Lampertheim

Betreutes Denken

Zum Bericht „Wir halten uns an alle Vorgaben“ im „SHM“ vom 10. November über eine Ortsbeiratssitzung in Hüttenfeld.

Friede, Freude, Eierkuchen: So lautet der Tenor des „SHM“-Berichts über die Ortsbeiratssitzung, in der Gerhard Goliasch, Geschäftsführer des Zweckverbands Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB), über den Genehmigungsstand und die jüngsten Baumaßnahmen auf dem ZAKB-Gelände berichtete. In dem Artikel kommt jedoch zu kurz, dass die Hüttenfelder Bevölkerung nicht vorab über die aktuellen Vorgänge auf dem Deponiegeländer informiert worden ist.

In öffentlichen Veranstaltungen wurde 2016 mit einigem Aufwand der Plan vorgestellt, dort einen Lkw-Parkplatz anzulegen. Nun erfährt man, dass der Parkplatz gar nicht mehr so dringlich ist. Stattdessen wurde im Sommer das alte Betriebsgebäude weitgehend bis auf die Fundamente abgerissen, um darauf ein neues Betriebsgebäude zu errichten. Die Baugenehmigung hierzu sei erteilt. Der Lkw-Parkplatz wird also als ein Gegenstand öffentlichen Interesses angesehen, der Neubau des Betriebsgebäudes hingegen nicht.

Wie das Gebäude aussieht und in welcher Größe es sich am Waldrand aufrichtet, das blieb eine innere Angelegenheit in den Amtsstuben. Nicht nur die Bevölkerung wurde nicht darüber informiert, sondern auch der Ortsbeirat erfuhr nicht offiziell von den konkreten Bauplänen, der Baugenehmigung und dem Baubeginn. Zwar haben zwei Vertreter des Ortsbeirates auf der Sitzung verlautbart, sie hätten Bescheid gewusst. Dieses Wissen können sie aber allenfalls auf informellem Wege erworben haben; der Ortsbeirat als Organ der kommunalen Vertretung wurde jedenfalls nicht auf dem Amtswege informiert. Eine transparente Einbeziehung der Bevölkerung sieht anders aus.

Große Ausbaupläne des ZAKB im Bereich der Deponie sind in der Vergangenheit immer wieder ein sensibles Thema gewesen. Es war nicht die Ausnahme, sondern die Regel, dass die Bevölkerung darüber nicht zuvor aufgeklärt und einbezogen wurde. Die Bevölkerung musste sich einige Male ihr Informations- und Mitspracherecht nachhaltig erstreiten. Erst waren es der geplante vollflächige Ausbau zu einem Sondergewerbegebiet am Fuße des Berges und dann das Windrad oben auf dem Berg, und heute ist es das Betriebsgebäude. Das Übergehen der Bevölkerung erfolgte im jüngsten Fall eigentlich ganz unverständlich, denn der Bau eines neuen Betriebsgebäudes oder auch eines Lkw-Parkplatzes wird wohl kaum bei den Hüttenfeldern auf größeren Widerstand stoßen – wenn es dabei bleiben sollte.

Die Einbeziehung der hiesigen Bevölkerung ist eine Stilfrage dahingehend, inwieweit man ihr allgemein Respekt entgegenbringt und ihr Interesse an der Entwicklung des Ortes und gegebenenfalls ihre Sorgen ernst nimmt. Beim allgemeinen Umgang mit den Hüttenfeldern ist es dann vom Deponiegelände zur innerörtlichen Verkehrssituation und zu Kitaplätzen nur ein kleiner Schritt. Jedenfalls machen die Hüttenfelder immer wieder die Erfahrung, dass die Obrigkeit bei ihnen eine Sehnsucht nach betreutem Denken zu erkennen glaubt und man ihnen in wohlmeinend-paternalistischer Pose zu ihrem Glück verhelfen muss. Wir Hinterwäldler verneigen uns in Dankbarkeit!

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