Viernheim

Focus Delegation aus Silly informiert sich über das Projekt „Solarthermische Wasserdesinfektion“

Sonne vernichtet Bakterien

Archivartikel

Viernheim.. Der Afrikaverein Focus ist stets auf der Suche nach innovativen Ideen, um den Menschen in der Partnerregion Silly das Leben zu erleichtern. Von großer Bedeutung ist dabei die Wasserversorgung. Obwohl mit Viernheimer Hilfe fast 30 Tiefbrunnen gebohrt wurden, stehen in vielen Dörfern oft nur selbst gegrabene Löcher mit verschmutztem und bakteriell verseuchtem Oberflächenwasser zur Verfügung. Das Projekt „Solarthermische Wasserdesinfektion“ des Vereins Ingenieure ohne Grenzen könnte hier Abhilfe schaffen. Bei einem Ortstermin in Darmstadt machten sich Focus-Vertreter und eine Delegation aus Silly ein Bild von dem Prototypen.

Das verunreinigte Wasser führt zu Magenschmerzen, aber auch zu schlimmeren Infektionen, betonten die Verantwortlichen von Focus. Trotzdem trinken Menschen das Wasser, teils aus Unwissenheit, teils aus Mangel an Alternativen. Das Wasser müsse abgekocht werden, um damit die Bakterien abzutöten. Genau da setzt das Projekt „Solarthermische Wasserdesinfektion“ an.

„Das abgekochte Wasser kommt heraus und kann dann verwendet werden“, stellte Ingenieur Julius Breuer den Besuchern die Anlage vor. Organisiert wurde das Treffen in Darmstadt von Gerrit Lohmann, Vorstandsmitglied bei Focus.

Der Prototyp der solarthermischen Wasserdesinfektionsanlage besteht im Wesentlichen aus einem großen Kollektor. Über ein ausgeklügeltes System, das ausschließlich mittels Schwerkraft und Sonnenlicht funktioniert, wird bakteriell verseuchtes Wasser auf mehr als 100 Grad Celsius erhitzt. Die Krankheitserreger werden somit abgetötet. 40 Liter pro Tag schafft die Anlage in europäischen Breiten, im sonnenreichen Burkina Faso wird eine deutlich größere Leistung erwartet. „Natürlich müssen die Leute vor Ort zu der Handhabung und Wartung der Anlagen geschult werden“, ergänzte Julius Breuer, „aber das gehört zu unserem Konzept dazu“.

Einfache Handhabung

Auch sieht die Planung vor, die Anlagen direkt vor Ort mit dem dort verfügbaren Material zu fertigen und zu warten. „Vor dem Biegen des Wasserrohres muss es mit Sand gefüllt werden, damit der Querschnitt erhalten bleibt“, lautet ein einfacher, aber wichtiger Hinweis bei der Erstellung der Anlage. Und: „Der Sand muss dann natürlich wieder komplett raus, sonst fließt das Wasser nicht durch. Das ist uns auch schon passiert, und wir haben uns gewundert, warum die Anlage nicht funktioniert“, sagte Breuer. Worauf es beim Betreiben der Anlage ankomme, sei in der umfangreichen, aber gut verständlichen Aufbauanleitung festgehalten.

Den Aufbau und die Handhabung der Geräte will der Verein Ingenieure ohne Grenzen weiter verbessern, so dass die Anlage auch für den extremen Einsatz in ländlichen Gebieten geeignet ist. Im kommenden Jahr möchte man soweit sein, demnächst stehen die nächsten Testreihen in Tansania an.

Den Verantwortlichen aus Viernheim und Silly bleibt also ausreichend Zeit, sich Gedanken über die etwaige Nutzung des Systems zu machen. JR

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