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Tag es offenen Denkmals Heimatforscher zeigen Unterlagen zur Erweiterung der Simultankirche in Nordheim vor 200 Jahren / Führungen durchs Gotteshaus

Neues Interesse an alten Plänen

Nordheim.Vor 200 Jahren ist die Simultankirche in Nordheim erweitert worden. Geplant war dies aber schon früher: 1786. „Sie war für die auf 500 Seelen angewachsene Gemeinde Nordheim zu klein geworden und sollte 1000 Gläubige fassen“, erklärte Günter Mössinger vom Verein für Heimatgeschichte am „Tag des offenen Denkmals“.

Das belegen Pläne, die die Mitglieder kürzlich (wir berichteten) im Generallandesarchiv in Karlsruhe entdeckt haben. Den außergewöhnlichen Fund präsentierten die Heimatforscher nun den Besuchern bei einer Ausstellung in der Kirche. Es handelt sich dabei um Unterlagen zum Bauvorhaben an der Simultankirche und verschiedene Entwürfe.

„Zu hohe Kosten befürchtet“

Mössinger präsentierte den Erweiterungsplan des hessischen Baumeisters Michael Spieß aus dem Jahr 1810. Dieser sah den Abriss des alten Chors und des Eckhauses an der Kreuzung Zum Steinerwald/Rheinstraße vor. Der alte Turm konnte hier beibehalten werden, das alte Langhaus sollte zu Chor- und Altarbereich werden. Hierdurch befand sich der neue Haupteingang mit klassizistischen Formen im Osten. „Gegen diesen Entwurf legte der Curator des alten Universitätsfonds Heidelberg, Staatsrat Klüber, Einspruch ein, da die Baupflicht am Chor bei der Universität lag und er zu hohe Kosten befürchtete“, erklärte Mössinger. Klüber schickte den Plan an den badischen Oberbaudirektor Friedrich Weinbrenner in Karlsruhe, der für Baden billigere Vorschläge erarbeiten sollte.

„Die Baupflicht am Turm lag bei der Gemeinde Nordheim, die durch den Schulneubau in der Straße Zum Steiner Wald 15 bereits an den Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten gekommen war“, führte Mössinger aus. Die Baupflicht am Langhaus oblag wiederum dem hessischen Staat als Rechtsnachfolger der drei Wormser Stifte Domstift, St. Andreas Stift und St. Paulstift. Der Plan von Weinbrenner aus dem Jahr 1812 sah einen Abbruch des alten Turms und Lagerhauses vor und dessen Erneuerung und Vergrößerung durch Verbreiterung mit angefügten Treppenhäusern. „Dadurch wäre der hessische Staat finanziell besonders stark belastet worden“, erläuterte Mössinger. Der Kircheneingang unter dem Turm wäre nur auf engem Zugangsweg zu erreichen gewesen. „Die Hessische Hofkammer war sehr erzürnt darüber und verlangte zahlreiche Eingaben am Plan.“ Auch eine Ortsbesichtigung mit versöhnlichen Ausgang gab es. „Daraufhin erarbeitete Weinbrenner 1812 einen weiteren Entwurf“, sagte Mössinger und zeigte auf die historischen Pläne. Ein Entwurf zur Vergrößerung der Nordheimer Kirche, und wie diese mit Beibehaltung des Turms und des Chors mit den geringsten Kosten vergrößert werden kann. Dieser Plan wurde schließlich akzeptiert. Wobei die Hessische Hofkammer in einem jahrelangen Gerangel versucht habe, Baden zu einer finanziellen Beteiligung zu bewegen. Dementsprechend wurde das Langhaus 1818 als Querschifflanghaus zwischen Chor und Turm gebaut.

Die Erweiterungsmaßnahmen konnten die Gäste direkt bei einer Führung durch das Gotteshaus in Augenschein nehmen. Zudem erlebten sie einen Gottesdienst, den der Gesangverein Volkschor musikalisch mitgestaltete. Auch danach erhob der Chor seine Stimmen, am Nachmittag war zudem Joschka Althoff an der Orgel zu hören.

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