Walldürn

Tourismus Zulassungszahlen von Wohnmobilen steigen im Neckar-Odenwald-Kreis seit Jahren kontinuierlich an

Ferienhäuser auf Rädern sehr begehrt

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie erfreuen sich Wohnmobile großer Beliebtheit. Anfang des Jahres waren bereits 1026 rollende Ferienwohnungen zugelassen.

Neckar-Odenwald-Kreis. Wohnmobile boomen: Um 56 668 ist deren Zahl von 2019 auf 2020 in Deutschland angestiegen. 589 355 waren es nach der jüngsten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bundesweit: 1026 Ferienhäuser auf Rädern waren zu Jahresanfang 2020 im Neckar-Odenwald-Kreis registriert. Das ist mal wieder ein neuer Höchstwert. Von 2009 bis heute wuchs der deutschlandweite Bestand insgesamt um 264 254 Fahrzeuge und hat sich damit mehr als verdoppelt.

Im Neckar-Odenwald-Kreis stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 481 (88,3 Prozent). Das ist aktuell Platz 217 in der Wohnmobil-Bundesliga, wenn die Zahl der Wohnmobile pro 1000 Einwohner der Maßstab ist. Spitzenreiter ist der Kreis Schleswig-Flensburg mit 19,42 Wohnmobilen pro 1000 Einwohner. Dort ist allerdings ein großer Vermieter beheimatet. Das heißt, dessen Geschäfte liefen nicht schlecht.

Vergleicht man im Neckar-Odenwald-Kreis die Werte von Anfang 2019 und 2020, stieg die Zahl der zugelassenen Wohnmobile binnen eines Jahres um 73 (7,7 Prozent). Was in absoluten Zahlen im Vergleich zum Gesamt-Kraftfahrzeugbestand (118 312 Fahrzeuge inklusive 20 926 Anhänger, darunter auch Wohnwagen, die nicht mehr einzeln gezählt werden) aber auch zeigt, dass Wohnmobile in der Regel als Dritt- oder Zweitwagen Nischenprodukte sind. Der Neckar-Odenwald-Kreis liegt in der Wohnmobil-Bundesliga mit seiner Wohnmobildichte von 7,15 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner auf Platz 217 von 400 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Die Stadt Halle (Saale) liegt mit 2,17 Wohnmobilen pro 1000 Einwohner auf dem letzten Platz.

Eine hohe Nachfrage war schon seit Jahresbeginn zu verzeichnen: Im Mai wuchsen die Neuzulassungen um 29,1 Prozent. Vermutlich werden sich die stolzen Besitzer jetzt ärgern: Bei Preisen von im Schnitt 70 000 Euro wären drei Prozent weniger Mehrwertsteuer seit Anfang Juli mit 2000 Euro und mehr (je nach Kaufpreis) schönes Urlaubsgeld gewesen.

Dank Corona bekommen die Wohnmobile derzeit eine Vorreiterrolle: Kaum, dass die Devise nicht mehr „Bleibt zuhause“ lautete, gingen die ersten wieder auf Achse. Mindestabstand sozusagen inklusive. Ob in den Sommerferien größere Touren daraus werden, ist noch offen, weil das auch davon abhängt, wie sich die wieder offenen Grenzen bewähren oder ob es bei Urlaub in Deutschland bleibt.

Mit dem Wohnmobil geht beides. Dank Diesel unter der Haube sind die Autos durchaus Kilometerfresser. Und sie sind nachhaltig, weil sie lange halten. Denn, dass der Bestand immer weiter steigt, hängt auch damit zusammen, dass nur wenige Wohnmobile verschrottet werden. Außer der Motor unter der Haube hat Schadstoffklasse Euro-5, Euro-4 oder schlechter. Deswegen zittern Wohnmobilisten auch immer noch ein wenig vor Fahrverboten, weil die allermeisten einen schon älteren Diesel unter der Haube haben. Und lassen Umweltzonen dann auch links liegen. Zielgruppe für die schöne neue Welt der E-Motoren sind sie trotz E-Auto-Prämie derzeit nicht: Erstens gibt es momentan nur Prototypen. Zweitens ist das auch eine Geldfrage: Als E-Auto kommt der Camper dann auf einen Mindesteinstiegspreis von 150 000 Euro.

Nicht, dass das potenzielle Interessenten an sich verschrecken würde. Solche Preise werden auch für Diesel-Camper aufgerufen. Aber die sind dann schon ein echtes Heim auf Rädern. Ob Plugin-Modelle, die derzeit meist Benzinmotoren haben, eine Alternative sind, wird sich im Herbst erweisen. Bis dahin sollen erste Fahrzeuge lieferbar sein.

Immerhin: Einen Vorteil gegenüber anderen Elektroautoenthusiasten hätte der Elektro-Camper bei den derzeitigen Ladezeiten von mindestens acht Stunden: Er könnte an der Ladesäule kochen, essen und ins Bett gehen, um ausgeruht weiter zu fahren, wenn er wieder zwei-, dreihundert Kilometer Reichweite in der Batterie hat. Dieselcamper sind dann womöglich schon zwei Tage am Gardasee, im Ostseebad Binz oder wohin es sie sonst so aus dem Neckar-Odenwald-Kreis in die Ferne zieht. Und sie zählen bei der derzeitig modernen Menscheneinteilung trotz Diesel zu den Guten: Immerhin müssen sie keine Flugscham haben. teb

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