Bad Mergentheim

Geschichte Feierlichkeiten begannen am 18. Oktober 1869 in Königshofen / Später wurde auch in Bad Mergentheim und Crailsheim groß gefeiert / Glückwünsche vom König

Sonderzug eröffnete Tauberbahn vor 150 Jahren

Archivartikel

Vor genau 150 Jahren wurden die letzten Streckenabschnitte der Tauberbahn Lauda-Bad Mergentheim-Crailsheim für den Zugverkehr offiziell freigegeben.

Bad Mergentheim/Igersheim/Weikersheim/Niederstetten. Am 18. Oktober 1869 fuhr ein Sonderzug von Stuttgart mit den Festteilnehmern zum Festakt nach Königshofen. Alle Stationen entlang der Strecke waren festlich geschmückt.

Vor genau 150 Jahren wurden die letzten Streckenabschnitte der Tauberbahn Lauda-Bad Mergentheim-Crailsheim eröffnet. Im Kreisgebiet entstanden 1869 die Bahnstationen Unterbalbach (1869 bis 1984), Edelfingen, Mergentheim, Igersheim, Markelsheim, Weikersheim, Laudenbach und Niederstetten sowie zahlreiche Bahnwartstationen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Stationen der Tauberbahn modernisiert – die Weichen für die Zukunft der Verkehrsader in unserer Region sind also gestellt.

Sonderzug

Am 18. Oktober 1869 traf der Sonderzug mit den Festgästen gegen 11 Uhr „badischer Zeit“ an der ersten der neuen Stationen der Tauberbahn im Abschnitt Königshofen- Mergentheim ein. Die Güterhalle des Bahnhofs Königshofen war prachtvoll zu einem Festsaal geschmückt. Hier gab die Großherzogliche Regierung ihren Gästen ein Frühstücksgedeck. Nach einem Toast auf den badischen Ministerpräsidenten von Dusch sowie die bayerischen und württembergischen Gäste endeten die Festlichkeiten und der Sonderzug setzte seine Fahrt nach kurzen Aufenthalten in Unterbalbach und Edelfingen fort.

Um 12 Uhr mittags fuhr der Festzug unter Böllerschüssen in Mergentheim ein. Der Bahnhof war prachtvoll in den Farben der drei beteiligten deutschen Staaten Baden (rot-gelb), Bayern (blau-weiß) und Württemberg (schwarz-rot) dekoriert. Auf dem Bahnhof wurden die Gäste von einem Festkomitee, den staatlichen und städtischen Behörden und den Festdamen mit musikalischen Klängen begrüßt. Auf dem Bahnsteig waren lange Tafeln mit Tauberwein der Jahrgänge 1865 und 1869, Speisen und Trauben aufgestellt.

Unfall

Nach einer Stunde Aufenthalt fuhr der Zug weiter Richtung Igersheim. Durch einen Unfall bei Wallhausen, bei dem ein Schaffner schwer verletzt wurde, kam der Zug mit über einer Stunde Verspätung in Crailsheim an. Hier warteten bereits die bayerischen Gäste mit Handelsminister Schlör, Legationsrat Maier und zahlreichen Vertretern der beteiligten Staatseisenbahnen von Baden, Württemberg und Bayern. Auch hier wurde den Ehrengästen Wein und Speisen kredenzt.

Später kehrte der Festzug nach Mergentheim zurück. In der Stadt erwartete die Gäste ein Spalier mit Fackeln. Die Königlich Württembergische Regierung hatte im Reithaus des Schlosses ein Festmahl hergerichtet. Die Wände waren mit Wappenschildern württembergischer Städte sowie Fahnen und Flaggen der drei Länder geschmückt.

Minister Varnbüler begrüßte die Gäste der am Bahnbau beteiligten Staaten. Nach einem Hoch auf König Ludwig II. von Bayern und Großherzog Friedrich I. von Baden verlas Freiherr von Varnbüler ein Telegramm von König Karl von Württemberg, der der neuen Bahn alles Glück und seinen Segen wünschte. Es folgten zahlreichen Reden der am Bahnbau beteiligten Parteien. Kreisgerichtsrat Huber aus Heilbronn lobte die von der Stadt Mergentheim ausgerichtete Festveranstaltung.

Abends um 22 Uhr fuhr der Sonderzug mit den Gästen zurück nach Stuttgart.

Am 19. Oktober folgte ein Gegenbesuch der Mergentheimer in Crailsheim. Am 23. Oktober 1869 wurden dann die beiden Streckenabschnitte Königshofen-Mergentheim und Crailsheim-Mergentheim in den Dauerbetrieb genommen. Von da an war das komplette Taubertal an das damalige Bahnnetz mit Anschlüssen nach Karlsruhe, Stuttgart und Würzburg fertiggestellt. In den Folgejahren wurden noch weitere Bahnstationen zwischen Mergentheim und Crailsheim eröffnet.

Die Weichen für die Zukunft der Tauberbahn sind gestellt. Seit 2010 wurden zahlreiche Bahnstationen modernisiert: Gamburg (2010), Wertheim (2010-2012), Lauda (2014-2015), Tauberbischofsheim (2014), Bronnbach (2016), Reicholzheim. Niklashausen und Laudenbach (2017), Distelhausen (2018) und Igersheim (2019). Der Umbau und die Modernisierung weiterer Stationen der Tauberbahn erfolgt in den kommenden Jahren. In Bad Mergentheim wurde in diesem Jahr eine Zugmeldestelle eingerichtet und im Bahnhof Niederstetten entsteht zurzeit ein modernes Zentralstellwerk der Tauberbahn.

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