Im Weikersheimer Schlosshof - Jeunesses Musicales will Bizets Meisterwerk „Carmen“ ab 22. Juli 2021 aufführen / Gutscheine für Karten sind bereits erhältlich Jetzt die berühmteste Oper der Welt

Von 
Michael Weber-Schwarz
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Zuletzt wurde „Carmen“ in Weikersheim im Jahr 2003 aufgeführt; damals unter der musikalischen Leitung von Yakov Kreizberg und Amy Andersson. © JMD

Realistisch, dramatisch, voll schicksalhafter Tragik: Mit Georges Bizets Klassiker „Carmen“ soll im Sommer 2021 wieder Oper im Weikersheimer Schlosshof gefeiert werden.

Opern-Gutscheine bei der Jeunesses Musicales ab sofort ohne Risiko

Mit dem Vorverkauf über die Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) wurde jetzt gestartet – zunächst durch den Verkauf von Gutschein-Karten, ausschließlich über die JMD. Kontakt: www.oper-weikersheim.de (Reiter „Oper“ – „Karten kaufen“) und über Telefon 07934 / 9936-36.

Der Vorverkauf über die FN-Vorverkaufsstellen startet mit Beginn des offiziellen Kartenverkaufs. Hierüber wird dann gesondert informiert.

Mit dem ab sofort möglichen Kauf einer Gutschein-Karte können sich Opernfreunde ihre Wunschkategorie sichern.

Sobald feststeht, wie viele Plätze ohne gesundheitliches Risiko auf der Tribüne zur Verfügung stehen können, tauschen die Kunden die Gutschein-Karte gegen eine Karte ein. Hierfür können sie online auf dem Tribünenplan den gewünschten Sitzplatz selbst auswählen.

Die Kunden werden von der JMD laufend aktuell informiert – und haben dann für ihren Tausch einen dreiwöchigen „Vorsprung“ zum Start des Kartenvorverkaufs.

Der Kauf einer Gutschein-Karte ist für die Interessierten ohne jedes Risiko. Sollten die Vorstellungen Corona-bedingt nicht stattfinden können, gibt die JMD eine Garantie auf 100 Prozent Erstattung des Gutschein-Preises. mrz/jmd

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Weikersheim. „Wir machen die Oper!“, sagt Dr. Ulrich Wüster fast schon programmatisch. Der Generalsekretär der Jeunesses Musicales Deutschland will trotz Pandemie am Opernkurs und den öffentlichen Aufführungen im Schlosshof festhalten. Auch wenn das Schaffen der Rahmenbedingungen noch deutlich aufwendiger sein dürfte als sonst. Doch solch ein Großprojekt wie die „Jungen Oper Schloss Weikersheim“ braucht eine lange Vorlaufzeit – und die muss jetzt oder nie starten.

Wüster ist jedenfalls zuversichtlich, dass das große Freiluftereignis stattfinden kann. Für den potenziellen Besucher „risikofreie“ Gutscheine für die Operntermine gibt es bereits online. Falls doch nicht gespielt werden könnte, werden die Eintrittsgelder zurückerstattet.

Zeitrahmen, Stab und Orchester stehen ebenfalls schon fest: Die „Junge Oper“ will Bizets „Carmen“ von 22. Juli bis 1. August 2021 zeigen. Regisseur wird Björn Reinke sein, den manche von den Röttinger Festspielen 2019 kennen: Hier inszenierte er knallig-bunt Eduard Künnekes Dauerbrenner, die Operette „Der Vetter aus Dingsda“. Als Regieassistent war Reinke schon mehrfach für Opernprojekte in Weikersheim aktiv.

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Seit 2014 ist Björn Reinke als freier Regisseur und Regieassistent an verschiedenen Bühnen im In- und Ausland beschäftigt. Letzte eigene Inszenierungen entstanden an der Musikhochschule Stuttgart, am Theater Bad Pyrmont, am Landestheater Coburg, sowie am Conservatorium Maastricht in den Niederlanden.

Tiefgründige Charaktere

Sein Grundkonzept für „Carmen“ hat Reinke in Weikersheim bereits vorgestellt: Er will die Tiefe der Opern-Charaktere ausloten und stellt sie in einen gesellschaftlichen Kontext. Als Anführerin einer Gruppe systemkritischer Künstler, die ihre Freiheitsparole nicht nur an Häuserwände sprayen, ist Carmen bereit, auch den höchsten persönlichen Preis für ihr Ideal zu bezahlen: ihr Leben.

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„In Weikersheim stehen junge Menschen auf der Bühne“, hält die langjährige Opern-Geschäftsführerin Andrea Riegler-Seyffer fest. „Die Regie achtet darauf, dass die Inszenierung authentisch wird“, sprich: Die Darsteller entwickeln ihre Rollen (auch) gemeinsam mit dem Regisseur und setzen an ihrer jungen Lebenswelt an.

Für immer unvergesslich

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Georges Bizets Oper von 1875 ist wirkungsgeschichtlich die vermutlich berühmteste Oper der Welt. Die Musik ist grandios, existenziell und, einmal gehört, für immer unvergesslich. Das liegt an der selten so erreichten Konvergenz von Text/Schauspiel und Komposition: Die realistischen Milieuschilderungen, die Dramatik und die schicksalhafte Tragik machten sie zu einem Vorläufer des so genannten Verismo. Diese italienische Spielart der Oper um 1900 beeindruckt mit teils extrem lebensnahen Handlungen (oft in niederen sozialen Schichten angesiedelt) und einem (oft) gewaltsamen Höhepunkt. Giacomo Puccinis „La Bohème“ zählt ebenfalls zu dieser Stilrichtung – die Oper war 2019 ein Riesenerfolg im Weikersheimer Schlosshof. Jetzt gibt es also gewissermaßen die Fortsetzung in vier Akten mit Soldaten, Halbwelt, Mord und Totschlag in einer zeitgemäßen Umsetzung.

Inszeniert, für Tonträger eingespielt, bearbeitet und verfilmt wurde „Carmen“ vielfach. Im Jahr 1983 löste Carlos Sauras Tanz-Kinofilm „Carmen“ ein wahres Flamencofieber aus. Im Folgejahr gab es eine viel beachtete Opernverfilmung von Francesco Rosi mit Julia Migenes und Plácido Domingo in den Hauptrollen.

Ein klares Statement ist die geplante Weikersheimer Opernproduktion ohnehin: Ein großes Musikschauspiel für potenziell tausende Zuschauer und -hörer in einen jetzt noch weitgehend ungewissen (Corona-) Sommer hinein zu planen erfordert Mut und eine gewisse Risikobereitschaft.

Generalsekretär Ulrich Wüster ist sich aber sicher, dass man unter kontrollierbaren Hygienemaßnahmen wird spielen können. Immerhin finden die Inszenierungen an der freien Luft statt.

Für den musikalische Teil zeichnet der bekannte deutsche Dirigent und Cellist Elias Grandy verantwortlich. Es spielt das Bundesjugendorchester, Deutschlands jüngstes Spitzenorchester. Die Jeunesses Musicales Deutschland bringt als Solisten im Rahmen des Opernkurses internationale junge Sängerinnen und Sänger am Beginn ihrer Karriere auf die Bühne.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim