Bürstadt

Gesundheit In Bürstadt droht ein Mediziner-Mangel

Streit über Zuschuss für neue Ärzte

Archivartikel

Bürstadt.Der drohende Ärztemangel treibt auch die politischen Entscheidungsträger in Bürstadt um. Nachdem in kurzer Zeit gleich zwei Allgemeinmediziner aufgehört haben (wir berichteten), können die übrigen vier Praxen nur noch mit Mühe Patienten aufnehmen und versorgen.

Damit sich junge Ärzte in Bürstadt niederlassen, brauche es finanzielle Anreize, fordert SPD-Fraktionschef Franz Siegl. „Wir können ihnen von der Stadt ein Darlehen oder einen Zuschuss geben.“ Denn es sei sehr teuer, eine Praxis zu übernehmen. Allerdings sei das schon bei der Kinderärztin Dr. Daniela Klee am Widerstand der CDU gescheitert, kritisiert Siegl.

„Wir haben es abgelehnt, weil wir das als Wettbewerb ansehen“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Eberle. Wenn die Stadt Mediziner unterstütze, „wo hören wir dann auf?“ Eberle fürchtet, es würden noch mehr anklopfen. Er denkt dabei an Notare oder Gastronomen, von denen es mehr geben müsste in Bürstadt.

Eberle plädiert eher dafür, das Thema mit der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz als Gesundheitsdezernentin oder auf Landesebene anzusprechen. „Wir sind aber auch schon in Gesprächen.“ Denn es müsse etwas passieren. „Ärzte sichern auch unseren Status als Mittelzentrum, der ist an gewisse Bedingungen geknüpft“ und solle auf keinen Fall verloren gehen.

„Politisch können wir nur von Berlin aus was machen“, sagt SPD-Fraktionschef Franz Siegl. „Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat sehr große Macht und kann massiv eingreifen“, bedauert er. Er hofft, dass sich im Rahmen der Sozialen Stadt Möglichkeiten für Arztpraxen eröffnen und denkt dabei ans Areal am Bahnhof. Ähnlich sieht es auch Burkhard Vetter, Fraktionsvorsitzender der FDP. „Wir könnten Räume zur Verfügung stellen, damit keine Kosten entstehen.“ Der Spielraum der Politik, dabei Einfluss zu nehmen, sei begrenzt, sagt auch er. „Wir müssen dringend Abhilfe schaffen. Aber die Verantwortlichen dafür sitzen nicht in Bürstadt.“

Leute warten im Treppenhaus

Vetter würde sich – wie schon früher – wieder einen Augenarzt wünschen. „Es gab mal einen aus Lampertheim, der eine Dependance in Bürstadt hatte. Das war prima. Die Kosten für die Räume könnte die Stadt vielleicht abfedern.“ Für ältere Menschen sei es „eine Katastrophe“, wenn sie nicht vor Ort versorgt werden können, findet Vetter. Das sehe er mit Schrecken in Biblis. „Beim Hausarzt dort ist das Wartezimmer oft so voll, dass die Leute im Treppenhaus stehen müssen.“

Uwe Metzner, Fraktionschef der Grünen, hofft auch, dass sich die Situation bald entspannt. Als Ortsvorsteher von Bobstadt wünscht er sich zudem eine Versorgung im Stadtteil. „Hier wohnen rund 3000 Menschen, aber es gibt keinen Arzt.“ Doch als zweiter Standort „würde sich das für eine Praxis nicht rechnen, heißt es immer. Das ist einfach schade“, so Metzner. cos

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