Bad Mergentheim

Interview Sascha Melnjak bürgt als Direktor des Zirkus Charles Knie und des Heilbronner Weihnachtscircus für Qualität / Gastspiel in Bad Mergentheim

Den Traum vom eigenen Zirkus wahr gemacht

Archivartikel

Bad Mergentheim.Sascha Melnjak hat seinen Lebenstraum wahr gemacht. Der 42-Jährige ist Direktor des Heilbronner Weihnachtscircus und des Zirkus Charles Knie. Beide zählen zu den Top-Unternehmen der Branche in Europa. Dabei stammt Melnjak aus keiner Zirkusfamilie.

Im Interview erzählt er von seinem ungewöhnlichen Karriereweg und was den Zirkus Charles Knie so besonders macht. Das Unternehmen gastiert von heute bis Sonntag auf dem Volksfestplatz Bad Mergentheim.

Sascha Melnjak wurde in Stuttgart geboren und ist dort aufgewachsen. Von klein auf hatte ihn das Zirkusfieber gepackt. Nach Abitur, Zivildienst und einer Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann stieg er als Tourneeleiter in die Zirkusbranche ein.

Herr Melnjak, Sie sind Gründer und Direktor des Heilbronner Weihnachtscircus und des Zirkus Charles Knie. Wie kam es dazu?

Sascha Melnjak: Die Stadt Heilbronn hat im Jahr 1999 einen Veranstalter gesucht, der langfristig ein solches Projekt aufbauen wollte. Ich war damals beim Circus Romanza tätig. Wir wurden dafür angefragt, doch der Direktor wollte nicht. Da habe ich es einfach selbst gemacht und das Zelt des Circus Romanza dafür gemietet.

Der Heilbronner Weihnachtscircus war von Anfang an ein großer Erfolg. Wir haben im ersten Jahr mit einem Zelt für 800 Besucher begonnen und dann gleich um drei Tage verlängern müssen, weil der Andrang so groß war.

Schon im zweiten Jahr bauten wir ein größeres Zelt auf, und seit 2007 haben wir das jetzige Chapiteau mit 2500 Sitzplätzen. Wir haben inzwischen in jedem Winter rund 80 000 Besucher, viele von ihnen sind treue Stammgäste. Die meisten kommen aus dem Main-Tauber- und dem Hohenlohekreis.

Im Jahr 2006 hörte ich dann, dass Charles Knie seinen Zirkus verkaufen wollte. Er entstammt einer Seitenlinie der Schweizer Zirkusfamilie Knie, war mit seinem Unternehmen aber immer nur in Deutschland gereist. Ich habe mich dann mit ihm in Verbindung gesetzt, und wir wurden uns schnell einig. Ende 2006 konnte ich den Namen Zirkus Charles Knie, sämtliches Material wie Zelt und Wagen und alle Tiere übernehmen. Charles Knie selbst ist nach Australien ausgewandert und hat dort einen Tierpark eröffnet. Somit hat auch er sich einen Traum erfüllt.

Was unterscheidet Ihre beiden Unternehmen, den Heilbronner Weihnachtscircus und den Zirkus Charles Knie?

Melnjak: Grundsätzlich ist beim Weihnachtscircus inzwischen vieles einfacher für uns. Die Menschen der Region identifizieren sich damit, zumal er den Namen ihrer Stadt trägt. Sie haben großes Vertrauen zur Marke Heilbronner Weihnachtscircus. Zudem ist Weihnachten ein hervorragender Zeitpunkt für eine solche Produktion, weil die Menschen Zeit haben und nach Freizeitangeboten für die gesamte Familie suchen.

Wir wissen, dass die Weihnachtszirkusse auch dazu beitragen, dass es immer schwieriger wird, einen großen Zirkus auf Tournee erfolgreich zu betreiben. Viele Menschen warten lieber auf "ihren" Weihnachtscircus. Aber wir sorgen andererseits mit dem Weihnachtscircus dafür, dass das Image des Zirkus im Allgemeinen wieder steigt. Weil unsere Besucher nach den Vorstellungen glücklich und zufrieden sind und Lust auf noch mehr guten Zirkus bekommen.

Für das Gastspiel des Zirkus Charles Knie in Bad Mergentheim müssen wir dagegen viel mehr Überzeugungsarbeit leisten, damit die Besucher merken, dass wir auch auf Tournee ein hervorragendes Programm mit Live-Orchester bieten.

Warum sollten die Menschen in Bad Mergentheim und Umgebung in diesem Jahr beide Zirkusse besuchen?

