Kommentar

Die Kirche im Dorf lassen

Uwe Rauschelbach über die Finanzierung der Kindertagesstätten

Das klingt auf den ersten Blick irritierend: Während es die evangelische Kirche für ihr neues Geschäftsmodell bei einer kommunalen Kostenbeteiligung von 30 Prozent belässt, fordert die katholische Kirche 85 Prozent. Dies bedeutete aus Lampertheimer Sicht: 10 000 Euro für die evangelische Kirche und das Dreifache für die katholische. Und das, obwohl die evangelische Trägerschaft vier Kindertagesstätten umfasst, gegenüber drei Einrichtungen in katholischer Trägerschaft.

Mögen sich die Zahlen auch nicht eins zu eins vergleichen lassen und beide Modelle auf unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen beruhen – weshalb man die nackten Zahlen denn auch nicht als Ausdruck von Geiz beziehungsweise Großzügigkeit interpretieren sollte –, so bleibt ein gewisser Konflikt bestehen. Denn zum einen könnte eine Zustimmung zum Geschäftsträgermodell des Mainzer Bistums auf evangelischer Seite den Eindruck hervorrufen, ihre Leistungen im Bereich der Kinderbetreuung würden nicht in gleicher Weise wertgeschätzt. Zum anderen mag der vom Bischof festgelegte Kostenanteil zwar binnenkirchlich ohne Akzeptanzverluste durchgehen; für eine Kommune als Vertragspartner muss das aber noch lange nicht gelten.

Nüchtern betrachtet, haben die Parlamentarier aber gar keine andere Wahl, als dem vorgeschlagenen Modell zuzustimmen, wollten sie nicht der Überbelastung des Ehrenamts geziehen werden. Auf lange Sicht wird es die Gesellschaft ohnehin zu akzeptieren haben, dass sich die konfessionellen Träger aus ihren Betreuungseinrichtungen zurückziehen. Weil die Vielfalt an Trägerschaften aber einen hohen gesellschaftlichen Wert besitzt, dürfte auch Lampertheim ein Interesse daran haben, die Kirchen so lange wie möglich bei der Stange zu halten.

Die jetzt geforderten Mehrkosten in Höhe von 30 000 Euro stehen ohnehin in keinem Verhältnis zu jenen Beträgen, die mit dem Betrieb der Kindertagesstätten anfallen. Daran sind die Kommunen inzwischen zu 100 Prozent beteiligt, was den Lampertheimer Haushalt aktuell mit rund zehn Millionen Euro belastet. Deshalb sollten SPD, FDP und Grüne in der Debatte über die bischöflichen Forderungen besser die Kirche im Dorf lassen.

 
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