Külsheim

Bau der Külsheimer Schule vor 50 Jahren Bund und Land unterstützten das Projekt mit Zuschüssen / Raumnot

Für die Schüler gab’s „Weck und Wurst“

Archivartikel

Vor 50 Jahren feierte man in Külsheim die Einweihung der neu gebauten Grund- und Hauptschule. Zuvor hatten alle an dem Großprojekt Beteiligten viel zu tun.

Külsheim. Nachdem feststand, wo die neue Schule errichtet werden und wie sie aussehen soll, liefen von 1963 bis 1965 die Finanzierungsverhandlungen für die Maßnahme. Bürgermeister Erhard Junghans und Ratschreiber Adalbert Meltzer fuhren Ende Juni 1963 zu Besprechungen bei verschiedenen Behörden und Ministerien in Bonn. Dabei ging es um die Frage, in welchem Umfang sich der Bund am Neubau der Volksschule beteiligt.

„Bundesinteressenanteil“

Daraus resultierte „ein Bundesinteressenanteil für rund 207 Kinder“. Schließlich war die Volksschule im außerordentlichen Haushaltsplan 1965 mit einem Betrag von 2,394 Millionen D-Mark veranschlagt, im außerordentlichen Haushaltsplan 1966 die Turnhalle mit Lehr-schwimmbecken bei einem Kostenvoranschlag von 1 169 460 D-Mark. Beim Schulbau flossen Zuschüsse von Bund und Land ein, ein Darlehen des Bundes, Mittel aus dem Ausgleichstock sowie Eigenmittel. Für den Sporttrakt gab es vom Bund Zuschuss und Darlehen. Zudem erhielt die Kommune Toto-Lotto-Mittel, musste aber auch hie in das eigene Stadtsäckel greifen.

Am 30. August 1965 wurde submittiert. Die Firma Heußlein aus Külsheim war unter acht Firmen die günstigste Bieterin. Sie erhielt den Auftrag zunächst für den Volksschulbau, dann auch für die Turnhalle und das Lehrschwimmbecken. Die Arbeiten gingen zügig voran. Glücklicherweise gab es keine schweren Unfälle.

In die Finanzierungsverhandlungen und mitten in die Detailplanungen fiel die Entscheidung, Külsheim zum Sitz der Nachbarschaftsschule zu erklären. Für diese waren zu dem Zeitpunkt eigentlich auch die Hauptschüler der Gemeinden Eiersheim, Uissigheim und Steinbach einzuplanen. Der Baubeginn konnte allerdings nicht mehr verzögert werden. Somit war schon beim Spatenstich am 20. Juni 1966 klar, dass es in der Bildungseinrichtung einige Räume zu wenig geben werde. Schließlich hatte man ja nur für die Külsheimer Verhältnisse geplant.

Das Richtfest für die Volksschule wurde am 3. November 1967 gefeiert. Diesem schloss sich ein Essen in der Turnhalle an. Wie die Akten belegen, wurden „an die teilnehmenden Personen und Arbeiter des Richtfests (. . .) von der Stadt Bons ausgegeben und zwar pro Person für ein Essen, ein belegtes Brot, fünf Flaschen Bier und 1x Rauchwaren“ im Gesamtwert von jeweils 9,50 D-Mark „zuzüglich zehn Prozent Bedienung“.

Im Januar 1968 zogen die Schüler vom Schloss in die neue Grund- und Hauptschule um. Ein zweistündiger „Tag der offenen Tür“ am 7. April 1968 ermöglichte allen Interessierten Einblicke in den Neubau. Bereits im Betrieb befanden sich damals im Obergeschoss von „Block I“ sechs Klassenzimmer, im Untergeschoss zwei Klassenzimmer in den für Werkunterricht vorgesehenen Räumen, eine Lehrküche und ein Handarbeitssaal.

Auch im „Block II“ gab es im Obergeschoss sechs Klassenzimmer, im Untergeschoss Rektor-, Lehrerzimmer, Hausmeister- und Elternsprechzimmer, den Physiksaal mit Vorbereitungszimmer, Lehr- und Lernmittelzimmer, ein Aufenthaltsraum für Schüler sowie ein weiteres Klassenzimmer in dem als Musikzimmer vorgesehenen Raum. Im Schloss waren noch Musikzimmer, Werkräume und die städtische Jugendmusikschule untergebracht.

Sporttrakt

Der Sporttrakt befand sich im April 1968 im Rohbau. Es bestand aus einer zwölf mal 24 Meter großen Turnhalle und einem acht mal 16,67 Meter großem Lehrschwimmbecken mit Hebeboden sowie erforderlichen Nebenräumen. Im Keller entstanden die zentrale Heizung für die Gesamtanlage und Abstellflächen für Fahrräder. Neben „Block II“ und dem Sporttrakt wurde ein 50 mal 25 Meter großer Spielplatz eingerichtet, der auch als Verkehrserziehungsplatz dienen sollte. Die Eröffnung des Sporttrakts erfolgte am 2. Januar 1969.

Die Einweihung des Schulverkehrsgartens Külsheim feierte man am 16. September 1969, drei Tage danach die Einweihung der neuen Volksschule Külsheim als Grund- und Hauptschule. Zuvor schon hatte man sich im Gemeinderat grundlegende Gedanken über die Verpflegung bei der Einweihungsfeier gemacht. Für die erwachsenen Gäste wurde ein kleiner Imbiss im Soldatenheim organisiert.

Die Schüler sollten gleich vor der Stadthalle „Weck und Wurst“ erhalten. Um die Qualität überprüfen zu können, hatte der Bürgermeister vorab Proben von den Külsheimer Metzgereien liefern lassen. Keiner der Stadträte wusste, von welchem Metzger die jeweiligen „Häppchen“ waren. Dennoch entschieden sich alle eindeutig für dieselben Knackwürste. Die Brötchenbestellungen indes wurden auf die fünf damaligen Külsheimer Bäcker aufgeteilt. Jeder lieferte je 110 „Wasserweck“.

In einer umfangreichen Festschrift, „Festbuch“ genannt, wurde de Neubau unter verschiedenen Aspekten betrachtet. Der Bürgermeister schrieb ein Geleiwort, die Architekten über „Ein Schulhaus nach den Erfordernissen der Pädagogik“. Rektor Alwin Schmitt betonte, „das Bild der neuen Schule muss Freude wecken“. Weitere Kapitel waren dem Brunnen an der Schule („Plastische Gebilde aus Wasser und Beton“) und dem Verkehrsgarten („Der Verkehrsgarten, bewährt in der praktischen Schulverkehrserziehung“) gewidmet.

Mit dem Bau der Gebäude für die Grund- und Hauptschule Külsheim wurde damals der Grundstock für ein ländliches Bildungszentrum geschaffen. Allerdings wussten die Verantwortlichen schon 1969, dass ein weiterer Trakt dringend nötig war.