Melnjak: Weil Zirkus einfach toll ist. Ich liebe Zirkus und würde einfach sagen, man muss in jeden Zirkus gehen. Und die Programme unterscheiden sich komplett. Im Zirkus Charles Knie ist die Atmosphäre noch etwas persönlicher als in Heilbronn, weil das Zelt etwas kleiner ist. Wir sorgen mit unserem Showballett für fantastische Bilder. Dafür gibt es in Heilbronn Highlights, die nur in diesem gigantischen Zeltpalast möglich sind. Der Weihnachtscircus und der Reisezirkus sind verschieden, aber wir garantieren in jeder Produktion hohe Qualität.

Hinter einem großen Zirkus steckt jede Menge Arbeit. Wie können Sie beide Unternehmen unter einen Hut bringen?

Melnjak: Das ist sehr schwer. Es geht nur mit einem hervorragenden Team, in dem jeder seine festen Aufgaben hat. Die heiße Phase für die Vorbereitung des Weihnachtscircus beginnt bereits im Sommer. Es müssen der Ticketverkauf eingerichtet, Drucksachen hergestellt, Visa beantragt und Hotels gebucht werden und vieles mehr. Wir haben viel Routine, aber es gibt in jedem Jahr Überraschungen. Da braucht man Nerven wie Drahtseile. Und der Reisezirkus läuft weiter, man muss neue Tourneen planen und sich über neue Programme Gedanken machen. Ich arbeite sieben Tage in der Woche, Ferien kenne ich fast gar nicht.

In Ihrer ersten Saison mit dem Zirkus Charles Knie, im September 2007, waren Sie erstmals in Bad Mergentheim zu Gast. Wie sind Ihre Erinnerungen an dieses Gastspiel, und wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

Melnjak: Das war ein großartiger Erfolg, eine der Top-Fünf-Städte unserer ersten Saison. Deshalb freuen wir uns so sehr, endlich wieder hier zu sein. Seitdem haben wir einen komplett neuen Zirkus geschaffen. Das Zelt wurde nach meinen Wünschen neu gebaut. Wir haben eine komfortable Sitzeinrichtung, ganz moderne Licht- und Tontechnik, ein Live-Orchester und ein Showballett. Damit setzen wir unsere Artisten und Tiere perfekt in Szene.

In den vergangenen Jahren haben mehrere große Zirkus-Unternehmen in Deutschland den Betrieb eingestellt. Woran liegt das? Und wie ist es Ihnen gelungen, gegen diesen Trend einen ehemals kleineren Betrieb zu einem der größten und erfolgreichsten Zirkusse in Europa zu machen?

Melnjak: Zunächst finde ich es Zirkusfreund und als Geschäftsmann gleichermaßen schade, dass so viele bekannte Zirkusse nicht mehr reisen. Es würde dieser Branche gut tun, wenn es weiterhin Unternehmen wie den Circus Barum geben würde, der über Jahrzehnte hinweg gute Qualität geboten und sein Publikum niemals enttäuscht hat.

Ich glaube allerdings, dass viele Zirkusse leider den Trend der Zeit verpasst haben, sowohl bei der Gestaltung der Programme als auch beim Marketing. Das hat sich alles wahnsinnig verändert. Die Erwartungen des Publikums sind andere geworden.

Mit unserem Marketing, das wir vor zehn Jahren gemacht haben, könnten wir heute auch nicht mehr erfolgreich sein. Wir müssen hier ständig innovativ sein und uns etwas Neues überlegen. Die Show und die Werbung dafür müssen ins Jahr 2017 passen. Und das Büro ist der Kopf und der Motor eines modernen Zirkus.

Wir sind sieben Personen nur in der Administration. Wenn das Büro nicht funktioniert, nützt auch ein vierfacher Salto in der Manege nichts. Schon deshalb trete ich als Direktor in keiner Vorstellung auf.

Ein entscheidender Teil des Zirkus Charles Knie sind die Tierdressuren. Wie stellen Sie sicher, dass es den Tieren gut geht und sich alle Zuschauer das Programm bedenkenlos ansehen können?

Melnjak: Ich würde keinen Zirkus machen, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass es jedem einzelnen unserer Tiere gut geht.

Ich bin selbst von klein auf Tierhalter, und wir sind 365 Tage im Jahr für unsere Tiere da. Zum Team gehören zwei erfahrene Tierlehrer und acht Tierpfleger.

Wenn Sie in unseren rollenden Zoo gehen und ein Zebra kommt direkt auf Sie zu, dann wissen Sie, dass es niemals zuvor schlechte Erfahrungen mit einem Menschen gemacht hat.