Viernheim

Kirche Klaus Traxler ist seit 30 Jahren protestantischer Pfarrer in Viernheim / Weg zur Theologie führt über die Musik / Gebürtiger Mittelfranke

„Ich will zum Nachdenken anregen“

Archivartikel

Viernheim.„Kontinuität tut den Menschen gut“, ist Klaus Traxler überzeugt. Er spricht aus Erfahrung. Denn der evangelische Theologe mit dem weißen Vollbart ist seit 30 Jahren Pfarrer in Viernheim.

Lange war diese Entwicklung nicht abzusehen gewesen. 1960 in Büchenbach in der Nähe von Nürnberg geboren, wuchs Traxler in keinem ausgesprochen religiösen Elternhaus auf. „Wir sind ab und zu in die Kirche gegangen, Theologie hat zu Hause aber keine Rolle gespielt.“ Der Vater arbeitete im Gepäckdienst der Bundesbahn, die Mutter starb, als Traxler noch ein Kind war. Nach der Konfirmation zog er mit dem Vater nach Bad Vilbel, wo dieser wieder heiratete.

Zur Theologie kam Traxler über die Musik. Schon als Schüler legte er Prüfungen als Organist und als Chorleiter ab. „Ich habe bei kirchlichen Liedern immer hinterfragt, was ich da eigentlich singe.“ Nach dem Abitur wollte er zuerst Kirchenmusik studieren und nahm an der Aufnahmeprüfung der Frankfurter Hochschule für Musik teil. „Ich bin aber durchgefallen“, berichtet Traxler mit einem Lachen. „Dabei habe ich gemerkt, dass das nichts für mich war.“

Von 1980 bis 1986 studierte er dann Theologie in Frankfurt, Erlangen, Heidelberg und Marburg. In Erlangen lernte er auch seine Frau Annerose kennen, mit der er seit 1987 verheiratet ist. 1992 wurde Tochter Lea geboren, die zurzeit an ihrer Doktorarbeit in Molekularbiologie arbeitet.

Nach dem Studium und einem dreijährigen Vikariat in Hirzenhain hatte Traxler mehrere Pfarrstellen zur Auswahl. „Für Viernheim habe ich mich letztendlich nicht entschieden, weil ich es hier so schön fand, sondern weil dort am nötigsten jemand gebraucht wurde.“

Zwei Stellen waren 1989 vakant. Traxlers Vorgänger war nur eineinhalb Jahre in der Gemeinde gewesen. „Am Anfang haben mich die Leute immer gefragt: ,Und wie lange bleiben Sie?’“ In dieser Situation habe er entschieden, zumindest einige Jahre vor Ort zu bleiben. Auf die Probe gestellt wurde diese Entscheidung schon 1993, als die damals einzige evangelische Viernheimer Gemeinde aufgeteilt wurde. „Ich war damals sehr dagegen“, erklärt Traxler. Trotzdem sei er geblieben. „Man muss auch andere Meinungen akzeptieren können. Toleranz ist mir sehr wichtig.“

Teilung der Gemeinde

Damals entstanden die Auferstehungsgemeinde und die Christuskirchengemeinde. Diese wurde um die Jahrtausendwende, als die Friedenskirche errichtet wurde, wiederum in zwei Bezirke aufgeteilt. Heute leitet Traxler den Christuskirchenbezirk. Viernheim und die Gemeinde habe er schnell zu schätzen gelernt, erklärt der Pfarrer, auch weil die Zusammenarbeit mit den anderen Hauptamtlichen gut funktioniere. Seine Entscheidung, hierzubleiben, habe er trotzdem oft hinterfragt. „Ich bin sehr selbstkritisch, aber ich glaube auch, dass ich hier am richtigen Ort bin.“

Darin bestärkten ihn auch immer wieder positive Rückmeldungen. „Schön war neulich die Konfirmation. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich in einer Familie mehrere Mitglieder getauft, konfirmiert und getraut habe.“ Traxler lacht oft. Mit seiner tiefen Stimme und der bildhaften, von Dialekt geprägten Sprache wirkt er auf seine Mitmenschen sympathisch. Trotzdem scheut er auch nicht die Auseinandersetzung, etwa wenn in einer Frauengruppe Ansichten zur Sterbehilfe geäußert würden, „bei denen man sich fragt, wo Jahrzehnte christlicher Prägung geblieben sind“. Traxler hat den Eindruck, dass in den letzten Jahren das Politische immer wichtiger geworden sei und der Egoismus zugenommen habe. Darauf gehe er auch vermehrt in seinen Predigten ein. „Ich mache keine Publikumsbeschimpfung, aber ich möchte die Leute zum Nachdenken anregen.“

Ein besonderes Anliegen sei ihm die Ökumene, erklärt Traxler. Diese funktioniere in Viernheim relativ gut, auch wenn Angebote wie die ökumenische Bibelwoche inzwischen wieder eingestellt wurden. Das Interesse an dem Thema hat auch biografische Gründe. „Die zweite Frau meines Vaters ist Katholikin und ich habe schon öfter Messen besucht.“ Trotzdem ist Traxler, der sich selbst als liberal bezeichnet, froh, Protestant zu sein. „Als Katholik wird einem viel vorgegeben. Evangelisch sein heißt: Jeder macht, was er will.“

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