Bad Mergentheim

Gemeinderat Sportstättenentwicklungsplan einstimmig beschlossen / Streit über ein einzelnes Projekt

Beim Kunstrasenplatz scheiden sich die Geister

Archivartikel

Bad Mergentheim.Will die Stadt beim Sportstättenbau auch zukünftig in den Genuss von Zuschüssen des Landes kommen, braucht es einen Sportstättenentwicklungsplan. Dieser wurde nun mit Hilfe des Fachbüros ikps aus Stuttgart über ein Jahr in Kooperation mit Vertretern der Sportvereine, Schulen, des Gemeinderats und des Jugendgemeinderats erstellt.

Streit über Mikroplastik-Gefahr

Den Plan, die Vorbereitung daraus resultierender Maßnahmen und die Leitziele segneten die Stadträte am Donnerstagabend einstimmig ab.

Streit gab es aber hinsichtlich des Projekts „Kunstrasenplatz“, das nach Vorschlag von CDU-Fraktionschef Andreas Lehr „vorrangig zu behandeln“ sei.

Da wollten die Grünen nicht mitmachen, weil sie dem Mikroplastik in Kunstrasenplätzen höchst kritisch gegenüber stehen, Alternativen geprüft wissen wollen und die Kosten von geschätzten 500 000 Euro für ein „allwettertaugliches Großspielfeld“ scheuen.

So votierte nach langer Debatte die gesamte siebenköpfige Grünen-Fraktion gegen die Priorität „Kunstrasenplatz“, alle anderen Ratsmitglieder plus OB aber dafür.

Dr. Stefan Eckl vom Büro ikps führte eingangs kurz aus, dass „besonders im Kernstadtbereich die frei zugänglichen Sport- und Bewegungsmöglichkeiten im Hinblick auf die Anzahl und die Qualität verbessert werden sollen.

Die Schulhöfe in Bad Mergentheim sollen auf ihre Bewegungsfreundlichkeit hin überprüft und sukzessive in bewegungsanregende Areale umgestaltet sowie wenn möglich nach der Schulzeit geöffnet werden.

Die Wege für Sport und Bewegung sollen überprüft, besser ausgewiesen und veröffentlicht werden. Die Rahmenbedingungen für die sportplatznutzenden Vereine und Schulen sollen verbessert werden. Und: Die vorhandenen Hallen und Räume sollen sukzessive saniert und modernisiert, die Hallenbelegung optimiert und die Anzahl der Sporthallen ausgebaut werden.“

Belegungsrichtlinien

Der Sportstättenentwicklungsplan beinhaltet die Ausarbeitung von Hallenbelegungsrichtlinien und die Veröffentlichung von Hallenbelegungen, es geht aber auch um die Bekanntmachung bestehender Freizeitspielfelder, die Einführung von Transponder-Zugangssystemen zu Hallen und den Wunsch vieler Vereine nach der Errichtung eines „allwettertauglichen Großspielfeldes“. Dazu heißt es in der Ratsvorlage: „Durch die Mehrfachbelastung vor allem durch das Training im Frühjahr und Herbst von Fußball und American Football wird der Rasen stark belastet. Im Winter führt das Training in den Hallen zu Engpässen. Ein Kunstrasen kann diese Situation entlasten.

Kunstrasen kann momentan mit Kork oder Sand verfüllt sowie unverfüllt verbaut werden. Allein der mit Sand verfüllte Kunstrasen ist zurzeit eine Option. Die Kosten für ein allwettertaugliches Großspielfeld betragen etwa 500 000 Euro. Die Verfüllung mit Sand wird von den Vereinen eher kritisch gesehen.

Der Fokus für ein Kunstrasenfeld liegt in der Kernstadt. Im Deutschordenstadion kommen der erste Platz und der Stadionplatz in Frage. Beim ersten Platz ist bereits eine Flutlichtanlage vorhanden.“

Weiter stellt die Stadtverwaltung fest: „Angesichts der momentanen Diskussion über Mikroplastik im Kunstrasen schlägt die Verwaltung vor, die Richtlinien der EU und die neuen technischen Entwicklungen auf diesem Gebiet abzuwarten und im kommenden Jahr eine Entscheidung zu treffen. Sobald eine Entscheidung über das Kunstrasenfeld gefallen ist, wird ein Modernisierungskonzept für das Stadion erstellt. Dieses wurde 1966 in Betrieb genommen und viele Einbauten haben die empfohlene Lebensdauer überschritten.“

Kersten Hahn, Fachbereichsleiter „Kultur & Tourismus“ lobte die geleistete Arbeit des vergangenen Jahres samt aller Gesprächsrunden, ehe die Debatte im Gremium mit der kritischen Feststellung von Jordan Murphy (SPD) begann, dass fast ausschließlich in der Kernstadt Handlungsbedarf gesehen werde. Dr. Stefan Eckl (Fachbüro) antwortete ihm, dass die Stadtteile relativ gut versorgt seien, dort gehe es eher um Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen.

Hubert Schmieg (Grüne) lehnte einen Kunstrasenplatz mit Mikroplastik, das auch noch in die Umgebung „abgegeben wird“, rundweg ab. Andreas Lehr (CDU) betonte die Bespielbarkeit zu jeder Jahreszeit, wies die Fundamentalkritik zurück und warb für Offenheit, eine gute technische Variante zu finden. Klaus-Dieter Brunotte (SPD) sprach sich dafür aus, die Möglichkeiten genau anzuschauen, während Thomas Tuschhoff (Grüne) 500 000 Euro zu viel und die befürchteten Probleme für die Umwelt zu stark waren.

Oberbürgermeister Udo Glatthaar bat um Mäßigung bei den Beiträgen, denn heute falle noch kein Baubeschluss. Und Kersten Hahn verwies ergänzend auf eine spätere Ratsentscheidung, wenn weitere Erkenntnisse vorliegen.

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