Lampertheim

Kerwe Heinz Eichenauer nimmt in seiner Eröffnungsrede das Stadtmarketing aufs Korn / Erster Stadtrat, Spargelkönigin und Kerweborscht verteilen Bier und Rosen

Mittendrin oder nicht – eine Stadt feiert

Lampertheim.Was kann schöner sein als bei Traumwetter den Kerweumzug und die Kerweeröffnung zu genießen? So dachten offenbar viele Lampertheimer und strömten am Samstag gut gelaunt in die Innenstadt. Doch das Bilderbuchwetter hatte auch seine Schattenseiten: Es regte das Durstgefühl an und darunter hatten vor allem die Kerweborscht zu leiden.

„Am Freitag haben wir uns bei Christoph Oberfeld getroffen und den Anhänger geschmückt“, erklärte Kerweborscht Rainer Anthes und deutete stolz auf den in den Stadtfarben gehaltenen rot-weißen Schmuck. Der Hof des Heimatmuseums war am Samstag Treffpunkt der neun Kerweborscht und Redner Heinz „Clever“ Eichenauer.

Borscht quält wie üblich der Durst

Florist Jürgen Schuster hatte einen stattlichen Koniferenkranz gebunden und mit rot-weißen Bändern verziert. Zur Sammelstelle kamen auch Spargelkönigin Christin I. und die „Zwoa Spitzbuam“ Mike und Volker. Ein letztes Bier im Stehen – und schon war das Tuckern des Lanz-Bulldogs zu hören. Während die Spargelkönigin auf dem Bulldog mitfahren durfte, mussten die Borscht mit den Bänken in der Rolle vorliebnehmen. Die Musiker stimmten den Lampertheimer Kerwemarsch an, die Borscht nahmen den Kerwekranz auf und eine fröhliche Kerwegesellschaft zog durch das Kerwedorf.

Weit sollten die Borscht aber nicht kommen: Der Durst quälte sie gar zu sehr. Der erste Stopp wurde am Bierwagen der Azzurri und der nächste Halt bei der Aktionsgruppe Meute eingelegt. Doch die Zeit drängte, es fehlten nur noch wenige Minuten bis 17 Uhr. Mit dem Glockenschlag kam die Truppe am Alten Rathaus an, wo sie von Erstem Stadtrat Jens Klingler und einer großen Besucherschar erwartet wurde. Christin I., Clever und Klingler eilten die Treppe empor und traten auf den Balkon. Borscht Simon hängte den Kranz an den Haken und Musikanten spielten auf. Die Lieblichkeit ließ wissen, als Königin habe man nicht viel Zeit. Sie wolle auch nicht viele Worte verlieren, sondern lieber mit den Leuten auf der Kerwe feiern. Doch vor allem ein Satz musste raus „an die Strunzer“: „Der beste Spargel, der gehört unser!“

Vor 50 Jahren vorm „Weißen Roß“

Unter den Zuschauern befanden sich auch Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium, Alexander Bauer, Abgeordneter des Hessischen Landtags, sowie Christine Lambrecht, Bundestagsabgeordnete für den Kreis Bergstraße. Und Clever würde nicht so heißen, wenn er nicht für diesen hohen Besuch mit Reimen gewappnet gewesen sei. Genau vor 50 Jahren hatte er vorm „Weißen Roß“ seine erste Kerwerede gehalten. Wie über „de Maischeins Hannes un soi Sau“. Ausgezeichnet habe damals die Borscht „in gesunde Dorsch tun deshalb war mer Kerweborscht“.

Diesmal nahm Clever das Stadtmarketing aufs Korn. „Santo Umberti heeßt der neije Mann, der is Regiebetriebsleiter vum Stadtmarketing.“ In seinem Bereich wolle er in der Champions League spielen. „Awwer in unsre Innenstadt is des Johr beileibe nix besser wor´n. Des Schillercafé des steht noch immer leer, im Industriegebiet Wormser Strooß do hot sich seit Johre nix mee gedoo un ich heb in de Kaiserstrooß noch kon oonzige Tourist rumlaafe seh.“

Dann relativierte er seine Kritik etwas: „Die Stadt hot e neijes Stadt-Logo entwickle losse. Das heeßt „Natürlich mittendrin.“ Damit könne nur Eis-Oberfeld gemeint sein, „denn schunscht hem mer in de Innenstadt werklich nix mittedrin, un uff dem Logo wären die Stadtteile integriert, a do bin ich irritiert, ich heb uff dem Bild werklich kon oone Howwemer entdeckt“.

Der Erste Stadtrat habe nicht nach Howwe gemusst, sondern stand direkt neben Clever. Sein Hobby Tanzen – ein gefundenes Fressen: Da er mit dieser Leidenschaft so selten öffentlich zu sehen sei – außer beim Tanz in den Mai der SPD – sollten die neuen Stadtmarketingbosse ihn für die nächste Staffel von „Let‘s Dance“ im Fernsehen anmelden, befand Clever. Könnte Friedrich Schiller den „leeren Glaspalast“ auf dem Schillerplatz sehen, würde er sich im Grabe rumdrehen: „Des is kon Vorzeigeschatz, das Schillercafé uffem Schillerplatz.“ Auch mit der Toilette, zu der nur eine steile Treppe führt, müsse etwas passieren. Clevers Lösung: „Fer die Toilette muss in onnere Standort her.“ Dixi-Klos sollten aufgestellt werden, direkt über die Wasserfontänen. „Dann hoscht du automatische Wasserspülung fer wenig Geld – in Klo mit automatischer Boppesabputzmaschin.“ Die Zuschauer amüsierten sich prächtig. Clever wurde der Becher mit Wein gereicht und er taufte den Kerwekranz.

Anschließend begrüßte auch der Erste Stadtrat Jens Klingler die Kerweschar vorm Rathaus und meisterte mit gekonnten Schlägen den Fassbieranstich. Christin I. half beim Ausschenken des Freibiers und die Kerweborscht verteilten rote und weiße Rosen an die Frauen.

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