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in Bödigheim und Großeicholzheim unterwegs: Besuchergruppe aus München und den USA besichtigte Friedhof und das Museum im Wasserschloss

Auf den Spuren jüdischer Vorfahren

Archiv-Artikel vom Samstag, den 22.09.2012

Auf die Spuren ihrer jüdischen Vorfahren begaben sich Besucher aus den USA. Sie besichtigten den jüdischen Friedhof in Bödigheim und sahen sich unter anderem den Gedenkstein in Großeicholzheim an (rechts unten).

© Werner/Missler

Bödigheim/Großeicholzheim. "Great, it's so peaceful. Here is peace", war der Kommentar der 27-jährigen jüdischen US-Amerikanerin Helen, als sie zusammen mit ihren Eltern Pollak-Eisner und vier Münchnern jüdischer Abstammung den Judenfriedhof in Bödigheim besuchte. Die siebenköpfige Besuchergruppe wurde von der 2. Vorsitzenden des Vereins "Großeicholzheim und seine Geschichte", Ingrid Mißler, den Vertretern des geschichtlichen Arbeitskreises, Helmut Kegelmann, Waldemar Fabrig und Maxi-Monika Thürl, sowie dem Experten für die regionale jüdische Geschichte, Reinhart Lochmann, empfangen.

Bedeutsame Orte aufgesucht

Mutter Joan Pollak hat Vorfahren unter den jüdischen Familien Westheimer und Rund in Großeicholzheim. In der vergangenen Woche war sie zusammen mit Ehemann und Tochter erstmals in Deutschland, insbesondere, um für ihre Familie bedeutsamen Orte aufzusuchen. Sie wurde dabei vom Münchner Ulrich Hornsteiner, dessen Vater und seinen Söhnen begleitet. Ulrich Hornsteiner und Joan Pollak haben gemeinsame jüdische Vorfahren. Sie lernten sich vor einiger Zeit über ihr gemeinsames Hobby der Ahnen- und Familienforschung kennen.

Schon vor Jahren hatte Joan Pollak Kontakt mit dem 2008 verstorbenen Großeicholzheimer Heimatforscher Artur Vogt. Er verschaffte ihr viele Informationen, unter anderem Fotos von den Grabsteinen ihrer Vorfahren auf dem Bödigheimer Friedhof. Sie wusste durch ihn um das geplante Museum in Großeicholzheim und war gespannt, was daraus wurde.

Auch wollte sie den in Großeicholzheim errichteten Gedenkstein für die Holocaust-Opfer sehen. Über Ulrich Hornsteiner war der nach Artur Vogts Tod verloren gegangene Kontakt zum Verein "Großeicholzheim und seine Geschichte" (GusG) wieder hergestellt worden. Der geschichtliche Arbeitskreis des Vereins hatte den Besuch der Gruppe in Bödigheim und Großeicholzheim vorbereitet. Sachkundige und tatkräftige Unterstützung wurde ihm dabei durch Reinhart Lochmann zuteil, dem versierten Kenner der regionalen jüdischen Vergangenheit und Betreuer des Bödigheimer Judenfriedhofs.

Nachdem Lochmann den Besuchern anhand eines Plans die Einteilung der Friedhofsanlage erklärt hatte, wurde zunächst die Leichenhalle besichtigt. Die Besucher waren beeindruckt vom kobaltblauen Fensterglas und dem grazilen Leichenwagen, der vermutlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt - ein sehr seltenes Objekt, leider durch Holzwurmbefall akut gefährdet.

Anschließend wurden die Grabstätten von Angehörigen der Familien Westheimer/Rund aufgesucht. Eine unschätzbare Hilfe bot dabei der Friedhofsplan mit Angabe von Gräberfeldern und -reihen, durchgängig nummerierten Einzelgräbern sowie Orientierungsmarken, welchen Reinhart Lochmann auf der Grundlage eines alten Plans des Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden erstellt hatte.

Alle gesuchten Gräber gefunden

Alle gesuchten Grabstätten wurden gefunden und fotografiert. Auf die Grabsteine legten die Besucher nach israelitischem Brauch einen kleinen Stein, der sagt: "Ich war da".

Ortswechsel nach Großeicholzheim: Vor dem Besuch des "Museums im Wasserschloss" wurde bei dem Holocaust-Gedenkstein innegehalten, der von der 7. Klasse der Hauptschule Seckach unter der Anleitung des Künstler-Ehepaares Marianne und Paul Wagner angefertigt und im Rahmen des ökumenischen Jugendprojekts "Mahnmal" im Jahr 2009 aufgestellt worden war.

Im jüdisch-christlichen Raum des Museums wurde deutlich, dass bei der Einrichtung den Zeugnissen christlichen und jüdischen Glaubens gleichermaßen Aufmerksamkeit geschenkt worden war und die Erinnerung an das Schicksal der Juden von Großeicholzheim wach gehalten wird. Um 1900 gehörten 112 Großeicholzheimer Bürger und damit 14,8 Prozent der Bevölkerung der jüdischen Religion an. Danach sank ihre Zahl auf 16 Personen, die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden. Von den 16 Deportierten starben sechs in den Internierungslagern in Frankreich, eine Person in einem jüdischen Altersheim in Frankreich bei Limour , acht wurden in Auschwitz ermordet, von einer Person ist das weitere Schicksal unbekannt.

Jüdische Häuser besichtigt

Entgegen der Annahme von Joan Pollak befanden sich jedoch in Großeicholzheim keine Angehörigen der Familie Westheimer auf der Deportationsliste. Der anschließende Rundgang durch den alten Ortskern von Großeicholzheim führte zur ehemaligen Synagoge der jüdischen Gemeinde (1886 bis 1938) mit der 1994 angebrachten Gedenktafel. Unterwegs sahen die Besuchern eine Vielzahl ehemals jüdischer Häuser, die den hohen Anteil der jüdischen Bevölkerung vor hundert Jahren vor Augen führte. Natürlich wurde den "Westheimer-Häusern" besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Unter ihnen erinnert das "Samels Haus" an den verzweifelten Versuch vieler Juden, sich in Sicherheit zu bringen. Nach dem Tod ihres Mannes Samuel hatte Klara Westheimer das Haus verkauft und war nach Mannheim gezogen. Bei dem Versuch, 1939 nach Amerika auszuwandern, erwartete sie eine Odyssee. Ihr Schiff "St. Louis" mit 905 weiteren jüdischen Passagieren erhielt nirgendwo Landeerlaubnis, weder auf Kuba, noch in den USA oder in Kanada. Die St. Louis musste schließlich nach Deutschland zurückkehren.

Für Klara Westheimer ging die Irrfahrt letztendlich gut aus. Sie gelangte schließlich über die Niederlande in die Vereinigten Staaten.

Die Spurensuche nach den jüdischen Vorfahren Westheimer/Rund in Bödigheim und Großeicholzheim wurde recht passend mit einem gemeinsamen Mittagessen im Großeicholzheimer Gasthaus "Zum Löwen" abgeschlossen.

Diese Gastwirtschaft hatte Moses Westheimer 1888 als erster eröffnet und bis 1919 betrieben. In ihren Dankesworten an Reinhart Lochmann und die Vertreter des Vereins "Großeicholzheim und seine Geschichte" brachte Joan Pollak ihre Freude zum Ausdruck, dass die jüdische Vergangenheit vor Ort dermaßen gepflegt, erforscht und in Ehren gehalten wird. Mit der Zusage des Austauschs weiterer Forschungsergebnisse machte sich die siebenköpfige Besuchergruppe auf die Weiterreise nach Nördlingen und München.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 22.09.2012
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