Viernheim

Aus Fehlern lernen?

„Südhessen Morgen“ 14. August, „,Leiter’ gibt die Fahrtrichtungen vor“

Ein geflügeltes Wort sagt, dass man aus Fehlern klug wird. Stimmt das überhaupt noch? Ich fürchte, sehr viele Zeitgenossen möchten unbedingt eigene Fehler begehen, egal ob ich mich in der großen Politik oder im kleinen Umfeld umsehe. Aus der Vergangenheit lernen, meist Fehlanzeige, wenn etwas daneben geht, oft zum wiederholten Mal, dann sind eben die anderen schuld, oder die Zustände oder sonst etwas.

In den letzten Tagen war in der Zeitung zu lesen, dass mit einem „neuen Leitersystem“ die Verkehrsführung in der Innenstadt geändert werden soll. Dieses Leitersystem ist nicht neu und wurde vor etwa 45 Jahren schon einmal eingeführt, um dann nach und nach wieder aufgehoben zu werden. Verbliebene Relikte sind die Einbahnregelungen der Luisenstraße, Karl-Marx-Straße, Holzstraße und Steinstraße. Vielleicht sollte man in den zuständigen Stellen mal in den alten Akten kramen, bevor man einen Unsinn kostspielig wiederholt. Damals wollte man die Stadt autogerechter gestalten, den Verkehrsfluss verbessern. Und was sind heute die Beweggründe? Die gefahrenen Autostrecken verlängern und damit mehr Abgase ausstoßen? Höhere Fahrgeschwindigkeiten in den Straßen ermöglichen (da ja kein Gegenverkehr zu erwarten ist)? Die Unfallgefahr erhöhen für Fußgänger, die wegen der zugeparkten Gehwege die Straße nutzen müssen?

Das Parken auf der linken Straßenseite erlauben, damit die Autolenker sicherer aussteigen können, während die Beifahrer, die den Verkehr von hinten viel schlechter beobachten können als der Fahrer, stärker gefährdet werden? Alles Fragen, die nicht den Kern treffen. Das Grundübel stellt der ruhende Verkehr in den betreffenden Straßen dar. Hier sollte und müsste der Hebel angesetzt werden, alles andere ist zu kurz gesprungen. Wie wäre es, das Parken zeitlich zu begrenzen und nur Anwohnern mit entsprechendem Ausweis (der gegen eine Gebühr vom Ordnungsamt ausgestellt wird) das unbefristete Parken zu gestatten?

Ich bin mir sicher, dass einige der Anwohner, dann ihr Gefährt auf dem eigentlich vorhandenen (und ausgewiesenen) Stellplatz auf dem Grundstück abstellen würden. In einigen Straßen wäre sicher auch ein Durchfahrtsverbot für LKW sinnvoll.

Vielleicht überdenken die zuständigen Ämter noch mal ihr Konzept, bevor wieder etliche Zehntausend Euro Steuergeld für die neue Beschilderung verschleudert werden.

Herr Bolze hat ja (laut Zeitungsbericht) zugesichert, dass das Einbahnsystem keine Einbahn sei und gegebenenfalls wieder geändert werden könne. „Ich hör die Worte, allein mir fehlt der Glaube.“ Eine Reaktion auf meinen Brief vom September 2017 an Herrn Bolze habe ich bis heute noch nicht vernommen.

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