Höpfingen

50-Jahr-Feier Die im August 1969 bezogenen Aussiedlerhöfe in dem Waldstettener Gewann hatten Grund zum Feiern

„50 Jahre Fuchsenloch sind 50 Jahre Gründergeist“

Archivartikel

Waldstetten/Fuchsenloch.„50 Jahre Fuchsenloch sind 50 Jahre Gründergeist“: Was Peter Hauk, Minister für Verbraucherschutz und Ländlichen Raum, am Sonntag in seinem Grußwort auf den Punkt gebracht hatte, verdeutlichte am Wochenende auf eindrückliche Weise die 50-Jahr-Feier der im August 1969 bezogenen Aussiedlerhöfe im Waldstettener Gewann „Fuchsenloch“. Das Programm reichte vom „bunten Hüttenzauber“ in adventlichem Ambiente bis hin zum Wortgottesdienst mit Festakt.

Herzstück des durch die Bewohner unter Mithilfe der Waldstettener Vereine organisierten Fests war der am Sonntag von Wolfgang Bummer geleitete Wortgottesdienst. Neben der Musik – für die waren der von Michael Henn dirigierte Gesangverein „Frohsinn“ Waldstetten sowie die Formation „Alive“ (Marina und Daniela Heffner, Julia Wollenschläger und Bernd Wörner) zuständig – standen einfühlsame, teils auf die Landwirtschaft bezogene Worte im Mittelpunkt der Feier.

Wolfgang Bummer bezog sich auf Jesus, der inmitten einer einfachen Agrargesellschaft tiefgreifende Erfahrungen im Umgang mit der Natur sammelte: „Jesus ist unser Landwirt und Gärtner, wie auch unser Retter und Gottessohn“, betonte er und hielt fest, dass eine Pflanze einen guten Standort benötige, um nicht zu verkümmern. Was sich freilich auch von der Fuchsenloch-Siedlung sagen ließe.

Die Fürbitten trugen Bewohner der Höfe vor, ehe Wolfgang Bummer an die Verstorbenen der fünf Aussiedlerfamilien erinnerte.

Auf das gemeinsam angestimmte Schlusslied „Oh Happy Day“ und dem Dank Wolfgang Bummers an alle Mitwirkenden folgte der Festakt, den Moderatorin Dr. Stefanie Baumann mit passenden Worten eingeleitet hatte.

„Fuchsenloch“ in Wort und Bild

Nachdem sie sich noch „extra speziell“ bei Daniela Heffner für die Gestaltung des neuen Fuchsenloch-Logos und das Marketing bedankte, stellte der Waldstettener Ortschronist Herbert Frisch, der selbst von 1969 bis 1988 auf einem der Höfe gelebt hatte, 50 Jahre Fuchsenloch in Wort und Bild vor.

Seine Ausführungen begannen bereits in den 50er-Jahren, wo die starke Zersplitterung des Grundbesitzers aufgrund der Realerbteilung und enge Hofstallungen im Kernort Waldstetten eine Weiterentwicklung der Landwirtschaftsbetriebe mittelfristig verhinderten.

„Die Aussiedlung bot vielversprechende Perspektiven, für die eine 1963 erfolgte Flurbereinigung den Grundstock bildete“, zeigte Frisch auf und ließ wissen, dass die fünf Betriebe der 1969 aussiedelnden Familien Frisch, Baumann, Heffner, Löffler und Klotzbücher seinerzeit 100 Hektar bewirtschaftet hatten.

„Fortschritte in Mechanisierung und Struktur bewirkten eine Steigerung der Produktivität, an deren Spitze heute 450 Hektar stehen“, hielt er fest. Wenngleich man nicht nur Positives erlebt habe und der Blick in die Zukunft nicht durch die rosarote Brille erfolge, könne man sich in rechter Zufriedenheit üben: „Technische Hilfsmittel erleichtern die Situation, auch wenn man bei aller Technik im Auge behalten muss, dass man nicht alles in der Hand hat“, erklärte Herbert Frisch.

Dem Fuchsenloch und seinen Bewohnern attestierte er Fleiß, Beständigkeit und Zusammenhalt, der weit über das gemeinsame Nutzen von Maschinen hinaus gehe. „Genau so konnte man das erreichen, was wir heute sehen“, bilanzierte er am Ende seiner packenden, mit historischen und aktuellen Fotos unterlegten Ausführungen, die er auch in Buchform präsentierte.

Grußworte

Ortsvorsteher Andreas Schäfer sprach von Höhen und Tiefen aller Art, die sich quer durch die vergangenen 50 Jahre zogen und hielt fest, dass das Menschliche in Form guten Zusammenhalts im Fuchsenloch „immer gelebt wurde und weiterhin gelebt wird“, was vor allem in Zeiten des landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels absolut bemerkenswert sei.

MdB Alois Gerig (CDU) schilderte persönliche Erinnerungen an die Zeit der Aussiedlung und propagierte die Wichtigkeit familiengeführter Landwirtschaftsbetriebe: „Gemeinschaft und Wertschätzung bestimmen die Atmosphäre auf dem Fuchsenloch“, hielt er fest und leitete über zu Peter Hauk. Der Minister für Verbraucherschutz und Ländlichen Raum betonte, dass der Pioniergeist von 1969 noch heute weithin sicht- und spürbar sei. Zudem habe der Agrarbereich in Mitteleuropa nach wie vor gute Zukunftsperspektiven - nur die Ausgangspositionen veränderten sich über die Jahrzehnte.

Hüttenzauber auf den Höfen

Nach dem Mittagessen standen der bunte Hüttenzauber auf den Hofgeländen, musikalische Unterhaltung mit der Musikkapelle Waldstetten und Vorführungen durch den Kindergarten St. Justinus auf dem Programm.

So wurden alle Altersklassen und Geschmäcker erreicht – und die Zahl der Besucher an beiden Tagen kann als schlicht überwältigend bezeichnet werden. ad