Lampertheim

Brauchtum Am höchsten Lampertheimer Feiertag glänzen Margit Selb und Christoph Oberfeld mit weiteren Reden

„Kerwemontag darf nit sterwe“

Lampertheim.Der Kerwemontag ist der höchste Feiertag in Lampertheim. Viele Jahre hatten die Krone-Kerwe-Borscht Steffen Götz und Ralf Eichenauer deshalb am Gasthaus „Zur Krone“ die Redd gehalten und den Kranz aufgehängt. Aus beruflichen Gründen war es ihnen in diesem Jahr nicht mehr möglich, so dass Götz bereits am gestrigen Sonntag von der Kerweleiter zu hören war. Aber der Kerwemontag liegt den Lampertheimern nun mal sehr am Herzen und die Kerwegesellschaft wollte auch an diesem Tag auf keinen Fall auf eine Redd verzichten. Guter Rat war teuer, bis Rettung vom Bauernladen Steinmetz kam.

„Uns haben viele Lampertheimer angesprochen, ob wir eine Möglichkeit haben, die Rede zu übernehmen“, erklärte Sandra Steinmetz. Und da der landwirtschaftliche Familienbetrieb die Tradition nicht untergehen lassen wollte, machte sich die Familie Steinmetz Gedanken und rief kurzerhand Margit Selb an. Die setzte sich hin und, statt am Kerwewochenende zu feiern, büffelte sie über einer passenden Steinmetz-Redd. Indessen hatten die Organisatoren im Hof ein Podest für die Kerweborschtin aufgebaut und eine Aufhängung für den Kerwekranz angebracht.

Florist Jürgen Schuster hatte in Windeseile einen weiteren prächtigen Kranz mit bunten Bändern gebunden. Als Musiker erklärte sich Wolfgang „Wolf“ Weber bereit, der sogleich „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ auf seinem Akkordeon anstimmte.

In Lampertheim machte es schnell die Runde, dass im Hof des Bauernladens Steinmetz eine Kerwerede mit Kerwekranzaufhängung stattfinden soll. Und so begab sich eine große Gästeschar rasch zu dem Hof.

Feierlich zog das aktive Kerwevolk ein: Borschtin Margit Selb, Spargelkönigin Christin I. und die Kerweborscht hinterdrein. Wolfgang Weber spielte das Lampertheimer Lied. Dann stieg die Borschtin auf die kleine Bühne und rief: „De Kerwemontag in Lamberde darf nit sterwe.“

Sie bedauere die Stille in der Innenstadt und dass das Schillercafé noch immer leer steht, sagte Selb. Dieser Zustand lasse niemanden kalt. Schön wäre es dagegen, wenn dem Herzen von Lampertheim wieder Leben eingehaucht werde. Nach der Bedeutung des neuen Stadtlogos sei sie schon mehrfach gefragt worden, berichtete die Kerweborschtin: „Manche Leute denken, das ist das Symbol der Vitos-Klinik!“

Margit Selb dankte der Familie Steinmetz für ihre Unterstützung, erhob ihr Glas und rief: „Der Kerwemontag soll leben!“ Mundschenk Markus Gutschalk füllte daraufhin Wein in das Glas, Wolf Weber spielte „Trink, Brüderlein trink“ und Selb taufte den Kranz mit dem Rebensaft.

Nach der Zeremonie machten sich Borschtin, Borscht und Christin I. auf zur nächsten Kerwekranzaufhängung. Dazu ging es die Römerstraße runter, zur Biedensandstraße. Auch der Kreuzhofbauer hatte schon alle Vorkehrungen für die fröhliche Gesellschaft getroffen.

Jäger verschmähen „Frischling“

Bei Landwirt Karb kletterte Borscht Christoph Oberfeld auf die Leiter, hielt die Kerweredd und hängte den Kerwekranz auf. „In Frischling is ä klohnes Schwein“, begann er seine Redd. Damit meinte er aber nicht das Tier, sondern die Fähre von Werner Reuters. „A edle Karosse, die wird vun de Jägern nid geschosse“, sondern die „fährt uffm Rhoi abwärts noch Worms zum Hagebräu“.

Anscheinend hatte der Borscht schon einmal eine solche Fahrt mitgemacht, denn er berichtete: „Ma kennt mohne, ma hätt ä Middelmeer-Kreuzfahrt gemacht.“ Zurück in Lampertheim an Land, denke sich mancher Passagier: „Es wär nid verkehrt, noch beim Karb Heinze einzukehrn.“ Und dann stellte Borscht Christoph die Frage aller Fragen in die Zuschauerrunde: „Wem gehört die Kerwe?“ Und die Kerwestrunzer riefen zurück: „Unser!“

Info: Fotostrecke zur Kerwe unter www.suedhessenmorgen.de

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