AdUnit Billboard
Beruf - Liebeskummer an den Arbeitsplatz zu tragen, halten Expertinnen für keine gute Idee

Privates sollte privat bleiben

Von 
Elena Zelle
Lesedauer: 
Trauer, Wut, Einsamkeit: Wer eine Trennung durchmacht, ist im Job häufig für eine Weile nicht richtig bei der Sache.

Frankfurt/Main/Wiesbaden. Irgendwann trifft es fast jeden – und eine Beziehung geht in die Brüche. Liebeskummer kann sich lange hinziehen und auf die Arbeitsfähigkeit auswirken. Das zeigen auch Befragungen vom Dating-Portal „Elitepartner“: Demnach hat die Hälfte der Befragten nach einer Trennung Liebeskummer und der dauert der Umfrage zufolge gut zwölf Monate.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Jeder sechste ist wegen einer Trennung oder wegen eines Beziehungsstreits schon mal zu Hause geblieben. Aber irgendwann muss man wohl oder übel zurück zur Arbeit. Wie geht man dort mit seinem Liebeskummer um?

Wichtig ist: sich im Vorfeld Gedanken machen, statt unvorbereitet in die Situation hineinzustolpern, sagt Diplom-Psychologin und Coachin Christine Backhaus. „Ich würde das Wort Liebeskummer nicht in den Mund nehmen.“ Wer bei der Arbeit darüber spricht, könne abgestempelt werden. Es kann ein Makel sein, wenn beim eigenen Namen alle denken: „Das ist doch der oder die mit dem Liebeskummer.“

Außerdem sei Liebeskummer etwas sehr Individuelles. Für den einen bedeute es, dass das Tinder-Date sich nicht zurückmeldet, bei der Nächsten ist die dreiwöchige Beziehung in die Brüche gegangen und beim Dritten stehen Scheidung, Umzug und Sorgerechtsstreit an. Und je nach Vorgeschichte und Persönlichkeit können alle drei Beispiele markerschütternd sein.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Notfalls Pause einlegen

Wer die Trennung zwischen privaten Problemen und Job nicht so richtig hinbekommt, sollte überlegen, eine Pause im Beruf einzulegen, sagt die Karriereberaterin Ute Bölke.

Womöglich kann man andernfalls sogar andere gefährden. Ein Sprengstoffmeister oder Lkw-Fahrer etwa, der nicht voll bei der Sache sein kann, sollte mit Liebeskummer besser nicht zur Arbeit gehen.

Außerdem sollte man die Unternehmenskultur berücksichtigen. In einem „Haifischbecken“ könne offen ausgetragener Liebeskummer auf einen zurückfallen. In solchen Fällen rät Bölke, sich etwa Urlaub zu nehmen, bis die schlimmste Phase überstanden ist oder sich bei psychischen oder körperlichen Symptomen krankschreiben zu lassen.

Völlig verschweigen sollte man seine Probleme dennoch nicht. Gerade wenn es nicht „nur“ um Herzschmerz geht, sondern sich die komplette Lebenssituation ändern wird, sollte man das Gespräch suchen, rät Backhaus.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Statt vom Liebeskummer zu erzählen, könnte man Vorgesetzten sagen, dass man eine große private Herausforderung, einen persönlichen Rückschlag oder Verlust zu managen habe. Wichtig sei, verbindlich zu bleiben, findet Backhaus. Und zwar, indem man im Gespräch durch klare Absprachen und Ziele signalisiert, dass man ein berechenbarer Part bleibt.

Das gilt vor allem, wenn man zum Beispiel eine Therapie beginnt oder die Trennung den Anfang einer kompletten Veränderung darstellt: ein Umzug und die alleinige Verantwortung für die Kinder zum Beispiel.

Um über seinen Liebeskummer zu sprechen, sollte man sich am besten im privaten Umfeld umschauen oder sich professionelle Hilfe suchen, sagt Bölke. „Es muss nicht alles auf der Job-Ebene stattfinden, auch wenn man zehn Stunden am Tag arbeitet.“

Psychologin Christine Backhaus empfiehlt, Teammitglieder ebenso knapp zu informieren wie Vorgesetzte. Wenn sie Bescheid wissen, ohne alle Details zu kennen, könnte man verhandeln, wo man gerade vom Team Unterstützung braucht und was man vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt im Gegenzug anbieten kann.

Arbeit als Ablenkung

Ute Bölke rät zu einem Rückblick: Welche Krisen gab es schon in meinem Leben? Was hat mir geholfen, sie zu überwinden? Darauf könne man wieder zurückgreifen. Meist wird einem so bewusst, dass es wieder besser wurde.

Unter Umständen können private Krisen der eigenen Arbeit einen richtigen Kick geben. So ähnlich war es bei Christine Backhaus in Zeiten einer Trennung: „Ich habe mich in die Arbeit gestürzt und war in dieser Zeit die beste Version meiner selbst.“ Ein positiver Nebeneffekt: Wer im Job voll bei der Sache ist, hat keine Zeit über die eigenen Probleme zu grübeln. tmn

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1