Hardheim

Am 20. November ist bundesweiter Vorlesetag „Vorlesen verbindet“, findet Brigitte Scheuermann von der Gemeindebücherei Hardheim / Bald gibt es ein digitales Angebot

„Ein Buch bleibt etwas Einmaliges“

„Anfangen!“: So lautet die Antwort von Brigitte Scheuermann auf die Frage, was beim Vorlesen wichtig ist. Sie gehört dem Team der Gemeindebücherei an – und war schon als Kind eine Leseratte.

Hardheim. Am bundesweiten Vorlesetag macht die „Stiftung Lesen“ darauf aufmerksam, wie wichtig Vorlesen für Kinder ist. Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten verrät Brigitte Scheuermann, warum Eltern schon mit Kleinkindern lesen sollten. Die stellvertretende Leiterin der Gemeindebücherei Hardheim geht auf das Image von Büchern ein – und auch darauf, wie die Digitalisierung die Lese-Gewohnheiten verändert.

Frau Scheuermann, warum ist Vorlesen so wichtig?

Brigitte Scheuermann: Vorlesen erleichtert das Lesen lernen, fördert die Sprachentwicklung und trägt zur Stärkung der sozialen Kompetenz bei. Darüber hinaus fördert es die individuelle Entwicklung der Kinder – und die familiären Bindungen. Und: Es kann positive Auswirkungen auf schulische Leistungen haben.

Wird denn überhaupt noch vorgelesen?

Scheuermann: Ja – in der Familie, im Kindergarten und in der Schule. In den Bibliotheken wegen Corona zurzeit leider nein. Aber unter „einfachvorlesen.de“ gibt es im Internet dazu tolle Alternativen – einige davon sogar kostenlos.

Lesen hat bei vielen jungen Menschen ein schlechtes Image. Woran liegt das?

Scheuermann: Lesen findet in den digitalen Medien statt – via Handy und Tablet. Das klassische Buch wird dadurch etwas verdrängt.

Wie kann man diesem Trend entgegenwirken?

Scheuermann: Indem man sich Zeit für die Kinder nimmt und früh mit dem „Event“ Vorlesen beginnt, denn: Viele Kinder erleben ihr Umfeld mit dem Handy in der Hand. Das war früher anders. Daher ist es wichtig, dass wir immer wieder Anreize geben – im Kindergarten, in der Schule und in den Bibliotheken, dass man vorliest und dabei die soziale Interaktion pflegt.

Was lesen Sie im Moment?

Scheuermann: „Die Wurzel alles Guten“, ein Roman des finnischen Autors Miika Nousiainen. Der ist wirklich gut.

Haben Sie einen Lieblingsautor, ein Lieblingsgenre – oder ein Lieblingsbuch?

Scheuermann: Ich habe keinen speziellen Lieblingsautor und auch kein spezielles Lieblingsbuch. Am liebsten lese ich Kriminalromane.

Worin schmökern die Mädchen, die Stammgäste in der Gemeindebücherei Hardheim sind, am liebsten?

Scheuermann: In Pferdebüchern, beispielsweise von Linda Chapman, oder in Büchern über Katzen. Und natürlich in „die drei !!!“. Darüber hinaus kommen „Conni“-Bücher von Julia Boehme bei den Mädchen gut an. Prima gehen auch Buchreihen, wenn also eine Autorin 25 Bücher geschrieben hat, dann weckt das die Neugier – und das läuft prima.

Und was „geht“ bei den Jungen am besten?

Scheuermann: Die Jungs lieben „Greg’s Tagebuch“. Das ist berühmt-berüchtigt. Die Reihe „Das magische Baumhaus“ ist sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen beliebt. Aber für welche Titel sie sich entscheiden, sollte eigentlich nicht im Vordergrund stehen. Wichtig ist, dass Kinder überhaupt lesen.

Wie viele Bücher haben Sie im Bücherschrank bei sich Zuhause stehen?

Scheuermann: Viele.

Und wie viele Bücher sind hier in der Gemeindebücherei zu finden?

Scheuermann: Im Kinder- und Jugendbereich haben wir rund 5000 Medien – also Bücher, DVDs und Hörbücher – in den Regalen. Für Erwachsene sind es rund 1500.

Was haben Sie in Ihrer Jugend gelesen?

Scheuermann: Das, was damals in der Schulbibliothek da war. Ich kann mich zum Beispiel noch an „Insel der Abenteuer“ erinnern. Das ist später sogar verfilmt worden.

Was ist wichtig, um gut vorzulesen?

Scheuermann: Anfangen!

Welche Bücher würden Sie als Vorlesestoff für Kinder empfehlen?

Scheuermann: Ich empfehle, die Kinder einfach in die Bibliothek mitzunehmen – und sie dort selbst „ihr“ Lieblingsbuch aussuchen zu lassen. Natürlich dem Alter entsprechend. Für Leseanfänger empfehle ich beispielsweise „Du ein Stück, ich ein Stück“: Das ist was Tolles, denn da kann das Kind – in etwas größerer Schrift – vorlesen. Und die Eltern in „normaler“ Schriftgröße.

Wie steht es in Zeiten der Digitalisierung um das Leseverhalten der Menschen?

Scheuermann: Digitale Medien sind jederzeit verfügbar, in einer großen Auswahl. Und trotzdem bleibt das Buch ein besonderes Erlebnis.

Was hat sich denn durch die Digitalisierung verändert?

Scheuermann. Die Verfügbarkeit: einfacher, jederzeit, vielfältiger. Ich kann beispielsweise mitten in der Nacht online ein Buch ausleihen, sofort mit dem Schmökern starten – und muss es anschließend nicht mehr zurückbringen.

In der Bücherei in Hardheim soll dank einer Bundesförderung und einer großzügigen Spende der Hollerbach-Stiftung ein digitales Angebot eingeführt werden. Wie schaut das aus?

Scheuermann: Wir treten der Metropol-Bibliothek Rhein-Neckar bei – mit einem Bestand von rund 30 000 Medien. Dadurch können unsere Besucher sowohl e-Books als auch e-Audio, e-Magazine und e-Paper digital ausleihen. Entspannter geht’s nicht.

Ich nutze das Angebot seit zwei Jahren bei einer anderen Bibliothek – und finde es faszinierend. Trotzdem bleibt ein Buch etwas Einmaliges.

Was ist der Ansporn der aktuell 14 Mitarbeiter der Gemeindebücherei in Hardheim, auch in Zukunft dieser ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen?

Scheuermann: Es macht Spaß mit Menschen zu arbeiten, die die Freude am Buch teilen.