Bürstadt

Umwelt Wald leidet unter Hitze und Trockenheit / Forstamtsleiter Ralf Schepp zieht Vergleich zu Hitzesommer 2003

„Schäden zeigen sich erst im nächsten Frühjahr“

Archivartikel

Bürstadt.Mancherorts sieht es im Wald aus, als wäre schon Oktober: Viele Bäume tragen buntes Laub, vor allem Buchen haben schon einen Teil ihrer Blätter abgeworfen. Die hartnäckige Trockenheit ist schuld, wie Ralf Schepp, Leiter des Lampertheimer Forstamts, dem „Südhessen Morgen“ bestätigt. „Der Wald hat richtig Stress“, sagt er.

Seit April gab es kaum Regen, dazu viel Sonne und über Monate hinweg Temperaturen von mehr als 30 Grad. Schepp kann sich noch gut an den ebenso heißen Sommer im Jahr 2003 erinnern: „Da war das Wetter sehr vergleichbar.“ Also rechnet er mit ganz ähnlichen Folgen. Einige Bäume, vor allem junge Setzlinge, werden wohl im Frühjahr nicht mehr austreiben. „Wie schlimm es wirklich wird, zeigt sich aber erst in den Folgejahren“, macht Schepp deutlich.

Schädlingsbefall droht

Er befürchtet, dass die Verluste beträchtlich werden. Zumal geschwächte Bäume ein gefundenes Fressen für Schädlinge aller Art sind. Bei Fichten drohe ein massiver Befall von Borkenkäfern. Bis zum Frühjahr würden sich die gefräßigen Insekten explosionsartig vermehren – zwei kleine Käferchen produzierten schließlich ein Vielfaches an Nachwuchs. Dieses Problem betreffe allerdings vor allem den Odenwald.

In der Rheinebene rechnet Schepp vielmehr mit einem Schadpilz, der vor allem Kiefern befällt. Die Folge: Die Triebe verdorren, ganze Äste färben sich braun und sterben ab. „Das kann tödlich sein.“ Vor allem, wenn auch noch der Borkenkäfer sein Unwesen in den angegriffenen Stämmen treibt.

Infiltration hilft Wald nicht

Die Förster stehen dem Problem relativ hilflos gegenüber: „Dem Borkenkäfer können wir nur hinterherräumen und abgestorbenes Holz entfernen.“ Wo große Lücken entstanden sind, werde nachgepflanzt. Langfristig sieht Schepp aber keine Lösung, die dem Wald in heftigen Dürrejahren das Überleben sichern könnten.

Das Wasser, das aufgrund der Infiltration seit rund eineinhalb Jahren zwischen Lorsch und Riedrode versickert, bringe keine Erleichterung für die durstigen Pflanzen. „Es wird maximal bis zu drei Metern unter der Erde aufgespiegelt, damit steht das Grundwasser dem Wald nicht zur Verfügung“, macht Schepp deutlich. Allerdings gehe es lediglich um die Trinkwasserentnahme. Dabei wird aufbereitetes Rheinwasser durch Schluckbrunnen ins Erdreich geschleust. So soll sichergestellt werden, das sich genug Grundwasser bildet, das dann wieder als Trinkwasser abgepumpt wird

Allerdings gibt es Grenzen. „Höher aufspiegeln geht nicht“, sagt Schepp. Sonst drohten in den benachbarten Siedlungen und auf den Feldern Vernässungsschäden.

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