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Kissinger Sommer: Ausverkauftes Haus

David Garrett spielt Brahms

Archiv-Artikel vom Montag, den 15.07.2013

Völlig ausverkauft war der Regentenbau in Bad Kissingen beim Konzert des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi unter dem Dirigenten John Axelrod. Der Grund für den großen Zulauf war der Auftritt des Geigers David Garrett. Der 32-jährige Jungstar trat bereits mit neun Jahren beim Kissinger Sommer auf. Eine jüngst erschienene CD stellt den Geiger als 14-jährigen Wunderknaben vor, der die hohen Hürden des klassischen Repertoires schon damals bewundernswert erklomm.

Dass er von der Klassik kam, ist sicher nicht allen Musikenthusiasten dieses Violinisten bekannt, begibt er sich doch erfolgreich auf die Pfade des Crossover mit Arrangements von Opernarien über Filmmusik zu Eigenkompositionen. Mit diesem Kultstatus freilich erobert er sich sein junges Publikum, das ihm förmlich zu Füßen liegt.

Sein lässiges Auftreten täuscht nicht über die Ernsthaftigkeit hinweg, mit der dieser Ausnahmekünstler das große romantische Konzertrepertoire mitreißend und besänftigend schön beherrscht. Das Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms gestaltete er mit einer Souveränität und einer Intensität, mit einem ausgeglichenen Feinschliff der Bogenführung und in lupenreiner Intonation, sowie mit einer ungeheuren Sicherheit auch im Wechselspiel mit dem fabelhaft parierenden Orchester. Garrett erwies sich als Meister des schlanken Tones, des romantischen Wohlklangs und geschmeidigen Übergangs der Solopartien zu dem darauf antwortenden Orchester.

Der von Brahms so dicht ins sinfonische Geschehen verstrickten Solostimme gewährte der Geiger ihr eigenes Recht. Souverän spielte er in und mit dem Orchester, nutzte Freiräume für Spontaneität und persönliche Akzente und behauptete sich gleichwohl als Primus inter pares. Das Orchester harmonierte mit dem Geiger auf Augenhöhe.

Garrett ließ sich in diesem Konzert nicht zu einer üppigen Klangorgie hinreißen, brillierte vielmehr mit einer Delikatesse auf der Basis einer breit angelegten Farbpalette.

Dieses Orchester aus Mailand war eine Wonne, sein Dirigent ein fulminanter Imperator mit sportiver Zeichengebung und exakter Hingabe an die Musik. Zu Beginn erklang mit sprühendem italienischen Temperament Giuseppe Verdis Ouvertüre zur Oper "La forza del destino", auf die formbewusst und echt kämpferisch Beethovens Sinfonie Nr.5 c-Moll folgte. Man erfuhr ein urkräftiges Forte bei gleichzeitiger Sensibilität für lyrische Passagen sowie eine Motivationskraft, die die Musiker zu einem erfreulich lebhaften Spiel begeistern ließ. Das Orchester zeigte sich als agil und schlagkräftig, im Klangbild auch auf die Bläser konzentrier. Das Ereignis ließ auf ein stürmisches Gefecht schließen, blieb aber auch leichtfüßig, reaktionsfreudig in den akkuraten Sforzati und in den punktgenauen Fortissimo-Ausbrüchen. Klaus Linsenmeyer

© Fränkische Nachrichten, Montag, 15.07.2013
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