Leserbrief - Zu „Sinnvolles nicht zertrampeln“ (FN, 18. Januar) im Zusammenhang mit der Parkraumdiskussion in Weikersheim Vergleich mit Trumpschen Methoden ist „eine Unverschämtheit“

Von 
Anja Lotz
Lesedauer: 

Sehr geehrter Herr Koch, leider habe ich Sie in der Gemeinderatssitzung am 17. Dezember 2020 nicht gesehen. Scheinbar haben Sie die Gründe unseres Antrages nicht verstanden. Deshalb lassen Sie es mich nochmals ausführen:

AdUnit urban-intext1

Der Gemeinderat hat bisher keinen Grundsatzbeschluss über den Bau eines Parkhauses im oberen Bereich der Schul- und Friedrichstraße gefasst. Vielen der neuen Gemeinderäte sind die bisherigen Überlegungen der Stadtverwaltung über die sogenannte Parkharfe nicht bekannt.

Den Planungsbereich sehen wir als höchst problematisch an. Die Anfahrt zum Parkhaus und auch die Abfahrt befinden sich kurz vor dem Kreisverkehr der Friedrichstraße. Außerdem mündet die Bahnhofstraße in die Friedrichstraße ein, auf der ein hohes Verkehrsaufkommen besteht. Es ist zu befürchten, dass sich beim Bau eines Parkgebäudes an diesem neuralgischen Verkehrsknoten ein Unfallschwerpunkt entwickelt. Die Anwohner entlang des geplanten Parkhauses müssen befürchten, dass durch den erhöhten Pkw-Verkehr ihre eigene Durchfahrtsituation in der Schulstraße und auf die Friedrichstraße eingeschränkt bzw. behindert wird.

Die Lage des geplanten Parkhauses beeinträchtigt die Sicht auf das historische Gebäudeensemble der Altstadt und die unter Denkmalschutz stehende mittelalterliche Stadtmauer empfindlich (denkmalpflegerischer Werteplan Gesamtanlage Weikersheim vom 22.7.2008; Wikipedia Stand 12/2020). Schon auf der Klausurtagung des Gemeinderates im Jahr 2012 hat der Hauptkonservator Dr. Martin Hahn vom Landesdenkmalamt ein Parkhaus an diesem Standort kritisch beurteilt (FN, 11/2012).

AdUnit urban-intext2

Für den Bereich Schulstraße wünschen wir, dass im Interesse einer gestalterischen Städteplanung denkmalgeschützte und historische Strukturen sichtbar gemacht werden. Durch die Erweiterung der Parkplätze mit lockerer, dem Naturschutz dienlicher Bepflanzung könnte der gesamte Bereich aufgewertet und das Altstadtbild verschönert werden. Ein Beispiel für eine solche gelungene Lösung ist der Bereich „An der Stadtmauer“ gegenüber dem Ärztehaus.

Grundsätzlich sehen wir keine Notwendigkeit für ein Parkhaus, da die Parkmöglichkeiten in Weikersheim bereits großzügig mit den öffentlichen Parkplätzen am Tauber-Ufer, im Heiligen Wöhr, am Bahnhof oder in der Schulstraße vorhanden sind. Fußläufig sind die vorhandenen öffentlichen Parkgelegenheiten innerhalb von maximal zehn Minuten zu erreichen. Die angesiedelten Unternehmen sowie der Einzel-/Lebensmittelhandel in ganz Weikersheim verfügen über ausreichend eigene Parkflächen.

AdUnit urban-intext3

Wir bezweifeln die Darstellung der Verwaltung, dass im Bereich der Altstadt und der Friedrich-/Laudenbacherstraße ein Bedarf an Garagenplätzen besteht, da das städtebauliche Planungskonzept auf alten Daten aus dem Jahr 2012 basiert. Zudem sind seit dem Erhebungszeitraum viele Parkflächen in Weikersheim neu entstanden. Wir sind davon überzeugt, dass das Projekt mit seinem erheblichen finanziellen Aufwand nur wenigen Nutznießern zugutekommt. Wir gehen davon aus, dass das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung und das europäische Klimaschutzziel mit einer Verringerung des CO2-Ausstosses um 55 Prozent (Referenz 1990) bis zum Jahr 2030 zu einer weitreichenden Veränderung des Fahrzeugaufkommens, auch im ländlichen Raum, führen wird. Deshalb sehen wir in dem geplanten Parkhaus eine ökologische Fehlentscheidung.

AdUnit urban-intext4

Die Stadt Weikersheim hat ihre Pflichtaufgaben aus dem Vermögenshaushalt 2019 und dem Finanzhaushalt 2020 noch nicht abgearbeitet. Die ausstehenden Investitionen müssen noch umgesetzt werden. Wir halten es für leichtsinnig, angesichts der äußerst angespannten Haushaltslage der Stadt Weikersheim in den nächsten Jahren ein derartiges Projekt, wie die Parkharfe, umzusetzen. Um den tatsächlichen Dauerparkbedarf zu beleuchten, bitte ich alle, die einen offenen oder geschlossenen Parkplatz in Weikersheim mieten oder kaufen würden, mir das schriftlich mitzuteilen (Anja.Lotz@spd-weikersheim.de). So lässt sich sehr schnell feststellen, ob ein Bedarf besteht. Sollte er vorhanden sein, kann ein wirtschaftliches und Standortkonzept erstellt werden, um weder den Blick auf die Altstadt zu zerstören oder eine gefährliche Verkehrsführung zu provozieren.

Und von Ihnen, Herr Koch, erwarte ich eine Entschuldigung an meine SPD/UB-Fraktion, es ist eine Unverschämtheit unsere Arbeit mit „Trumpschen“ Methoden zu vergleichen. Schämen Sie sich, wie Sie gewählte Bürgervertreter betiteln. Sie sollten sich vor Augen führen, dass Sie damit auch unsere Wählerschaft, die in Ihrem ansässigen Familienunternehmen Buchungen vornehmen, beleidigen!