Beratung - Hansjürgen Köhler geht außergewöhnlichen Himmelsphänomenen nach Raucher sehen häufiger Ufos

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Bernhard Zinke
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Hansjürgen Köhler betreibt das Centrale Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene. Der Hobbyastronom hat es sich zur Aufgabe gemacht, Fragen von Bürgern aufzuklären. © dpa

Mannheim/Michelstadt. Natürlich habe die Mondlandung ihn mit dem Weltraum-Virus infiziert. Als Zwölfjähriger habe er in der Nacht zum 21. Juli 1969 aufbleiben und zuhause auf dem Schwarzweiß-Fernseher anschauen dürfen, wie Neil Armstrong den großen Schritt machte. Wohl auch deshalb betreibt der gebürtige Mannheimer Hansjürgen Köhler die deutsche Ufo-Meldestelle namens „Cenap“.

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Die Abkürzung steht für „Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene“. Wer hier die Bestätigung für die Existenz kleiner grüner Männchen sucht, ist allerdings an der falschen Adresse. „Es ist gut, wenn die Leute eine seriöse Anlaufstelle haben auf der Suche nach Erklärungen“, sagt Köhler. Seine „Kunden“ kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. „Sie sind konfrontiert mit Dingen, die sie noch nie gesehen haben und sich nicht erklären können“, erläutert er. Köhler und vier Mitstreiter betreiben dann Ursachenforschung und liefern die Gründe für merkwürdige Himmelereignisse.

300 bis 400 Anrufe pro Jahr

Sein Angebot betreibt Köhler als Rund-um-die Uhr-Service. Naturgemäß trudeln die Anrufe in der Nacht ein, wenn die Beobachtungen am Himmel gemacht werden. Die Nächte auf Samstag und Sonntag seien die beliebteste Zeit, weil die Leute da eben unterwegs seien.

Es gebe aber auch Anrufer, die ihre Beobachtungen über Jahre mit sich herumtragen. Dann wird es für Köhler schwierig, das Phänomen zu erklären. Wichtig seien das genaue Datum, die Uhrzeit, die Himmelsrichtung und der Ort der Beobachtung. Mit einer Erläuterung „irgendwann im Sommer 2002“ komme man nicht weit. „Raucher sehen übrigens häufiger Ufos in der Nacht als Nichtraucher.“ Laut interner Statistik kämen etwa zwei Drittel der Meldungen und Anfragen von Rauchern, die ihrer Leidenschaft meist unter freiem Himmel nachgehen.

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Überrascht ist Köhler immer wieder, wie gering das astronomische Wissen der Bevölkerung ist. Planeten oder Kometen würden nicht erkannt. Selbst das Funkeln der Sterne am tiefen Horizont, hervorgerufen durch die Luftschichten der Atmosphäre, irritiere die Menschen. „Wenn der Planet Venus in einer Häuserschlucht auftaucht, drehen die Leute hohl.“ In der Pfalz habe sich mal eine Nachbarschaft gegenseitig in Interpretationen einer Himmelsbeobachtung übertrumpft und wollte die profane Erklärung des Experten nicht akzeptieren: Es handelte sich um den Planeten Jupiter. Die Geschichte endete damit, dass Köhler zum Grillfest mit etwa 40 Bürgern eingeladen wurde und vor Ort den Sternenhimmel erläuterte.

300 bis 400 Anrufe nimmt Köhler pro Jahr aus ganz Deutschland entgegen. Meist sind die Phänomene leicht erklärbar, durch besondere Planeten- und Sternenkonstellationen oder die Flugbahn der Internationalen Raumstation ISS. Am Heiligen Abend 2014 sei gegen 17.50 Uhr die erste Stufe einer russischen Trägerrakete über Deutschland verglüht. Pünktlich zum Kirchgang hätten viele einen Schweifstern gesehen. „Da konnte Weihnachten beginnen – aber nicht für mich. Das Telefon hat nicht mehr stillgestanden“, erinnert sich Köhler.

Anfänge in Sternwarte

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Um die Jahre 2007 oder 2008 habe es immer wieder Riesenaufregungen um Himmelslaternen gegeben, die zu Familienfesten gestartet wurden: „Das hat irgendwann genervt.“ Aktuell sind Drohnen ein großes Thema bei den Himmelsphänomenen.

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Begonnen hat die Leidenschaft 1973. Mit Werner Walter einte ihn das Interesse für die Astronomie. Bei Besuchen der Schriesheimer Sternwarte erlebten sie, wie die Menschen auf der Suche nach Erklärungen für vermeintliche Ufos anriefen. Sie erkannten den Bedarf. Also gründeten Köhler und Walter 1976 ihr Cenap und waren fortan bundesweit zentraler Ansprechpartner für rätselhafte Himmelserscheinungen. Dabei ist Köhler kein studierter Astronom. Er verdient sein Geld als Kaufmann in Michelstadt und auf Helgoland.

Ein echtes Ufo ist Köhler übrigens noch nicht untergekommen in diesen mehr als 40 Jahren. Die meisten Phänomene haben er und seine Kollegen aufklären können. Ja, es gebe offene Fälle, sagt er. Aber das seien keine Hinweise auf fliegende Untertassen. „Da fehlen schlicht Daten, um Dinge ausschließen zu können und genau zu sagen, was es war.“

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Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region