Bezirksrindviehschau in Weikersheim - Traditionsveranstaltung während der Kärwe lockt zahlreiche Schaulustige an / Hohe Qualität der teilnehmenden Kälber und Muttertiere Mitunter kann ein Sprung zur Seite hilfreich sein

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Klaus T. Mende
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Linus Bender hat gut lachen. Er führte bei der Bezirksrindviehschau während der Weikersheimer Kärwe sein wenige Wochen altes Kalb vor - und belegte einen Spitzenplatz.

© Klaus T. Mende

Weikersheim/Main-Tauber-Kreis. Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe, so heißt es gemeinhin mit einem Augenzwinkern. Besagte Mühen können jedoch durchaus von Erfolg gekrönt sein - wenn sich die Protagonisten denn reinhängen. Dies zeigte sich am Samstag bei der Bezirksrindviehschau in Weikersheim im Rahmen der dortigen Kärwe. Mensch und Tier präsentierten sich von ihrer Schokoladenseite, erhielten den verdienten Applaus einer erfreulich hohen Besucherresonanz - und durften sich am Schluss ob der guten Entscheidungen einer strengen Jury über Pokale, Abzeichen, Urkunden und weitere Preise freuen.

Eine Menge geboten

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Ja, es war am Samstagmorgen eine Menge los auf dem Festgelände - im Übrigen zum letzten Mal in dieser Form. Denn im kommenden Jahr wird wegen einer größeren anstehenden Baumaßnahme nach einem neuen Austragungsort dieser Traditionsveranstaltung Ausschau gehalten. "Es waren sicher schon mal mehr Tiere. Doch es gibt immer weniger Milchviehbetriebe", blickt Norbert Beck vom Hof Aischland, Vorstandsmitglied des Rinderzuchtvereins Main-Tauber, im FN-Gespräch, auf die Resonanz. "Diejenigen, die mit dabei sind, nehmen aber aus voller Überzeugung teil." Er schaut voller Interesse in die Zukunft, wie es denn weitergeht mit der Schau vor dem Hintergrund des anhalten Strukturwandels in der Landwirtschaft. Für ihn und seinen Hof sei es jedoch ein Muss, mit von der Partie zu sein. "Schließlich finden die Bewertungen Berücksichtigung im Zuchtbuch eines jeden Tieres - und dies kann sich in finanzieller Hinsicht zum Beispiel beim Verkauf von Kälbern positiv auswirken."

Einige Gemeldete hatte kurzfristig absagen müssen, doch unterm Strich beteiligten sich knapp 25 Kälber und gut vier Dutzend "große" Kühe der Sorte Fleckvieh (braun-weiß gescheckte Rasse) an der Bezirksschau, die vom Rinderzuchtverein Main-Tauber mit seinem 71 Mitgliedsbetrieben (das Gebiet reicht von Freudenberg im Norden bis Creglingen im Süden) mit Unterstützung der Rinderunion Baden-Württemberg durchgeführt wird.

"Rahmen, Bemuskelung, Fundament, Euter - aus diesen vier Einzelbereichen setzt sich die Gesamtnote zusammen, die von der Jury ermittelt wird und die letztlich über die Platzierung entscheidet", erklärt Norbert Beck. Die jeweiligen Besitzer seien schon darauf aus, ihre Paradekühe zu präsentieren. Die nehmen die mehr als zweistündige Veranstaltung denn auch äußerst gelassen und diszipliniert auf. Hier vielleicht mal ein lautes Muhen, dort spielt mal kurz ein Rind "verrückt" - aber alles im Rahmen. "Mit den Tieren wird im Vorfeld auch viel ,trainiert'." Sie seien deshalb an das Prozedere gut gewöhnt. Allerdings sei bei der Vorführung der Prachtkühe dennoch höchste Vorsicht geboten. "Sie sind es nämlich nicht gewohnt, ,an der Leine' zu gehen. Da muss der Besitzer bisweilen schon auf der Hut sein", führt Norbert Beck weiter aus, der selbst einige seiner milchgebenden Schützlinge "im Rennen" hat.

Vorsicht ist angebracht

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Bis sie sich zeigen dürfen, vertreiben sie sich die Zeit. Doch aufgepasst - immer die Kühe im Auge behalten! Wenn man sich nämlich zu nahe an ihnen postiert und plötzlich hebt sich der Schwanz, heißt es, schnell zur Seite zu springen - oder man läuft Gefahr, vom Strahl getroffen zu werden . . .

Im Rahmenprogramm gab es einmal mehr den ausgesprochen beliebten Kälbervorführ-Wettbewerb für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren. Die (vielleicht) angehenden Rinderzüchter müssen dabei nicht nur ihre Kälber möglichst gekonnt im Ring präsentieren, sondern den Richtern auch noch Fragen zu Fütterung und Haltung ihrer Tiere beantworten.

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Für Landwirt Norbert Beck ein wichtiger Baustein der Bezirksrindviehschau: "Die Kinder lernen einen verantwortlichen Umgang mit den Tieren und bauen eine ganz andere Beziehung zu ihnen auf." Und sie bekämen hautnah mit, wie viel Arbeit der Umgang mit ihnen bereitet. Denn Vorführen allein, das reiche nicht. Auch sie seien angehalten, ihre Kälber zu bürsten und zu schmücken sowie mit ihnen zu "trainieren". Papa oder Opa würden dabei höchstens mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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Von einer "sehr guten Qualität der Tiere" sprechen nach Abschluss der Schau sämtliche Verantwortliche. Diese Veranstaltung, erstmals ging in der Tauberstadt die im dreijährigen Rhythmus durchgeführte Staatsprämierung über die Bühne, sei zudem ein Indiz dafür, dass "es um die Landwirtschaft im Allgemeinen nicht so schlecht bestellt ist".

Deswegen gehen die Blicke bereits auf die 2018er-Auflage - dann aber voraussichtlich in neuer Umgebung.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt