Lampertheim

Frauenfrühstück 26-Jährige berichtet in Neuschloß über Überwindung von Essstörungen

Kampf zurück ins Leben

Archivartikel

Neuschloss.Die Besucherinnen betreten in der Früh den Gemeinderaum der evangelischen Johannesgemeinde am Ahornplatz in Neuschloß und erfreuen sich der liebevoll gedeckten Tische: Sträuße mit Frühblühern und hübsch angerichteten Käseplatten. „Wir verzichten auf Wurst, da Fastenzeit ist“, erklärt Maria Walter vom Vorbereitungsteam.

Doch bevor gefrühstückt wird, interpretiert Pianistin Karina Mühlnickel themenbezogen zum Frauenfrühstück das Lied „My Way“ und später begleitet sie den Besucherinnenchor während des Kirchenliedes „Laudato Si“. Ruth Rupp, Sprecherin des Frauenfrühstücks, begrüßt die Besucherinnen mit dem Gedicht „Ein kostbares Geschenk“ von Edeltrud Wisser. Das Geschenk der Frauengemeinschaft ist ein Mutmachstein, der an jedem Platz liegt. „Das beste Mittel, jeden Tag gut zu beginnen, ist, beim Erwachen daran zu denken, ob man nicht wenigstens einem Menschen eine Freude machen könne“, zitiert Maria Walter den Philosophen Friedrich Nietzsche.

Referentin Laura Adrian spricht über das Thema „(K)ein Leben mit Essstörung“. Die 26-Jährige freiberufliche Autorin aus Lorsch berichtet über ihr Leben, das viele Jahre vom Kampf gegen Magersucht, Bulimie, Depressionen und Borderline (Persönlichkeitsstörung) geprägt gewesen sei. Die Schriftstellerin hat bereits mehrere Bücher zu diesen Themen veröffentlicht. Schätzungsweise gebe es 600 000 Bulimiekranke in Deutschland, davon seien die meisten zwischen 15 und 30 Jahre alt.

„Selbstmord auf Raten“

Laura Adrian nimmt die Zuhörerinnen mit auf eine Reise durch ihr Leben, durch den Alltag mit einer Essstörung. Adrian beschreibt die Folgen der Krankheit; diese sei ein „Selbstmord auf Raten“. Als Mädchen habe sie von den Ärzten schon die Diagnose erhalten, dass sie mit dieser Erkrankung keine 18 Jahre alt werde. „Aber ich habe mich in das Leben zurückgekämpft, ich habe es geschafft“, betont die junge Frau.

Die Besucherinnen sind beeindruckt von den konkreten Schilderungen des Krankheitsverlaufs. Zugleich sind sie vom Leidensweg der 26-Jährigen berührt und staunen, mit welcher Offenheit die Referentin berichtet. „Bei allen Essstörungen ist man zwanghaft mit dem Thema Essen beschäftigt“, erklärt Adrian. Es sei ein Suchtmechanismus, denn die Gedanken drehten sich nur noch um das Essen und das Körpergewicht.

„Während der Erkrankung besteht immer Lebensgefahr“, betont die ehemals Betroffene. Egal wie dünn man sei, man fühle sich immer zu fett. Und man hungere sich sogar die Muskeln weg. Die Erkrankung nehme Freunde, Gefühle, Gedanken, den Lebenswillen und den Respekt vor sich selbst. Die betroffene Person sei Sklave ihrer Krankheit. Doch Adrian zeigt auch den Weg heraus. Neben der richtigen Therapie brauche der Erkrankte Einsicht, Ausdauer, Unterstützung und Mut.

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