Hardheim

Freundes- und Förderkreis „Unser Krankenhaus“ Große Unterstützung für die Initiative „Stoppt das Krankenhaussterben im ländlichen Raum“

„Das Menschliche in den Blick nehmen“

Der Freundes- und Förderkreis „Unser Krankenhaus“ unterstützt eine Petition, die sich den Erhalt einer guten wohnortnahen medizinischen Versorgung zum Ziel gesetzt hat.

Hardheim. Mehr als 33 000 Unterstützer hat der Internist Dr. Rainer Hoffmann aus Rothenburg ob der Tauber bereits für seine Petition gewinnen können. Mit der Initiative „Stoppt das Krankenhaussterben im ländlichen Raum“ möchte er die Bundesregierung und die Landesregierungen dazu bringen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und auch auf dem Land eine gute, wohnortnahe Krankenhausversorgung dauerhaft sicherzustellen.

Auch der Freundes- und Förderkreis „Unser Krankenhaus“ unterstützt die Petition. Wir haben uns mit Fritz-Peter Schwarz, dem Vorsitzenden des rührigen Fördervereins, über die Ziele der Initiative und die Bedeutung kleiner Krankenhäuser unterhalten.

Das Krankenhaus Hardheim sorgte in den letzten Jahren durchweg für positive Schlagzeilen. Muss man sich doch Sorgen machen, oder weshalb beteiligt sich der Förderverein an der Petition?

Fritz-Peter Schwarz: Nein, aus Sicht des Fördervereins besteht überhaupt kein Anlass zur Sorge. Aber: Wehret den Anfängen. Wir möchten die Aktion unterstützen und deutlich machen, wie wichtig die Krankenhäuser im ländlichen Raum sind – vor allem auch vor dem Hintergrund, dass eine aktuelle Bertelsmann-Studie jüngst den Großteil der bundesweit 1400 Krankenhäuser kurzerhand für überflüssig erklärt hat. Zweifellos gibt es in manchen Regionen eine Überversorgung mit Kliniken und Ärzten – aber ganz sicher nicht bei uns auf dem Land.

Wie ist bislang die Resonanz ausgefallen?

Schwarz: Die Aktion ist gut angelaufen, und wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Wir rennen mit unserem Anliegen überall offene Türen ein.

Was macht den besonderen Wert von kleineren Krankenhäusern wie denen in Hardheim oder Buchen aus?

Schwarz: Für eine schnelle, zuverlässige Versorgung brauchen wir gute Krankenhäuser auf dem Land. Dabei geht es in erster Linie um die Grundversorgung, um den Knochenbruch und den Kreislaufzusammenbruch. Bei besonders komplizierteren Krankheitsbildern, die in Hardheim nicht behandelt werden können, werden die Patienten sowieso an die spezialisierten Zentren in den Städten weitergeleitet. Vor allem aber muss die Politik auch die Folgen des demografischen Wandels akzeptieren.

Das heißt genau?

Schwarz: Die Zahl der älteren Menschen steigt erfreulicherweise. Damit nimmt aber auch die Zahl der älteren Patienten zu. Wir wissen heute, was für einen großen Einfluss die Psyche auf die Genesung hat. Und hierbei spielt es eine große Rolle, ob ein Patient regelmäßig Besuch erhält. Müssen Angehörige oder Freunde weite Strecken auf sich nehmen, nimmt die Besuchshäufigkeit naturgemäß ab – erst recht angesichts der schlechten Anbindung des ländlichen Raums an den öffentlichen Nahverkehr.

Was fordern Sie konkret von der Politik?

Schwarz: Der Gesetzgeber hat die Zuständigkeit für Richtlinien dem Gemeinsamen Bundesausschuss übertragen. Dort haben die Krankenkassen ein starkes Gewicht, und die schauen natürlich zunächst auf die Kosten. Der Ausschuss legt Fallzahlen (Mindestanzahl für einzelne Operationen, Anmerkung der Redaktion) fest, die als Qualitätsmaßstab dienen. Werden diese Fallzahlen erhöht, können kleinere Krankenhäuser die Vorgaben nicht mehr erfüllen. Die flächendeckende Sicherstellung der Krankenhausversorgung muss aber eine originär politische Entscheidung sein, die nicht den Vorgaben eines Expertengremiums überlassen werden darf. Ob in einem Krankenhaus gute Arbeit geleistet wird, zeigt sich nicht anhand von Fallzahlen, sondern an der Patientenzufriedenheit. Und was ganz wichtig ist: Es ist schlicht und einfach falsch, im Gesundheitswesen nur auf die Kosten zu schauen: Wir müssen vor allem auch das Menschliche in den Blick nehmen.

Was erhoffen Sie sich von der Petition?

Schwarz: Wir möchten mit Nachdruck deutlich machen, dass die Bürger im ländlichen Raum das gleiche Recht auf eine gute medizinische Versorgung haben wie die Menschen in den Städten. Dafür muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen. Deshalb mein Appell an die Bürger: Unterstützen Sie die Petition.