Külsheim

Insolvenz Amtsgericht eröffnet Verfahren gegen Real Innenausbau AG / Sanierungskonzept sieht Stellenabbau und Investorsuche vor

Nächste Kündigungswelle in Külsheimer Werk

Archivartikel

Das Unternehmen Real Innenausbau in Külsheim will mit Stellenabbau und einem Investor seinen jahrelangen Schlinger-Kurs beenden. Jetzt wurde erst einmal das Insolvenzverfahren eröffnet.

Külsheim. Die Chronik des Unternehmens Real Innenausbau in Külsheim hat etwas von einer Sinuskurve, die in Erfolgszeiten steil nach oben ging, seit ein paar Jahren aber einen deutlichen Abwärtstrend aufweist.

Als im November 2018 der Vorstand der Real Innenausbau, Michael Betz, seiner Belegschaft mitteilen musste, dass von den damals 330 Mitarbeitern 80 eine Kündigung erhalten werden, gingen alle Beteiligten davon aus, dass dies eine einmalige Angelegenheit sei. Denn Betz sprach von einer Art „Profilschärfung“, von der Verlagerung vom handwerklichen Bereich in den reinen Projektierungsbereich. Und so traf diese erste Kündigungswelle die Mitarbeiter der Schreinerei und Schlosserei. Ein mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft aufgestellter Sozialplan sollte die Härte dieses Einschnitts abfedern.

Weil damals die reine Produktion in Külsheim geschlossen wurde, hatte die IG Metall keine Handhabe mehr und konnte sich beim weiteren Prozess nicht mehr für die im Unternehmen verbliebenen 250 Mitarbeiter starkmachen.

Erste Entlassungen im Jahr 2019

Nur ein Jahr nach der ersten Entlassungswelle und der angedachten Umstrukturierung wurde im März 2020 beim Landgericht Mosbach ein Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Als Grund für diesen Schritt wurde die Stabilisierung des Geschäfts angeführt. In der offiziellen Pressemitteilung dazu war bereits nur noch von 180 Mitarbeitern die Rede.

Die Aufgabe des Insolvenzverwalters übernahm Rechtsanwalt Marcus Winkler, damals noch Partner in der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff, inzwischen Partner der Rechtsanwaltsgesellschaft Winkler Gossak in Stuttgart.

„Wir werden kurzfristig Maßnahmen einleiten, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren“, erklärte Winkler bei Antragstellung im März. Neben dem längerfristigen Prozess der Verbesserung von Strukturen gehörte unter anderem auch die Beantragung von Insolvenzgeld, also Lohnfortzahlung für drei Monate, dazu. Zudem wurden Gespräche mit Lieferanten und Kunden geführt, um eine gewisse Stabilität zu erzeugen.

Dennoch zogen diverse Kunden ihre Aufträge zurück. Die Unsicherheit, dass ein Projekt von Real nicht beendet werden kann, sei einfach zu groß, lautete deren Begründung.

Das große Ziel all der zur Firmensicherung eingeleiteten Maßnahmen ist der gewünschte Einstieg eines Investors in das Unternehmen. Wie die Kanzlei Winkler Gossak am Dienstag verlauten ließ, habe sich ein Interessent gefunden, der das Unternehmen übernehmen und langfristig fortführen wolle. Er habe sein Konzept zur Übernahme bereits vorgestellt. Weitere Angaben über den Interessenten wollte man in Stuttgart jedoch nicht machen.

Am 1. Juni nun wurde das Insolvenzverfahren am Landgericht Mosbach eröffnet. „Der Geschäftsbetrieb der Real Innenausbau AG an den Standorten Külsheim und Düsseldorf wird nach der Insolvenzeröffnung mit 80 Arbeitnehmern fortgeführt“, teilte die Stuttgarter Kanzlei am Dienstag mit.

In allen Bereichen

Das bedeutet: Trotz Interesse eines möglichen Investors werden weitere 66 Arbeitsplätze gestrichen. Die Kündigungen fallen in allen Bereichen an. Für die 66 betroffenen Mitarbeiter wurde mit dem Betriebsrat ein Interessenausgleich und Sozialplan beschlossen. Betriebsratsvorsitzende Anja Katzenmeier dazu: „Der Personalabbau ist bitter für jeden Beschäftigten, dessen Arbeitsplatz abgebaut wird. Auch wir Betriebsräte sind traurig und verärgert, weil aus unserer Sicht in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden sind, die uns in die Insolvenz gebracht haben. Wir waren zu diesem Personalabbau gezwungen, weil wir im Unternehmen insolvenzbedingt mit deutlich weniger Umsatz planen und ohne diesen massiven Einschnitt weiterhin hohe Verluste machen würden. Ohne diesen radikalen Personalschnitt wäre es dem Insolvenzverwalter nicht möglich gewesen, das Unternehmen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens unter Vollkosten fortzuführen.“

Am Montag wurde die Belegschaft von den anstehenden Entlassungen informiert. „Die betroffenen Arbeitnehmer waren natürlich enttäuscht und zum Teil auch wütend, dass jetzt über 60 Kündigungen ausgesprochen werden. Als Betriebsräte können wir dafür kein Lob erwarten, weil wir diese Kündigungen nicht verhindern konnten. Aber wir müssen nach vorne schauen und gemeinsam hoffen, dass wir schnellstmöglich einen Übernehmer für die verbleibenden 80 Arbeitsplätze finden“, so Katzenmeier.

Außerdem hoffe man auf ein schnellstmögliches Ende des Investorenprozesses, damit wieder Planungssicherheit für Kunden, Lieferanten und das Unternehmen selbst herrschen könne. Winkler rechnet frühestens in vier bis sechs Wochen damit.

Gute Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter Marcus Winkler und dem Arbeitsrechtler, Rechtsanwalt Andree Gossak, bezeichnete Katzenmeier als „vertrauensvoll und gut.“ Die Transparenz und der faire Umgang haben dabei geholfen.

Insgesamt hat die Ladenbaufirma in Külsheim dann in knapp eineinhalb Jahren ihr Personal von ursprünglich 330 auf 80 Mitarbeiter drastisch reduziert und ganze Sparten abgestoßen.

Vom Insolvenzantrag nicht betroffen sind die Real Shopfitting S.à r.l. aus Flaxweiler in Luxemburg sowie die Möbelwerk hoch drei GmbH aus Lauda-Königshofen.