Buchen

Vortrag im „Klösterle“ Timo Büchner sprach über „völkisch-autoritären Populismus“

„Zivilgesellschaft gegen Rechts stärken“

Archivartikel

Buchen.Über „völkisch-autoritären Populismus in den Parlamenten – damals und heute“ sprach Timo Büchner am Freitagabend im „Klösterle“. Der Politikwissenschaftler war auf Einladung der Initiative „Herz statt Hetze im Neckar-Odenwald-Kreis“ nach Buchen gereist.

Zu Beginn seines Vortrags definierte Timo Büchner zentrale Begriffe. Rechtspopulismus sei eine Agitationsform, mit der Gefühle und Leidenschaft basierend auf Angst bei den Bürgern geweckt würden. Dabei werde eine Minderheit zum Sündenbock gemacht.

„Keine Zuwanderer, keine Moscheen und Muslime, kein Gender-Mainstreaming, sondern Zucht, Ordnung, deutsche Leitkultur und nationale Identität“, zitierte Büchner aus einem Buch des Rechtsextremismus-Experten Alexander Häusler. Ausführlich ging Büchner auf die Entstehungsgeschichte der völkischen Bewegung ein. Diese sei im Jahr 1890 entstanden. Mitte der 1920er Jahre sei sie durch den Nationalsozialismus abgelöst worden. Ab dem Jahr 1933 hätten sich die verschiedenen völkischen Vereinigungen aufgelöst oder seien im Nationalsozialismus aufgegangen. Nach den Worten von Büchner meint völkische Ideologie die „blutsmäßige Verbundenheit der Volksgemeinschaft“. Zuzug durch Fremde bedrohe den eigenen Lebensraum und könne zum „Volkstod“ führen.

Antisemitische Stereotype

Als heutige Vertreter der völkischen Ideologie nannte er die Identitäre Bewegung, die dafür den Begriff des „Ethno-Pluralismus’“ gebrauche. Außerdem sprächen deren Mitglieder vom „Volksaustausch“. Büchner sieht Parallelen zu dem „Deutsch-völkischen Schutz- und Trutzbund“ aus den 1920er Jahren. Dieser machte überstaatliche Mächte für die Vermischung der Völker verantwortlich und griff auf antisemitische Stereotype zurück. Vordenkerin der völkischen Ideologie sei Mathilde Ludendorff gewesen.

Heute wolle die AfD völkische Ansichten auf positive Weise darstellen. „Die AfD will die völkische Sprache rehabilitieren“, sagte Timo Büchner, besonders deren innerparteiliche Gruppierung „Der Flügel“ und die „Junge Alternative“. Das habe auch ein Verfassungsschutzgutachten Ende Januar 2019 bestätigt. „Man versucht, Tabus zu brechen“, stellte Büchner fest und nannte als Beispiel ein Zitat der AfD-Landtagsabgeordneten Christina Baum. Diese sprach im Zusammenhang mit der Zuwanderung von einem „Genozid“ am deutschen Volk.

In einem von Büchner eingespielten Beitrag des Politikmagazins „Monitor“ wurde die AfD mit der NSDAP verglichen. „Die Feinde der Demokratie stehen bereit“, resümierten die Fernsehautoren. Auf die Frage aus dem Publikum, was man gegen die Gleichgültigkeit vieler Menschen dieser Entwicklung gegenüber tun könne, riet Büchner, Vorträge zu halten und an Schulen über die historischen Zusammenhänge zu informieren. „Wer davon ausgeht, dass das deutsche Volk vernichtet werden soll, steht extrem rechts“, betonte Büchner.

Er habe festgestellt, dass viele rechtsorientierte Menschen sich nur noch über rechte Medien im Internet informierten. Diese könne man schlecht mit Argumenten erreichen. Die Frage, ob Deutsche anfälliger seien für völkisches Gedankengut, verneinte der Politikwissenschaftler. Diese Entwicklung könne man auch in anderen Staaten beobachten. „Sollte man Provokationen vonseiten der AfD ignorieren oder thematisieren?“, fragte ein anderer Besucher. Büchner riet dazu, auf solche Äußerungen einzugehen. Er bezeichnete die AfD als systemfeindlich, aber nicht als Nazi-Partei: „Wir machen einen Fehler, wenn wir die AfD als Nazis abstempeln.“ Rassismus und Islamfeindlichkeit seien in der AfD allerdings fest verankert.

Büchner wünschte sich, dass die „Zivilgesellschaft gegen Rechts“ gestärkt werde, auch finanziell, um gegen rechte Tendenzen angehen zu können.

Abschließend bedankte sich Alexander Weinlein von der Initiative „Herz statt Hetze im Neckar-Odenwald-Kreis“ bei dem Referenten für seinen Vortrag und beim Publikum für die rege Diskussion. mb