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Vortrag Satiriker und Politiker referierte im Schauspiel Frankfurt vor vollem Haus

„Titanic“-typische Satire

Archivartikel

In drei Wochen findet die Europawahl statt, und was passt da besser in ein abendliches Programm, als der Auftritt eines EU-Parlamentariers? Okay, dies klingt jetzt erst einmal nicht wirklich gerade nach guter Unterhaltung. Wenn es sich bei diesem MdEP (Mitglied des Europäischen Parlaments) jedoch um Martin Sonneborn handelt, nimmt die Veranstaltung eine ganz besondere Form an. Denn Sonneborn ist nicht nur Mitglied des Europäischen Parlaments, sondern auch Journalist und vor allem Satiriker.

Martin Sonneborn studierte Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft und schrieb seine Magisterarbeit über das Satiremagazin „Titanic und die Wirkungsmöglichkeiten von Satire“. Nachdem er 1995 ein Praktikum beim Satiremagazin „Eulenspiegel“ gemacht hatte, arbeitete er als Redakteur bei „Titanic“. 2000 wurde er Chefredakteur, gab dieses Amt dann aber 2005 an einen Redaktionskollegen ab, und ist heute Mitherausgeber der Zeitschrift.

Doch wie kommt jemand wie Sonneborn ins Europäische Parlament? Am 2. August 2004 gründete er zusammen mit weiteren Redakteuren der „Titanic“ die Partei „Die Partei“, deren Vorsitzender Sonneborn bis heute ist. Bei der Europawahl 2014 wurde Sonneborn als Spitzenkandidat der Partei „Die Partei“ in das Europäische Parlament gewählt. „Die Partei“ erreichte 0,6 % der Stimmen.

Im August 2018 erklärte Martin Sonneborn in Brüssel, dass er erneut zur Wahl für das Europaparlament antreten wird, und reist nun seit Anfang Mai auf seiner Wahlkampftour „Für Europa reicht´s“ quer durch Deutschland.

An vier Terminen kann man diesen etwas anderen Politiker auch bei seinem abendfüllenden Programm „Krawall und Satire“ erleben. Sonneborn fasst diesen Abend politisch korrekt wie folgt zusammen: „Ein Abend mit Martin Sonneborn ist ein ganz unaufgeregtes Multimediaspektakel mit lustigen Filmen und brutaler politischer Agitation zugunsten der Partei, die in Deutschland immer noch unbemerkt nach der Macht greift.“

Doch dieser Abend entpuppt sich im „Schauspiel Frankfurt“ als weit mehr als das. Der Saal ist proppenvoll, als Sonneborn die Bühne betritt und mit einer äußerst charismatischen Art das Publikum in seinen Bann zieht.

Was folgt, ist ein humorvolles Programm voller Anekdoten und Geschichten, die einen Einblick in das Innerste des EU-Parlaments gewähren, und über Parteiarbeit und unglaubliche Wahlplakataktionen zur Bundestagswahl berichten. Unglaublich, was Martin Sonneborn da an die Wand projiziert.

Mit Bildern und kleinen Filmausschnitten untermalt er seinen kurzweiligen Vortrag und begeistert das Publikum mit „Titanic“-typischer Satire an diesem Abend in Frankfurt. Anke Vogel