Lampertheim

Brauchtum Kennenlern-Treffen der Dialekt-Freunde gut besucht / Angst vor dem Aussterben der Mundart / Autoren bringen eigene Texte zu Gehör

„Lasst Euch doch was von der Tante erzählen!“

Archivartikel

Lampertheim.Mit der Idee, eine Gruppe zur Bewahrung des Lampertheimer Dialekts zu gründen oder auch „Loambaddarisch fa Ohfänger“ anzubieten, haben die Initiatoren offenbar einen Nerv bei den Spargelstädtern getroffen. Jedenfalls kamen zum ersten Kennenlern-Termin im Alten Rathaus über 30 Personen, die sich eifrig über Lampertheimer Begriffe und Geschichten „uff Platt“ auszutauschen begannen. Wobei sich nur wenige Anfänger unter ihnen befanden. Vielmehr konnte Organisator Karl-Heinz Horstfeld mehrere Lampertheimer Urgesteine namentlich begrüßen, die sich seit Jahrzehnten der Pflege der Mundart verschrieben haben.

Arbeitsgruppen zu Themenfeldern

In vielen Regionen Deutschlands, etwa in Bayern, sei es ganz selbstverständlich, Dialekt zu sprechen, erklärte Horstfeld zum Auftakt. Doch in Lampertheim habe er lange als die Sprache der Bildungsfernen gegolten, und sei daher immer weniger benutzt worden. In einigen Jahrzehnten, so befürchtet Horstfeld, werde die hiesige Mundart ganz verschwunden sein, wenn man dieser Entwicklung nicht entgegenwirke. Horstfeld hatte sich mit Richard Wehe und Werner Gärtner im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, wie das weitere Vorgehen aussehen könnte.

So regte er an, möglichst in Zusammenarbeit mit der Stadt Lampertheim, eine Datei anzulegen, in der alle möglichen Dialekt-Wörter gesammelt werden. Eine fantastische Vorarbeit habe dabei schon Manfred Rupp als Autor des Lampertheimer Wörterbuchs geleistet. Doch allein, dass dieser das Wörterbuch als Band 1 betitelt habe, zeige schon, dass er selbst ursprünglich plante, noch weitere Begriffe in einem Folgewerk zu veröffentlichen.

Horstfeld schlug außerdem vor, verschiedene Arbeitsgruppen zu bilden, die sich mit jeweils einem Thema befassten, etwa den Gasthäusern, Kinos, Einzelhandelsgeschäften, Festen und Umzügen oder auch Lampertheimer Persönlichkeiten. Dazu sollten eigene Erinnerungen festgehalten oder Zeitzeugen befragt werden – gerade solche, die selbst nicht mehr aus dem Haus gehen könnten.

„Geht doch mal wieder die betagte Tante besuchen, bringt ein Stück Kuchen mit und lasst sie beim Kaffeetrinken von früher erzählen“, empfahl er schmunzelnd. Da komme bestimmt einiges zusammen, was sonst in einigen Jahren unwiederbringlich der Vergessenheit anheimfalle. Wie viel Bedarf besteht, einander davon zu erzählen, zeigte sich immer dann, wenn beispielsweise Namen wie „Schnaggelroos“, „Gaaßbockhoans“, „Hebbes“ und „Feierwehr-Schorsch“ in die Runde geworfen wurden, woraufhin gleich angeregte Diskussionen an den Tischen begannen. Eine Studentengruppe aus dem Bereich Stadtentwicklung könne zudem, so Horstfeld, die bereits vorhandene Literatur über Lampertheim dokumentieren und zusammenstellen.

Im zweiten Teil des Abends wurden dann gleich praktische Beispiele aus dem Lampertheimer Dialekt zu Gehör gebracht. So trug die 88-jährige Wilma Bock schwungvoll zwei Gedichte vor, die sich um die Qualität der Lampertheimerinnen als Ehefrauen und um eine „qualmende Braut“ drehten.

Herta Kleinert aus Hüttenfeld las aus „E bißlche Ebbes vun de ‚Hütt’“ vor. Hierbei handelt es sich um ein Werk ihrer verstorbenen Mutter, der Mundartdichterin Else Hanf: ein Gedicht über das „Duaknehe“. Und der Lampertheimer Regionalkrimiautor Manfred Krämer hat sich den Werken Heinz Erhardts verschrieben. Er erntete viel Gelächter für seine ins Platt umgeschriebenen Erhardt-Gedichte.

Wobei Reimen alleine schon schwer ist, aber wenn das Ganze dann noch in Mundart geschrieben sein und einen Sinn ergeben soll, wird so ein Werk noch kniffliger. Doch daran sollen sich, so Horstfeld, in absehbarer Zeit auch die Spargelstädter versuchen dürfen. Denn auch ein Gedicht- und Kurzgeschichtenwettbewerb im Dialekt sei in Zusammenarbeit mit Krämer für die Zukunft geplant.

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