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Das Interview - Musiker Alvaro Soler spricht über sein neues Buch, seine spanischen Wurzeln – und darüber, wo für ihn seine Heimat ist

„Ich wollte Teil von etwas sein“

Von 
Diana Zinkler
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Spricht fünf Sprachen fließend, hat bereits mit Jennifer Lopez in Musikvideos getanzt und will Kindern unterschiedliche Kulturen vermitteln: Alvaro Soler. © dpa

Berlin. Alvaro Soler ist immer darauf bedacht, dass es allen gut geht. Der 30-Jährige schiebt Stühle zurecht, achtet darauf, dass Aufnahmegeräte funktionieren. Dabei sang er schon mit Jennifer Lopez, seine Songs „La Cintura“ oder „El Mismo Sol“ wurden weltweit gestreamt. Über sein Aufwachsen und sein Leben hat er ein Buch geschrieben „El Mismo Sol“ – Unter derselben Sonne.

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Geboren in Barcelona

Alvaro Soler wurde im Januar 1991 als Sohn einer spanischen-belgischen Mutter und eines deutschen Vaters in Barcelona geboren, wo er die ersten zehn Jahre seines Lebens verbrachte, ehe er mit seiner Familie nach Tokio zog.

In der japanischen Hauptstadt besuchte Soler eine deutsche Schule. Erneut über Barcelona zog Soler 2015 nach Berlin.

Im Juli erschien sein drittes Album „Magia“. dpa

Herr Soler, Sie sind ein Weltbürger. In Ihrem neuen Buch klingt aber an, dass Sie darauf nicht nur positive Reaktionen bekommen.

Alvaro Soler: Das kommt gelegentlich vor. Aber ich möchte nicht meckern, ich bin kein negativer Mensch. Mit dem Buch möchte ich erklären, wie das ist, wenn man an vielen Orten aufgewachsen ist. Dadurch dass wir oft umgezogen sind, bin ich sehr spät erwachsen geworden und habe spät zu mir gefunden.

Woran zeigt sich das?

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Soler: Schon als Kind habe ich versucht, mich überall anzupassen. Ich wollte immer ein Teil von etwas sein.

Bezogen auf die Nationalität, wo gehören Sie hin?

Soler: Ich bin Spanier, auf jeden Fall. Aber da ich auch Englisch und Deutsch akzentfrei spreche, fragen mich viele Leute hier: Warum singst du auf Spanisch? Dabei müsste die Frage doch eigentlich lauten: Warum spreche ich überhaupt so gut Deutsch? Das irritiert viele.

Und Sie sprechen wirklich fünf Sprachen perfekt?

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Soler: Spanisch, Katalanisch, Deutsch, Englisch und Italienisch.

Wie kann man sich das vorstellen?

Soler: Die Sprachen in meinem Kopf sind wie Schubladen, wenn ich ein Wort suche, kann ich sehr schnell alle aufziehen und in einer von den fünf finde ich schon das richtige. Darf ich aber nur in einer Schublade suchen, dauert es manchmal länger, bis ich auf das Richtige stoße.

Mit 24 haben Sie einen Welthit komponiert „El Mismo Sol“, so wie jetzt auch das Buch heißt. Wie kam es eigentlich dazu, dass Jennifer Lopez, das Lied noch einmal mit Ihnen aufnehmen wollte?

Soler: Ich bin damals gerade nach Berlin gezogen, saß mit meinem Manager in einem Restaurant im Westen von Berlin. Plötzlich hörte ich, wie er ihren Namen sagt. Die Situation war absurd. Ich war sofort hellhörig, habe gefragt, was ist mit J.Lo? Aber er war unsicher, er hatte eine E-Mail von ihrem Management bekommen und wir mussten erst einmal prüfen, ob die Mail überhaupt echt ist. Und er hatte Angst, dass ich vielleicht abdrehen würde, wir kannten uns auch noch nicht so gut. Als klar war, dass ich mit Jennifer Lopez das Lied noch einmal aufnehmen würde, war ich natürlich stolz, hatte aber auch die ganze Zeit Angst, dass noch etwas dazwischenkommen könnte. Wir schickten uns Tracks hin und her. Bis dann auch in New York das gemeinsame Video aufgenommen werden sollte.

Wie schwer war es, neben dieser Tänzerin zu bestehen – und auch noch die Hüften kreisen zu lassen?

Soler: Ich stand erst einmal unter Schock, allein ihre Nähe. Ich bin zwar sehr gut in allem Musikalischen gewesen, aber in puncto Präsenz, Performance und Vor-der-Kamera-Stehen hatte ich überhaupt keine Erfahrung. Aber wenn ich heute ein Musikvideo mit ihr drehen würde, wäre es leichter für mich. Inzwischen habe ich dazugelernt und mehr Selbstvertrauen. Aber ich habe ihr ganz viel zu verdanken. Der Song war Nummer 1 in den Latin Billboard Charts und in Spanien schaffte ich auch endlich den Durchbruch.

Sie erzählen, dass Sie eher schüchtern sind. Wie lässt sich das mit dem Showgeschäft vereinbaren?

Soler: Früher habe ich Menschen bewundert, die offen auf alle zugehen. Wenn Freunde gut Mädchen ansprechen konnten. Ich habe mich immer gefragt. Wie machen die das? Aber das hat sich schon geändert. Sonst könnte ich auch nicht Sendungen wie „The Voice Kids“ machen.

Die Kinder wollten sehr gern zu Ihnen ins Team.

Soler: Aber am liebsten zu Steffi von Silbermond. Zu mir wollten immer alle Kinder mit Wurzeln außerhalb Deutschlands.

Die sehen Sie als Vorbild.

Soler: Ja, das fand ich super. Ich merkte, ich stehe für das Internationale, für unterschiedliche Kulturen. Mein internationales Team zu sehen hat mich sehr stolz gemacht. Ich liebe das. Wir hatten Kinder mit italienischem, spanischem und indischem Hintergrund, sogar ein Kind aus Uruguay war dabei.

Sie betonen, dass Sie Ihrer Intuition folgen. Wie fühlt sich etwas an, das richtig ist?

Soler: In dem Moment habe ich keine Zweifel. Dann muss ich mich nicht verstellen, es passt einfach.

Die starke Intuition ist das Spanische in Ihnen?

Soler: Eigentlich müsste ich jetzt sagen: nein. Jeder Mensch ist anders, das hat nichts mit Nationalität zu tun. Aber vielleicht sind die Deutschen doch eher der Logik verpflichtet und die Spanier eher dem Bauch, dem Gefühl. Ich mache vieles spontan. Auch bei Konzerten, dann entsteht eine besondere Magie.

Warum haben Sie das Buch geschrieben?

Soler: Ich wollte erzählen, wie es ist, wenn man nicht nur eine Nationalität und Kultur hat. Wenn man eben nicht in die Schubladen passt, das ist wichtig, weil das sehr viele Menschen tagtäglich so erleben. Es gibt ein Dazwischen, über das man selbst entscheiden kann und nicht die anderen. Es ist eine Ermutigung, zu den eigenen Wurzeln zu stehen.

Wo ist jetzt Ihre Heimat?

Soler: Das ist häufig der Ort, den ich gerade verlassen habe.

Autor

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