Theater in Laudenbach - Raimund Zenkert leitet seit über drei Jahrzehnten das engagierte Darsteller-Ensemble / Mundart und Lokalkolorit verleihen seinen Stücken eine besondere Note Nimmermüder Garant für humorvolles Spiel

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Michael Weber-Schwarz
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Vom Kostüm bis zum Bühnenbild: Zenkert sorgt dafür, dass seine Spieler immer stimmig in Szene gesetzt sind. © Michael Weber-Schwarz

Er ist Intendant, Bühnenbauer und Regisseur in Personalunion: Raimund Zenkert sorgt seit über 30 Jahren in Laudenbach mit seiner Spielergruppe „0815“ für Theaterspaß zum Jahreswechsel.

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Laudenbach. Nach der Saison ist vor der Saison: Für Raimund Zenkert dreht sich zwar nicht alles ums Amateurtheater – aber ziemlich viel. Wenn das Laudenbacher Weinfest vor bei ist, beginnen die Proben für das jeweils neue Stück, das immer bei der TSV-Weihnachtsfeier Premiere hat. Es folgen im neuen Jahr öffentliche Aufführungen in der Zehntscheune. Und nach der Spielzeit macht sich Raimund Zenkert auf die Suche nach der nächsten Komödie – seit über drei Jahrzehnten.

„Ich habe schon als Jugendlicher selber Theater gespielt“, erinnert sich Zenkert. Damals noch im örtlichen, altehrwürdigen „Hirschensaal“. Der befindet sich heute in Privatbesitz; nach dem Abriss des Vorgänger-Gebäudes am Laudenbacher Schloss und dem Bau der Zehntscheune als multifunktionale Kultur- und Vereinshalle, startete dort das Theater neu durch. Bis heute mit ungebrochenem Erfolg.

Den Beginn des „TSV-Theaters“ markiert eine Mischung aus Spielspaß und der Suche nach Einnahmequellen für den Verein. Raimund Zenkert war lange Jahre Leiter der Fußballabteilung mit zahlreichen Jugendmannschaften und entsprechenden Auslagen. Die humorvollen Stücke kamen an, spülten als Nebeneffekt Geld in die Kasse und sie tun es bis heute – „vorwiegend heiter“, so lautet das Grundkonzept.

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Übrigens: Schon bis zum so genannten Fernsehzeitalter wurde zur Weihnachtszeit alljährlich Theater in Laudenbach gespielt. Der Turn- und Sportverein und der Männergesangverein wechselten sich damals bei den Aufführungen jährlich ab. Nach rund 20 Jahren Unterbrechung hatte dann die Fußballabteilung unter der Regie von Zenkert diese alte Tradition wieder aufgegriffen.

Angefangen hat alles bei den internen Weihnachtsfeiern der Fußballabteilung, ehe man im Saal des Gasthauses zur Traube erstmals zwei Aufführungen für die Allgemeinheit spielte. 1987, es war ein 6. Januar, kam mit „Wohnungsnot“ das erste abendfüllende Stück auf die Bühne.

Längst zur Institution geworden

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Heute zählt die Theatertruppe – mit Stammspielern und Neulingen – zu den etablierten Ensembles im Altkreis. Viele junge Laudenbacher sind mit dem Theater groß geworden, haben sich auf der Bühne ihre ersten Sporen und den Applaus der Zuschauer verdient. Das Theater gehört als Institution zum Ort und die jährlichen Stücke haben ihren festen Platz im Veranstaltungskalender der Stadt Weikersheim.

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In den Anfangszeiten wurden öfter Werke aus der Feder des Volksschauspielers Willy Millowitsch gespielt. Eines der Laudenbacher Erfolgsstücke Kölner Herkunft war „Der Meisterboxer“, das 1968 bereits verfilmt worden war. Um sich einen Video-Eindruck vom Bühnenstück zu verschaffen, rief Raimund Zenkert 1988 im Millowitsch-Theater an – und wurde prompt an den berühmten Theatermann durchgestellt. Der versprach eine Kopie nach Laudenbach zu senden. Die Kassette kam schließlich auch an – aber so spät, dass der „Meisterboxer“ im Vorbachtal schon längst erfolgreich abgespielt war.

Erst die Probenphase, dann vier Aufführungen und „dann kommt schon der Laudenbacher Fasching“, erklärt Zenkert. Die Bühne muss abgebaut und für die Narren frei gemacht werden. In all den Jahren hat das immer ohne Katastrophen und Krankheitsfälle funktioniert. Keine Aufführung ist je ausgefallen – außer vor einigen Jahren, als durch Schneemassen eine Stromleitung riss und die Spieler plötzlich ohne „Saft“ dastanden. Man verlegte sich auf einen Ausweichtermin eine Woche später. Und da fiel unversehens die Heizung aus. Gespielt wurde trotzdem, doch die Spieler wunderten sich ein wenig über den gedämpft klingenden Applaus. Ein Blick ins Publikum offenbarte den Grund: Die Halle war zwar gefüllt mit Menschen – doch die saßen in dicken Winterjacken und Handschuhen drunten im eisigen Saal.

Den Vorhang zieht er selbst

Rund 420 Mal hat Raimund Zenkert bei Aufführungen den Vorhang auf- und zugezogen. Denn das macht er am liebsten selbst. Und trotz Souffleuse sitzt auch Zenkert immer hinterm Vorhang und liest mit. Eine Gewohnheit aus Zeiten, als junge Spieler zwar gerne auf der Bühne stehen wollten, es aber nicht so mit dem Textlernen hatten. Die Premiere kam – und Zenkert musste den Darstellern als menschlicher Teleprompter ganze Passagen einflüstern. So etwas prägt.

2008 erweiterte Raimund Zenkert gewissermaßen sein Repertoire: Er lud den Kabarettisten Mäc Härder mit seinem Programm „Härder leben – locker bleiben“ ein. Und seither hat sich Laudenbach zur Kabaretthochburg entwickelt. Jedes Jahr große Namen in der Zehnscheune, zuletzt ausverkauftes Haus mit Wolfgang Krebs. 2020 kommt mit Elisabeth „Lizzy“ Aumeier eine lebende Legende; der Termin am 28. Oktober steht bereits.

Beim Theater wird immer auf eine gute Potion Mundart und – wo es möglich ist – auf Lokalkolorit gesetzt. Nach einem spektakulären Banküberfall mit Öffentlichkeitsfahndung im Jahr 2012 inszenierte Zenkert sofort ein „Banküberfall“-Stück. Und weil er ein passionierter Bühnenbauer ist, zauberte der Regisseur den kompletten Laudenbacher Platz um den Marienbrunnen en miniature auf die Bühne.

„Wenn man mich fragt, welches Stück das beste war, sage ich immer : das, das wir gerade spielen!“, schmunzelt Zenkert. Theater ist „jetzt“ und den Erfolg müssen sich Schauspieler wie Regisseur immer wieder neu verdienen. Heuer mit dem vergnüglichen Luststück „Küsse für die Tanten“.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim