Lauda / Königshofen

Wohnmobile boomen Im Main-Tauber-Kreis gab es bei der jüngsten Zählung des Kraftfahrt-Bundesamtes über 920 Fahrzeuge

Ferienhäuser auf Rädern immer beliebter

Archivartikel

Wohnmobile sind in: Um 56 668 ist deren Zahl von 2019 auf 2020 in Deutschland angestiegen.

Main-Tauber-Kreis. 589 355 waren es nach der jüngsten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bundesweit: 921 Ferienhäuser auf Rädern waren davon zu Jahresanfang 2020 im Main-Tauber-Kreis registriert. Das ist mal wieder ein neuer Höchstwert.

Bestand verdoppelt sich

Von 2009 bis heute wuchs der deutschlandweite Bestand insgesamt um 264 254 Fahrzeuge und hat sich damit mehr als verdoppelt. Im Main-Tauber-Kreis stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 442 gleich 92,3 Prozent. Das ist aktuell Platz 226 in der Wohnmobil-Bundesliga, wenn die Zahl der Wohnmobile pro 1000 Einwohnern der Maßstab ist. Spitzenreiter ist der Kreis Schleswig-Flensburg mit 19,42 WoMos pro 1000. Da ist allerdings ein großer Vermieter beheimatet, das heißt, dessen Geschäfte liefen nicht schlecht.

Vergleicht man die Werte von Anfang 2019 und 2020, stieg die Zahl der zugelassenen Wohnmobile hier binnen eines Jahres um 93 (11,2 Prozent). Was in absoluten Zahlen im Vergleich zum Gesamt-Kraftfahrzeugbestand (117 052 Fahrzeuge inklusive 17.358 Anhängern, darunter auch Wohnwagen, die nicht mehr einzeln gezählt werden) aber auch zeigt, dass Wohnmobile in der Regel als Dritt- oder Zweitwagen Nischenprodukte sind. Der Main-Tauber-Kreis liegt in der Wohnmobil-Bundesliga mit seiner Wohnmobildichte von 6,96 WoMos pro 1000 Einwohner auf Platz 226 von 400 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Die Stadt Halle (Saale) liegt mit 2,17 Wohnmobilen pro 1000 Einwohner auf dem letzten Platz.

Hohe Nachfrage war schon seit Jahresbeginn angesagt. Im Mai wuchsen die Neuzulassungen um 29,1 Prozent. Vermutlich werden sich die stolzen Besitzer jetzt ärgern: Bei Preisen vom im Schnitt 70 000 Euro wären die drei Prozent weniger Mehrwertsteuer ab Juli mit 2000 Euro und mehr (je nach Kaufpreis) schönes Urlaubsgeld gewesen. Mit Corona bekommen die WoMos derzeit eine Vorreiterrolle: Kaum, dass die Devise nicht mehr „Bleibt zuhause“ lautete, gingen die ersten wieder auf Achse. Mindestabstand sozusagen inklusive. Ob da in den Sommerferien größere Touren draus werden, ist noch offen, weil’s auch davon abhängt, wie sich die wieder offenen Grenzen bewähren oder ob’s bei Urlaub in Deutschland bleibt.

Mit dem WoMo geht beides. Dank Diesel unter der Haube sind die Autos durchaus Kilometerfresser. Und sie sind nachhaltig, weil sie lange halten. Denn, dass der Bestand immer weiter steigt, hängt auch damit zusammen, dass nur wenige Wohnmobile verschrottet werden. Eigentlich ein Öko-Traum. Außer der Motor unter der Haube hat Schadstoffklasse Euro-5 oder Euro-4 oder schlechter. Deswegen zittern Wohnmobilisten auch immer noch ein wenig vor Fahrverboten, weil die allermeisten einen schon älteren Diesel unter der Haube haben. Und lassen Umweltzonen dann auch links liegen. Zielgruppe für die schöne neue Welt der E-Motoren sind sie trotz E-Auto-Prämie derzeit aber eh nicht: Erstens gibt’s momentan nur Prototypen. Zweitens ist das auch eine Geldfrage: Als E-Auto kommt der Camper dann auf einen Minimumeinstiegspreis von 150 000 Euro.

Nicht dass das potenzielle Interessenten an sich verschrecken würde. Solche Preise werden auch für Diesel-Camper aufgerufen. Aber die sind dann schon ein echtes Heim auf Rädern. Ob Plugin-Modelle, die derzeit meist Benzinmotoren haben, eine Alternative sind, wird sich im Herbst weisen. Bis dahin sollen erste Fahrzeuge lieferbar sein. Mal sehen, ob die einen Boom auslösen. Immerhin: Einen Vorteil gegenüber anderen Elektroautoenthusiasten hätte der Elektro-Camper bei den derzeitigen Ladezeiten von acht Stunden plus X: Er könnte an der Ladesäule kochen, essen und ins Bett gehen, um ausgeruht weiterzufahren, wenn er wieder zwei-, dreihundert Kilometer Reichweite in der Batterie hat. Gut – Dieselcamper sind dann womöglich schon zwei Tage am Gardasee, im Ostseebad Binz oder wohin es sie sonst so aus dem Main-Tauber-Kreis in die Ferne zieht. Und sie zählen bei der derzeitig modernen Menscheneinteilung trotz Diesel zu den Guten: Immerhin müssen sie keine Flugscham haben. teb

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