Bürstadt

Kulturbeirat Christian „Chako“ Habekost auf Triumphzug in Bürstadt

Der „edle Pälzer“ bringt’s genau auf den Punkt

Archivartikel

Bürstadt.Man darf diesen Abend in Bürstadt als Triumphzug eines Kabarettisten verstehen, der sich zum gefeierten Publikumsliebling entwickelt hat. Christian „Chako“ Habekost durfte sich bei seinem aktuellen Auftritt über ein ausverkauftes Bürgerhaus mit 550 Zuschauern freuen. „De edle Wilde“ hat sich und „sei Schbrooch“ zum Emblem kultiviert, und bewies dies einmal mehr auf Einladung des Kulturbeirats.

Wo er zwischen „Eloquenz-Elwetritsche“ und „Mundart-Molukken“ zielsicher durchs Dickicht der Sprachlosigkeit führt, findet man sich rasch im Dschungel der Pointen wieder. Und der wird in den gut zwei Stunden Vollblutunterhaltung so souverän wie gekonnt von der „Alma Mater“ der deutschen Sprache, also im breitesten Pälzisch zelebriert.

Exzellenter Sprachkurs

Tauchen wir also ein in den Habekost’schen Sprachkurs, der die pfälzischen Wortexporte von „riwwer“ (zum englischen „river“, deutsch: Fluss) bis zu „Woschd und Käs“ („worst case“, deutsch: schlimmster Fall) über einvokalige Laute wie „druff“ und „äh“, „oh“ und „noi“ lenkt, die sicher vieles sind, aber nicht profan.

Gäb’s das Pfälzisch nicht, wüssten viele wohl kaum, dass „die Hunnne“ eben nicht ausgestorben, sondern schlichtweg „hunne“ zu suchen sind. Und auch die „Finne“ könnte man ohne den Cursus Palatinus Maximus schwerlich am rechten Platze „finne“. So viel nur als kleiner Appetithappen eines Abends, der es an Redegewandtheit nicht missen lässt, und vieles mehr umfasst.

Wenn Habekost den Urlaubs-Meckerer über ein Venedig mit Wasserschaden und das Kolosseum ohne Dach motzen lässt, enttarnt er dabei stilsicher die scheinheiligen Überheblichkeiten von Ferien-Fahrern mit Luxus-Problemen. Klartext-Chako will dem schlägernden Mehmet das „Mesut Özil-Gedächtnis-Stipendium“ für demokratisch gelungene Verrohung verleihen und enttarnt damit subtil die Irrwege überzogener politischer Korrektheit beim Thema Migration. Wenn der Routinier dann schließlich an Zeiten erinnert, in denen Eltern die Lehrer noch inständig darum baten, ihre Kinder „durch Stockauflegung“ zu segnen, ist das nicht weniger als ein konsequenter Verweis auf das Kreuzfeuer der Kritik, dem sich die Pädagogen heute ausgesetzt sehen. So also funktionieren deutliche Worte in einem Wald politischer Unsicherheit. Und die kommen an.

Es sind ohne Zweifel heftige Pointen, die Habekost hier vom Stapel lässt und mit dazu solche, über die sich der längst legendäre Satz „Friejer hod’s des ned gewwe!“ ebenfalls trefflich anwenden lässt. Und es stimmt: Vieles, von dem, was „de edle Wilde“ in den Irrungen und Wirrungen des Buschs hören lässt, ist ein humoristisches Kondensat dessen, was Habekost als sympathischen Pfälzer von nebenan bekannt machte.

Doch der konzentrierte Naturalismus, dem sich Habekost verschrieben hat, raubt dem Kabarettisten nicht nur in Bürstadt jegliche Tabus – und das ist auch gut so. Denn nur so entfaltet sich ein thematisches Kaleidoskop, das nicht nur zwischen Saarländer-Schelte und Maimarkt-Episode vibriert, sondern auch herrlich detailreich über Helikopter-Eltern und Napalm-Nannys räsoniert. Bissig, hart und auf den Punkt.

Dass Habekost dabei sein Ziel trifft, hat nicht nur damit zu tun, dass die Schärfe des Moments stets erst im Hintersinn vollends zur genussvollen Wirkung kommt. Es liegt auch entscheidend daran, dass er nicht den Wissenschaftler über Rassismus sprechen lässt, sondern den besorgten Bürger, der sich über seinen „Drecksau“-Nachbarn ärgern will, ohne dabei über dessen Nationalität nachdenken zu müssen. „Dabbschedel kenne doch jede Farb“, oder?

Worscht und Woi im Stau

Chako lässt seinen Abend nicht mit dieser inhaltlichen Hitze enden, sondern garniert ironische Spitzen gegen Bülent Ceylan und sich selbst mit einem Autobahn-Stau, den er mit Woi und Grieweworscht in ein Fest des Pfälzer Frohsinns verwandelt. Dies alles spricht für einen Künstler, der heftig austeilen kann, mit seinem Humor aber auch tiefgründig ist. „Es ist hart, ein Diamant zu sein – in einer Welt voller Klosteine“, bemerkt Chako Habekost. Doch in Bürstadt wird er längst als Brillant erkannt. Denn wie selbstverständlich feiert ein restlos begeistertes Bürgerhaus sein verehrtes Mundart-Juwel. Verdiente Lorbeeren für einen Großen der regionalen Kunst.

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