Adelsheim

Neue Rekordzahlen Größte Zielgruppe der Branche sind Personen über 50 / Outdoor-Trend bei jüngeren Familien

Wohnmobile liegen voll im Trend

Archivartikel

953 Ferienhäuser auf Rädern sind im Neckar-Odenwald-Kreis registriert. Das ist neuer Rekord.

Neckar-Odenwald-Kreis. Wohnmobile boomen: Um 45 794 ist deren Zahl von 2018 auf 2019 in Deutschland angestiegen. 532 687 waren es nach der letzten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA).

Von 2011 bis heute wuchs der Bestand insgesamt um 207 586 Fahrzeuge. Im Neckar-Odenwald-Kreis stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 404 gleich 73,6 Prozent. Rund 6,6 Wohnmobile kommen dort aktuell auf 1000 Einwohner. Das ist Platz 196 in der Wohnmobil-Bundesliga von 400 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen, wenn die Zahl der Wohnmobile pro 1000 Einwohnern der Maßstab ist. Bundesweiter Spitzenreiter ist der Kreis Schleswig-Flensburg mit 17,31 Womos (Vorjahr 16,12) pro 1000 Einwohner. Da ist allerdings ein großer Vermieter beheimatet. Die Stadt Halle (Saale) liegt mit 1,83 Wohnmobilen auf dem letzten Platz.

Die Werbung verspricht Freiheit und Abenteuer, die Realität verspricht auf Google mal 6202 Stellplätze in Europa oder 4037 Stellplätze in Deutschland. Werden die auf Campingplätzen dazu genommen, sind es deutlich mehr.

Fahrzeuge halten lange

Die Zahl der neu zugelassenen Wohnmobile lag 2018 bei 46 859. Damit stiegen die Neukäufe um 15,5 Prozent. Der Bestand stieg parallel um 45 794. Und da zeigt sich eine Krux oder ein Vorteil dieser Spezial-Autos: Sie sind ausgesprochen nachhaltig, weil sie lange halten. Denn dass die Zahl der neuzugelassenen Wohnmobile recht genau der Zahl des Bestandszuwachses entspricht, heißt auch, dass wenige dieser Fahrzeuge ausgemustert wurden. Deswegen zittern Wohnmobilisten auch immer noch ein wenig vor Fahrverboten, weil die allermeisten einen schon älteren Diesel unter der Haube haben.

Das heißt zudem, die Ferienhäuser auf Rädern sind begehrt. So um die 7000 Gebrauchtangebote auf Internetplattformen bundesweit sprechen für einen recht leergefegten Markt. Das heißt auch, die Branche ist auf kaufkräftige Kundschaft angewiesen, denn der Durchschnittspreis für neue Reisemobile lag im vergangenen Jahr bei über 71 000 Euro.

Kaufkräftige Bevölkerung

Geschäftsführer Daniel Onggowinarso vom Caravaning Industrie Verband (CIVD) nennt die Menschen über 50 als die wichtigste Zielgruppe der Branche. Die wächst derzeit. Gleichzeitig stellt die Branche einen Outdoor-Trend bei jüngeren Familien fest. Außerdem profitiere die Branche vom Niedrigzinsniveau und vom anhaltenden Wirtschaftswachstum in Deutschland, heißt es bei Pressegesprächen immer wieder.

Daraus lässt sich im Umkehrschluss auch feststellen, dass ein hoher Wohnmobilbestand ein Indiz für eine kaufkräftige Bevölkerung ist. Das sieht auf der lokalen Ebene wie folgt aus: 549 Wohnmobile gab es im Kreis 2011. Vergleicht man dazu die beiden jüngsten Werte aus der Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes im Neckar-Odenwald-Kreis Anfang 2019 und 2018, dann stieg die Zahl der zugelassenen Wohnmobile in der Region binnen eines Jahres um 130 (15,8 Prozent). Was in absoluten Zahlen aber auch zeigt, dass Wohnmobile in der Regel als Dritt- oder Zweitwagen Nischenprodukte sind. (teb)