Kfz-Gewerbe: Nicht in Sicherheit wiegen lassen

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mid Groß-Gerau - Die wirtschaftlichen Kennzahlen im Kfz-Gewerbe haben sich 2015 positiv entwickelt.

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Mehr Rendite, höhere Eigenkapitalquote und billige Kredite dank der EZB: Das Jahr 2015 hat es gut gemeint mit dem deutschen Kfz-Gewerbe. Doch trotz der "sehr erfreulichen Entwicklung" warnt Antje Woltermann, Geschäftsführerin des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) vor übertriebenem Optimismus.

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Die durchschnittliche Umsatzrendite ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent in 2015 geklettert. Gut, aber nicht gut genug, so der Tenor. Denn damit die Betriebe die notwendigen Investitionen tätigen können, seien 3 Prozent notwendig. Das Geld wird laut der Fachzeitschrift "kfz-betrieb" etwa für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, in moderne Werkstatttechnik und Umbaumaßnahmen nach den Vorgaben der Hersteller benötigt.

Die Eigenkapitalquote ist laut dem ZDK bis 2016 sogar um 2,7 Punkte auf den Rekordwert von 24,9 Prozent geklettert. Dies sei wichtig im Hinblick auf die Kreditvergabe der Banken. "Es ist auch für Unternehmen des Kfz-Gewerbes einfacher geworden, Kredite zu bekommen." Dafür aber sorgen zum großen Teil Faktoren, die nicht direkt mit der Branche zusammenhängen und sich auch schnell wieder ändern können.

"Die gute konjunkturelle Lage sollte nicht den Blick auf die strukturellen Probleme verstellen, die noch zu lösen sind," sagt Woltermann. Zudem habe die Niedrigzinspolitik der EZB bereits jetzt auch Nachteile: "Günstige Kredite sind leicht zu bekommen, attraktive Geldanlagen sind nicht in Sicht. Das führt dazu, dass teilweise Investitionen in Neu- oder Umbauten von Autohäusern getätigt werden, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht eher kritisch sind." Aber Fehlanreize setzt die Geldpolitik der EU ja nicht nur in der Autobranche, sondern auch bei den Mitgliedsstaaten.