Kirchenjubiläum - Bischof Frank O. July hält Festpredigt zum Jubiläum „600 Jahre Stadtkirche St. Georg“ / Am Nachmittag buntes Programm Großes Geschenk und ein Auftrag zugleich

Von 
Inge Braune
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Die Bäckerin blieb anonym – schickte jedoch nicht nur eine fantastische Geburtstagstorte, sondern auch eine Grußkarte. Den Vortritt beim Anschnitt hatten die kleinsten Gäste. Dekanin Meixner bewährte sich als perfekte Servierdame. © Inge Braune

Mit einem großen vom Posaunenchor und der Kantorei umrahmten Festgottesdienst und am Nachmittag mit einer fröhlichen Geburtstagsfeier ehrten die Weikersheimer die Stadtkirche.

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Weikersheim. Landesbischof Frank Otfried July war gern gekommen. Gemeinsam mit Dekanin Renate Meixner, Pferrerin Ursula Lochstampfer und ihrem Kollegen Andreas Vogt war er nach dem Festgeläut in die Kirche zu strahlenden Orgel- und Posaunenklängen in die Kirche eingezogen, deren Grundsteinlegung fast auf den Tag genau vor 600 Jahren zelebriert wurde.

Mit dem 84. Pslam – überschrieben mit den Worten „Wohl denen, die in deinem Hause wohnen“ – setzte Dekanin Meixner das perfekt zum Anlass passende theologische Thema. Anliegen Meixners und der Kirchengemeinde, die derzeit im Umfeld der großen Sanierungsarbeiten gewaltige Anstrengungen unternehmen, ist, dass die schöne alte Kirche – „Geschenk und Auftrag zugleich“ – stets aufs neue begeistert, nicht nur als architektonisches und das Stadtbild prägendes Bauwerk, sondern auch als Ort der Einkehr, Besinnung und Orientierung.

Im kurzweiligen Dreiergespräch rollte das Pfarrerduo gemeinsam mit dem zweiten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Peter Otterbach nicht nur die Geschichte der Georgskirche auf, sondern führten die Gemeinde zurück bis an die Ursprünge des Christentums.

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Landesbischof July verwies mit Blick auf die der Gegenwart anvertraute Erbschaft der 600-jährigen Kirche auf die generelle Wichtigkeit sakraler Bauten: Unverzichtbar seien sie im Stadtbild unserer Städte und Dörfer, als Hinweis darauf, dass Leben mehr ist als Alltag. Es gehe um die „Auferbauung des Hauses Gottes“ aus Menschen, den „lebendigen Steinen“ der Kirche. Beide haben den Auftrag, ein Haus zu sein, das allen offen stehe, einander Bekannten wie einander Fremden, Heimischen ebenso wie Heimat- und Schutzlosen.

„Wir brauchen unsere Kirchen mehr denn je“, stimmte Weikersheims Bürgermeister dem Landesbischof zu – und versäumte nicht, diesen elegant mit den Worten von Paulus und Luther „geben ist seliger denn nehmen“ in Sachen der rund 1,5 Millionen teuren Außensanierung um weitere Unterstützung durch die Landeskirche zu bitten. Er werde den Aufruf mitnehmen, versicherte July beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

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Grüße der katholischen Kirchengemeinde überbrachte Kirchengemeinderätin Tanja Schlenker, die an die gemeinsamen Anstrengungen beider Kirchen im Umfeld der Aufnahme von Flüchtlingen erinnerte.

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Beim anschließenden Empfang kamen die rund 150 Besucher und Ehrengästen – Vertreter der Kirchen, der Stadt und der Nachbarkommunen, der Wirtschaft, der Vereine und der Nachbarn am Marktplatz – schnell ins Gespräch.

Taufstein als Kuchentheke

Noch munterer ging es dann am Nachmittag bei der großen Geburtstagsparty im altehrwürdigen Gemäuer zu: Kinderkantorei, Posaunentrio, Steichquartett und Klaviertrio sorgten den ganzen Nachmittag über gekonnt für höchst abwechslungsreiche Klänge. Ein kräftiges „Happy Birthday“ wurde der Kirche gesungen, und das Streichquartett (Monika und Manfred Birkhold, Elisabeth Spitzer und Ruth Ullmann) steuerte faszinierende Variationen zu diesem Titel bei.

Der Taufstein wurde zur Kuchentheke mit einer eigens nach der Kirchenfront gestalteten St. Georgs-Geburtstagstorte umfunktioniert, Speisen an mehreren Ecken der Kirche ausgegeben; im Gestühl und an zusätzlichen fanden sich stetig wechselnde Gästegruppierungen in munterem Geplauder zusammen.

Auch die Kirche selbst kam zu Wort – und wurde von einer munteren, weit über 20-köpfigen Kinderschar von der Orgelempore bis hinter den Hochaltar im Rahmen einer vom Kinderkirchen-Helferkreis gemeinsam mit Monika Birkhold gestalteten Schatzsuche auf den Spuren von Kirchenmaus Georgina erkundet.

So viel gelacht, geredet, gespielt, gegessen und getrunken wie bei diesem Geburtstagsfest wurde in der Georgskirche über all die Jahrhunderte wohl noch nie. Zu laut? Nein, kein Stück, denkt man an die Anfänge des Christentums zurück: da wurde nicht nur im Stillen, sondern auch auf Marktplätzen gepredigt, zwischen Händlern, Marktschreiern, Gauklern. Die Georgskirchen-Geburtstagsgäste erlebten jedenfalls einen ganzen Tag lang eine erfrischend lebendige Kirche und damit eine gute Grundlage für ein paar weitere Jahrhunderte Stadtkirche St. Georg.

Freie Autorin Berichte, Features, Interviews und Reportagen u.a. aus den Bereichen Politik, Kultur, Bildung, Soziales, Portrait. Im Mittelpunkt: der Mensch.