der Öffentlichkeit ein Damoklesschwert: Der Bestand der Schule schien nur bis 2021 gesichert schien. „Das hat sicher viele Eltern davon abgehalten, ihre Kinder hier anzumelden.“ Fauth sieht die Gefahr einer Schließung allerdings nicht mehr als gegeben an und bezieht sich dabei auf Schreiben des Staatlichen Schulamtes und des Regierungspräsidiums.

In Wertheim einmalig

Darin wird auf den Ausnahmetatbestand hingewiesen, dass ohne die Werkrealschule Urphar-Lindelbach „ein entsprechender Schulabschluss nicht in zumutbarer Erreichbarkeit angeboten wird“. Die Werkrealschule „bleibt daher bestehen“.

Die Zukunft für „UrLi“ sieht also wieder rosiger aus. Und wenn Fauth, mit Unterstützung von Lehrerkollegium und Eltern, mit seiner Offensive Erfolg hat, „dann könnte ich mir vorstellen, die Leitung auch über das eine Jahr hinaus zu übernehmen“.

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