Motorradgeschichte - Vor 50 Jahren brachte Zündapp das Modell KS 601 heraus Der "Grüne Elefant" ist bis heute Kult

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Zwei Vergaser sorgten beim Boxermotor der Zündapp KS 601 für bullige Kraft schon im unteren Drehzahlbereich.

© Historic Krad

Vor 67 Jahren brachte Ingenieur Ernst Schmidt die ersten Bleistiftstriche für ein neues Zündapp-Modell zu Papier. 1950 drehte der Prototyp der KS 601 mit einem Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor auf dem Nürburgring seine ersten Runden. Ein Jahr später wurden die ersten Maschinen, vornehmlich mit Seitenwagen, ausgeliefert.

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Die Zündapp-Werke Nürnberg verkauften bis 1957 von diesem Modell mehr als fünftausend Stück in zwei Versionen (28 PS und 34 PS). Dann wurde die Produktion der hochwertigen Maschine wegen sinkender Absatzzahlen auf dem westdeutschen Markt eingestellt. Die KS 601 wurde als zu groß, zu schwer und zu teuer eingestuft. Mitbewerber BMW hatte bei Behördenaufträgen die Nase vorn. Auch das trug zum Ende der Marke Zündapp bei, deren Produkte gleichwohl nicht nur im Design ihrer Zeit weit voraus waren.

Es gibt nicht viele Motorräder aus den 1950er Jahren, die im heutigen Straßenverkehr noch flott mithalten können. Im Heft 25/1951 der Zeitschrift "Das Motorrad" veröffentlichte Carl Hertweck einen Testbericht über die Maschine unter der Überschrift "Der Grüne Elefant". Der Titel bezog sich auf den enormen Durchzug des 600-ccm-Motors mit zwei Vergasern schon im unteren Drehzahlbereich, also auf eine bullige Kraft, die eine für die damalige Zeit enorme Beschleunigung ermöglichte - und auf die später berühmt werdende lindgrüne Lackierung des Motorrads. Dieser Bericht verhalf der Marke zu einem neuen Image. Über Rennsporterfolge der Zündapp Werksgespanne wurde in den Kinos in den Wochenschauen berichtet. Herausragend war der dreimalige Gewinn der Deutschen Geländemeisterschaft in der Gespannklasse durch Werner Kritter/Rolf Kreuzer.

Als in der Wirtschaftswunderzeit allmählich auch Automobile für immer mehr Deutsche erschwinglich wurden, ließ das Interesse am Gespannfahren nach. Doch der "Grüne Elefant" war schon Kult geworden. Der Motorradjournalist Ernst Leverkus, genannt "Klacks", hatte auf der Suche nach wetterfesten Bike-Enthusiasten in den 50er Jahren in der Zeitschrift "Das Motorrad" eine Kleinanzeige aufgegeben. Er brachte tatsächlich im Januar 1956 zwanzig Zündapp-KS-601-Fahrer an der Solitude-Rennstrecke in Stuttgart zum ersten "Elefantentreffen" zusammen. 1957 kamen schon 50 Gespanne. Die Ausfahrt findet seitdem jedes Jahr unter diesem Namen an verschiedenen Orten statt. Das jüngste, das 61. BVDM-Elefantentreffen (BVDM = Bundesverband der Motorradfahrer e.V.) fand dieses Jahr Ende Januar in Thurmansbang-Solla/Loh im Bayerischen Wald, etwa 40 Kilomter nördlich von Passau, statt.

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Heute werden die KS-Maschinen auf den Treffen als Raritäten bewundert. BMW, Norton, Moto Guzzi und andere Marken bestimmen mittlerweile das Bild. Bei der Ausfahrt mit dem "Grünen Elefanten" ist einem jedoch größte Aufmerksamkeit gewiss. mid