Bad Mergentheim

„Popup Labor“ Baden-württembergische Wirtschaftsministerin zu Gast / Mittelständische Unternehmen vor Umbrüchen / Am Rande Gartenschau-Bewerbung abgegeben

„Weiter die erste Geige spielen“

Archivartikel

Regionale Unternehmen digitalisieren. Dafür will das „Popup Labor“ Impulse geben. Beim Besuch der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin wurde aber auch klar: Das braucht Finanzierung.

Bad Mergentheim. Der Besuch des „Popup Labors“ (siehe Infobox) nahm mit dem Aktionstag „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ am gestrigen Montag ein Ende. Nun heißt es: Umziehen ins Technologie- und Gründerzentrum Tauberbischofsheim. Pünktlich zur Halbzeit kam die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut in das Deutschordensschloss, dem bisherigen Veranstaltungsort des Innovationslabors, um sich ein Bild davon zu machen, wie der Main-Tauber-Kreis das Bildungsprojekt umsetzt.

„Der Erfolg des Projekts ist darin begründet, dass es kein Standardformat ist. Das Labor ist stets ein auf die jeweilige Region abgestimmtes Konzept“, betont Hoffmeister-Kraut im Roten Saal des Schlosses. So sei es dem Wirtschaftsminiserum wichtig, dass das Bildungsangebot vor Ort, nicht in Stuttgart oder Karlsruhe stattfinde. Ebenso lege man Wert darauf, dass die Inhalte der Workshops auf die Bedürfnisse der regionalen Wirtschaft zugeschnitten sind.

5G-Netz unabdingbar

Der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Prof. Wolfgang Reinhart betonte im Beisein der Vertreter der kommunalen Politik und Wirtschaft, wie wichtig es sei, mit der digitalen Transformation Schritt zu halten. Zumindest „wenn wir als Innovationslandschaft weiter vorne die erste Geige spielen – und nicht die Triangel in der hinteren Reihe schlagen – wollen“, so Reinhart.

Damit das gelingt, so Hoffmeister-Kraut, sei es notwendig, kleinen und mittelständischen Firmen die Vorteile der Digitalisierung deutlich zu machen. „Wir müssen uns in diesem Land nicht vor dem Wandel fürchten. Wir waren immer Tüftler. Wir waren immer pro Veränderung“, appelliert Reinhart.

Gerade kleinere Unternehmen würden oft verkennen, wie elementar das Thema für sie ist. „Auf keinen Fall darf es soweit kommen, dass ein digitaler Graben zwischen den ,Großen’ und dem Mittelstand entsteht.“ Doch müssten dafür auch die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Fahrerlose Transportsysteme, mobile Werkzeuge oder Roboter – all das erfordert ein flächendeckendes 5G-Netz. „Die 2020er können richtig gute Jahre werden“, so Oberbürgermeister Udo Glatthaar, „für den Süden – aber auch für das Taubertal.“ Und vielleicht schon sehr bald für Bad Mergentheim. Bevor Glatthaar nämlich die Bühne betrat, nutzte er die Chance, um die Bewerbungsmappe der Stadt für die Landesgartenschau persönlich der Wirtschaftsministerin zu übergeben. Den Hinweis, dass der Main-Tauber-Kreis der einzige in Baden-Württemberg sei, der noch nicht Veranstalter war, gab es obendrauf. Hoffmeister-Kraut wiederum versprach, die Bewerbung „wohlwollend aufzunehmen“.

Digitale Lücken schließen

Auch Prof. Seon-Su Kim, Leiter des Campus Bad Mergentheim der DHBW, nutzte die Gunst der Stunde, um den einen oder anderen Impuls mit nach Stuttgart zu geben. Die baden-württembergischen Hochschulen – aber ganz speziell auch die Dualen Hochschulen in Mosbach und Bad Mergentheim – seien auf weitere Förderung angewiesen. Die beiden Bildungseinrichtungen erfüllten eine Schlüsselfunktion, wenn es darum gehe, die digitalen Lücken zwischen Stadt und Land zu schließen. „Wir haben viel vor. Im April startet das K.I. Labor, die Kompetenzklasse Digitalisierung ist geplant und wir wollen in diesem Bereich auch forschen.“ Bei den regionalen „K.I.-Labs“ (Abkürzung für Künstliche Intelligenz) handelt es sich um eine Maßnahme des „Aktionsprogramms KI für den Mittelstand“.

Trotz der Freude über diese Förderung, betonte Kim, dass weitere Unterstützung nach wie vor notwendig sei. Er verwies auf Bayern, wo eine neue Förderoffensive zahlreiche neue Lehrstühle und Professuren möglich mache.

Vorträge von Weltmarktführern

Im Anschluss an die Grußworte machte Nicole Hoffmeister-Kraut noch einen Rundgang durch die Ausstellung im Roten Saal. In dieser führten unter anderem Schüler des Deutschorden-Gymnasiums stolz ihre Lego-Roboter vor. Inhaltlich spannend wurde es noch einmal am Nachmittag. Da gab es Impulse von den wirtschaftlichen „Hidden Champions“ (geheime Weltmarktführer). Dr. Gunther Wobser, Geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Unternehmens, hielt einen Vortrag über „Silicon Valley meets Tauber Valley – Werkstattblick in die Digitalisierung bei Lauda“. Rainer Bürkert, Geschäftsbereichsleiter der Würth-Gruppe und Geschäftsführer der Würth Industrie Service erklärte anschließend, warum es sich lohnt, die Megatrends Nachhaltigkeit und Digitalisierung zu vereinen.

Dr. Benjamin Schmidt, Leiter Geschäftsentwicklung bei Schwarz IT, referierte über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die IT des viertgrößten Händlers der Welt. „Auf dem Weg vom Antriebshersteller und Mechatronikkonzern zum ,Leader in Cybertronics’“, war der Name von Patrick Hantschels Vortrag, dem Leiter des Digitalisierungszentrums bei Wittenstein. Und zum Schluss zündete das Stadtwerk Tauberfranken den digitalen Turbo beim gleichnamigen Vortrag von Geschäftsführer Paul Gehrig.

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