Jeunesses Musicales - Räumlichkeiten in der Weikersheimer Musikakademie der Musikschule Hohenlohe zur Verfügung gestellt / Ideal für Abstandsregeln Kreativität und Musik statt „Still-Stand“

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jmd
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In Weikersheim hat die Musikschule vorübergehend ein neues Probendomizil in der Musikakademie Schloss Weikersheim gefunden.

Marina Vythoulka und Geigenschülerin Nele Keupers sind froh, dass der Unterricht endlich wieder live stattfinden kann, doch auch da heißt es: Den Abstand halten und mit pädagogischem Geschick überbrücken. © JMD
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Weikersheim. Seit Mitte Mai ist die Musikschule Hohenlohe in der Musikakademie Schloss Weikersheim zu Gast. Vierzig Mädchen und Jungen der insgesamt rund 80 Weikersheimer Musikschüler profitieren aktuell von dem unter strengen Auflagen nun wieder zulässigen Präsenzunterricht an neuem Ort. Sie sind stolz, sich mit ihren Instrumentenkoffern nun über den Weikersheimer Marktplatz auf den Weg zu machen und „im Schloss“ zu musizieren.

Die Musikschule sah sich mit der schwierigen Situation konfrontiert, dass die bislang für den Musikunterricht genutzten Klassenzimmer von den drei Allgemeinbildenden Schulen nun selbst benötigt werden, gleichzeitig aufgrund der neuen Abstandsregeln beim Musizieren jedoch mehr Raum gefordert ist. Die Jeunesses Musicales Deutschland mit ihrer Musikakademie ist der Helfer in der Not: Seit diesem Monat stellt sie im Prinzessinnenbau des Schlosses Räume zur Verfügung, in denen Einzel-Musikunterricht stattfindet.

Da beide Institutionen in Trägerschaft der Stadt Weikersheim sind, erhält die Akademie keine Miete, aber Kosten für die Aufwände werden durch die Stadt übernommen, die in der Nachbarschaftshilfe eine Beispiel gebende Zusammenarbeit in der aktuellen Ausnahmesituation durch das Corona-Virus sieht.

„Unverzichtbare Basisarbeit“

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Bürgermeister Klaus Kornberger begrüßte in seiner Zustimmung zu der getroffenen Vereinbarung ausdrücklich, dass die Verantwortlichen von Musikschule und Musikakademie die Initiative ergreifen. „Ich freue mich, dass sich diese beiden Player im Bereich der kulturellen Jugendbildung zusammen tun: Die Musikschule Hohenlohe, die in Weikersheim und der Region wertvolle und unverzichtbare musikalische Basisarbeit leistet, und die Musikakademie mit ihrer internationalen und auf Orchester orientierten Ausrichtung, die im Moment immer noch zum ‚Still-Stand’ verurteilt ist“.

„Statt zu resignieren, muss man kreativ sein“, findet auch Klavierlehrerin Regine Burdinski. Wie ihre Musikschul-Kollegenen hat sie in den vergangenen Wochen online unterrichtet. Musikunterricht im mobilen Klassenzimmer via Handy oder Podcast-Konzert – die Musikschule hatte in der aktuellen Situation sofort reagiert und war mit ihren Schülern über verschiedene digitale Kanäle in Kontakt. Aktuell und vermutlich auch längerfristig werden Online-Tools für die pädagogischen Arbeit verstärkt genutzt, die besondere Qualität des Präsenzunterrichts können sie jedoch nicht ersetzten.

Wieder echte Begegnungen

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Musikschulleiter Andreas Straßer begrüßt deshalb die Entscheidung des Landes Baden-Württemberg, den Präsenzunterricht unter Auflagen wieder zuzulassen. „Auch wenn strenge Regeln befolgt werden müssen, ist es doch eine persönliche Begegnung zwischen Lehrer und Schüler, ganz in echt“.

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Mit der Anfrage nach Räumen hatte die Musikschule bei der Jeunesses Musicales Deutschland und der von ihr betriebenen Musikakademie Schloss Weikersheim offene Ohren und offene Türen gefunden. Bereits in der Vergangenheit war die Musikschule immer wieder in der Akademie zu Gast gewesen, etwa für eine Vorbereitung der Wettbewerbe Jugend musiziert oder für regelmäßige Schüler-Vorspiele.

So war nun, wo die Probenräume der Akademie leer stehen, die Hilfe unter Kooperationspartnern schnell verabredet. Die stellvertretende Leiterin der Musikakademie Nicola Bodenstein-Polito und Andreas Straßer überlegten gemeinsam, wie Musikschule und Musikakademie ihre Möglichkeiten und Bedarfe übereinander bringen könnten und organisierten alles Notwendige.

Die großzügigen Räumlichkeiten im Schloss bieten ideale Voraussetzungen, um Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen umzusetzen, damit gesundheitlich ungefährdet musiziert werden kann. An allen Nachmittagen der Woche stehen bis zu vier große Räume für die Musikschule zur Verfügung, zur Zeit ausschließlich für den Einzelunterricht. Zwei Räume wurden von der Musikakademie mit gleich zwei Klavieren ausgestattet, so dass Lehrer und Schüler bequem und sicher jeweils an einem eigenen Instrument sitzen können, und auch ein Schlagzeug steht zur Verfügung. Während Klavier-, Geigen-, Gitarren- und Schlagzeugunterricht wieder möglich sind, müssen sich alle Bläser- und Sänger noch weiter in Geduld üben und solange zuhause für sich alleine und über Online-Unterricht üben bis auch für sie Präsenzunterricht wieder erlaubt wird.

Vorerst ist die Vereinbarung zeitlich begrenzt und die Musikakademie wird langfristig die Räume wieder für eigene Projekte benötigen und für Gäste, die einen Probenaufenthalt buchen. Dann muss für die Musikschule eine neue Lösung gefunden werden.

Perspektiven ausloten

Doch Bodenstein-Polito sichert zu: „Solange wir aufgrund der Corona-bedingten Einschränkungen noch nicht wieder voll ausgebucht sein dürfen“, seien die Kollegen der Musikschule mit ihren Schülerinnen und Schülern willkommen. Vielleicht entsteht aus der neu erprobten Zusammenarbeit auch eine längerfristige Perspektive. jmd