Weinbauförderverein - Turbulente und unterhaltsame Weinprobe mit dem "Theater Doredräwer" / "Schneewitter" statt "Schneewittchen"/ Trockene Tropfen im Vergleich "Toll, märchenhaft und phänomenal"

Von 
Detlef Weber
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Voller Entsetzen findet die hereingaloppierte Königstochter aus Beckstein (Lukas Schäfer, links) (Philipp Schmitt), bedeckt von goldenen Lettern, scheinbar tot im Kreis der osteuropäischen Erntehelfer.

© Schneewitter

Seit 17 Jahren verbinden die spätherbstlichen, vom "Theater Doredräwer" garnierten Weinproben des Schäftersheimer Weinbaufördervereins humorvolle Unterhaltung mit edlen Weinen.

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Schäftersheim. In der ersten trockenen Doppelprobe galt es den Müller-Thurgau Kabinett mit dem Tauberschwarz Rosé, beide vom Markelsheimer Tauberberg, zu vergleichen. Die rote Probe zauberte ebenfalls vom Tauberberg einen Schwarzriesling und einen Acolon, beides Kabinettweine des Jahrgangs 2015, in die Probiergläser. Zum Dritten maß sich sie die Spätlese des Silvaners vom Probstberg mit der des Kerners vom heimischen Klosterberg.

Eingeläutet wurden die beiden Probenabende in der voll besetzten Bauernhalle vom Vorsitzenden des Weinbaufördervereins Alexander Ehrmann. Er unterstrich unter anderem den Kultstatus, den diese Veranstaltung rund um den Wein in der Region inzwischen erworben hat.

"Es war einmal"

Los ging es wie wohl jedes Märchen losgeht. "Es war einmal...", lauteten die ersten Worte der Erzählerin (Jutta Gromes), nachdem sie in ihrem pompösen Sessel Platz genommen hatte. Als aus den Eimern der drei lustigen Weinmäuse (Josefine Fleuchaus, Alina und Antonia Schmitt) Weinblätter statt der erwarteten Schneeflocken rieselten, konnte man erahnen, dass das von den "Doredräwern" gespielte Märchen einen etwas anderen Verlauf nehmen würde als das Grimm'sche Vorbild.

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Statt der erwarteten Königin saß ein seine Schere säubernder König (Rainer Hörner) auf dem riesigen Weinfass. Gefragt, warum er und nicht die Königin da sei, stellte er achselzuckend fest, dass sie ihren freien Tag habe. Nach seinem vom Gevatter Tod (Martin Reindel) begleiteten Abgang kam ein neuer, schönerer König (noch immer Rainer Hörner), der voller Eitelkeit wiederholt das Display seines Mobiltelefons befragte, ob er der Schönste im ganzen Land sei.

Währenddessen wuchs das Kindlein heran und immer häufiger antwortete das Handy-Spieglein in der Hand, dass das Kindlein tausendmal schöner sei als er. Zwei Jahrzehnte später tanzte das inzwischen erwachsene Kindlein (Philipp Schmitt) zum Erstaunen der Erzählerin in einem rosa Tutu und mit blonder Perücke auf die Bühne. Nach kurzem Hin und Her hängte er seine Perücke an einen Rebstock. Er musste zugeben, dass er nicht Schneewittchen, sondern "Schneewitter" vom Klosterberg ist. Der Hass des Königs war jetzt so groß, dass er eine Winzerin (Isolde Neef) beauftragte, Schneewitter mit dem giftigen 1985er Glykolwein aus Italien umzubringen. Bei den Weinen der ersten Probe ließ sich die Winzerin erweichen, Schneewitter auf Nimmerwiedersehen nach Repperndorf, irgendwo bei Kitzingen, laufen zu lassen.

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Auf dem Weg dorthin fand er ein kleines Häuschen mit sieben Tellerlein und sieben Becherlein. Er aß von allen, trank alle Becherlein leer und legte sich schließlich erschöpft und trunken auf einer Stuhlreihe zum Schlafen. Kurze Zeit später kamen die Bewohner des Häuschens zurück.

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Es waren nur noch vier der sieben Erntehelfer (Ida Reindel, Katja Schmitt, Torsten Körner und Benedikt Reindel) aus dem Osten Europas, da drei trotz Mindestlohn schon wieder mit dem Bus heimgereist waren.

Wenig später kam der König vorbei und die Stimme aus dem "Off" (Michael Fleuchaus) auf seinem Handy-Spieglein sagte ihm, dass Schneewitter bei den Erntehelferinnen über den Weinbergen viel schöner sei als er.

Zwei weitere Versuche des Königs, Schneewitter verkleidet mit vergiftetem Wein und einer vergifteten Blattschere ins Jenseits zu befördern, scheiterten kläglich.

Letzter Versuch

Wenig später unternimmt der König einen letzten Versuch, Schneewitter auszulöschen. Mit vergifteten Trauben scheint sein Mordkomplott endlich zu gelingen. Auch die Stimme aus dem "Off" gaukelte ihm vor, dass er jetzt der Schönste sei. "Da hatte sein neidisches Herz und seine schwarze Seele endlich Ruhe", so die Erzählerin.

Nach einer Zeit völliger Ratlosigkeit bei den Bewohnern des kleinen Häuschens kam die Becksteiner Königstochter (Lukas Schäfer) auf einem Steckenpferd hereingaloppiert. In dem entstehenden Wirrwarr stürzten die Erntehelferinnen zusammen mit Schneewitter zu Boden. Dabei spuckte er die vergiftete Traube aus und ward wieder lebendig.

Zum Schluss wendete sich alles zum Guten und Schneewitter vom Klosterberg ließ sich mit "Missionierungsvorbehalten" überreden, mit der Königstochter nach Beckstein zu ziehen.

Idee von Andrea Riegler-Seyffer

Die Idee zu dem Ganzen hatte Andrea Riegler-Seyffer gehabt. Ihr zur Seite standen bei Text und Regie Tanja Jacoby-Fleuchaus, sowie bei der kreativen Umsetzung Michael Fleuchaus. Für die Musik sorgten Isolde Neef und Michael Fleuchaus. Die Technik lag in den bewährten Händen von Andreas Kaulbersch und Tim Gromes.

Den turbulenten und unterhaltsamen Abend kommentierte abschließend Schäftersheims Ortsvorsteher Markus Lang mit den Worten: "Toll, märchenhaft und phänomenal, was die jedes Jahr wieder auf die Bühne bringen".