Tagespflege „Naturentdecker“ Neubronn - Familiennahes Angebot ist fest in der Ortschaft verankert / Aus der Not geboren – heute organisch Gemeinsam aufwachsen wie in Bullerbü

Von 
Michael Weber-Schwarz
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Kinder, die in der Natur und familiennah unter Menschen aufwachsen können. Eltern, die flexibel arbeiten können. Die Gruppe „Naturentdecker“ ist hier ein Erfolgsmodell – ein bisschen „Bullerbü“.

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Neubronn. Eigentlich klingt alles ganz einfach und sinnvoll. Bis es aber soweit war, mussten Überlegungen angestellt, ein Konzept und Pläne entwickelt, Qualifizierungen abgeschlossen und ein Raum hergerichtet werden für die „Kindertagespflege Naturentdecker“ im Weikersheimer Höhen-Ortsteil Neubronn.

Der Wald ist ihr „Revier“ – und das zu allen Jahreszeiten. Die Neubronner „Naturentdecker“ kennen sich aus in der Weikersheimer Höhen-Ortschaft und drum herum. © Nicole Stier

Heute, nach fünf Jahren, wirkt es so, als hätte es die Einrichtung „droben auf dem Buckel“ beim Freibad schon immer gegeben: Tagesmütter betreuen gemeinsam und doch je spezifisch „ihre“ Kinder aus der Ortschaft und der Umgegend. Tritt man aus dem separaten, gemütlich und parktisch eingerichteten Raum im Kindergarten nach draußen, ist man schnell auf dem daneben liegenden Spielplatz und (auf der anderen Seite) am Bad, auf den Wiesen und Feldern oder im Neubronner Wald mit seiner heimeligen Hütte. Und hinunter in den Ort ist es auch nicht weit. Jeder kennt die „Kleinen“ und ihre Tagesmütter.

Drei Betreuerinnen, ein Raum

Zum Verständnis des Besonderen: Die wertvolle Arbeit von Tagesmüttern spielt sich ansonsten in der Regel in einzelnen Privathäusern ab. Kinder bis drei Jahre werden hier von qualifizierten Tagesmüttern betreut. Eltern bringen ihr Kind wie vorher vereinbart und stundenweise. Es geht familienähnlich zu und – weil man nicht in Konkurrenz zur Herkunftsfamilie steht – „familienergänzend“. Die Kinder sind jünger als später im Kindergarten. Sie brauchen intensivere Betreuung, liebevolle Zuwendung, Geduld, genügend Auslauf. Und Windelwechsel.

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Tun sich aber Tagesmütter zusammen, nutzen einen großen, gemeinsamen Raum, treffen sich mit ihren je „persönlichen“ Pfleglingen und den Eltern dort und arbeiten, wenn es erforderlich ist, Hand in Hand – dann weiß man grob skizziert, wie die „Naturentdecker“ in Neubronn funktionieren. Es wirkt wie eine Art Kindergarten im Miniaturformat, die „Verwaltung“ läuft über die Tagesmütter und nicht über die Kommune. Ein Förderverein stützt die Einrichtung und sorgt für Rückhalt und bedarfsweise für Organisatorisches. Hervorgegangen sind die „Naturentdecker“ aus einer „Zukunftswerkstatt Neubronn/Oberndorf“ und dem Kindergarten-Förderverein. Beides entstand aus einer gewissen Notlage heraus: Um das Jahr 2015 drohte dem Kindergarten Neubronn nämlich die Schließung. Zu wenige Kinder und ein großes, zu unterhaltendes Gebäude. Man musste sich im Ort Gedanken machen, wie man es neu beleben könnte.

Sandra Pflüger, Vorsitzende des Fördervereins erzählt: „Die Neubronner haben schon immer eine besondere Beziehung zu ihrem Kindergarten gehabt“ – da war es nur folgerichtig, dass man sich für den Erhalt einsetzen würde. Mit großem ehrenamtlichen Einsatz und mit Hilfe örtlicher Unternehmen wurde das Projekt Kindertagespflege angepackt – auch weil man im Vor-Kindergarten-Bereich konkreten Bedarf sah. Der heutige Raum wurde für die besonderen Anforderungen der „Kleinen“ mit einem separaten Schlafraum umgebaut.

Das Dorf zieht mit

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Zahlreich waren die Spenden aus dem Ort für die Innenausstattung. Bis heute wird die Gruppe ehrenamtlich unterstützt, sagt Pflüger, etwa durch Bring-Fahrten für die Verpflegung – das Essen bezieht man in Schulzeiten über die Cafeteria des Gymnasiums; in der Ferien wird das Mittagessen von den Kindern von zuhause mitgebracht. Es wird aber auch selbst gekocht und gebacken – die Kinder lernen so die entsprechenden Fertigkeiten, wie sie es auch in der Familie täten.

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Einiges an kindgerechter Infrastruktur war schon vorhanden: eine Küche, Indoor-Freispielmöglichkeiten, Sanitärräume.

Betreut werden die Kinder von der gelernten Erzieherin Nicole Stier und der Kinderkrankenschwester Annegret Hein – beide haben sich zur Tagespflegerin weiterqualifiziert. Vertreterin ist Kinderpflegerin Theresia Richter – sie ist das besondere „Backup“, falls die Erstgenannten einmal Terminschwierigkeiten haben. Quasi nebenbei erhöht sich so die Planungssicherheit für die Eltern der Kinder.

Senioren-Besuche mit dem „Taxi“

Bei allem (wichtigen) Drumherum: Im Kern geht es den Tagesmüttern darum, den Kindern eine liebevoll gestaltete Umgebung, Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit zu bieten.

Und dazu gehört nicht nur der unmittelbare „Nah- und Nähebereich“, sondern auch die Verankerung in der Dorfgemeinschaft. Besuche bei der älteren Generation in Neubronn finden statt – mit dem „Kindertaxi“, einem mehrsitzigen Krippenwagen, geht es ins Dorf hin-unter zu den Kontaktpersonen. Und die Älteren – auch sie genießen natürlich die Besuche: Freude und Abwechslung für alle Beteiligten.

Jede Zeit hat einmal ein Ende – auch die in einer Tagespflege. Weil sich der Kindergarten gewissermaßen mit unterm Dach befindet, fällt der Übergang leichter. Die Kinder kennen den Ort bereits, sie sind mit ihm vertraut.

Was die Pfleglinge aber fürs Leben mitnehmen ist die intensive Beziehung, die auf Wärme und großer innerer Überzeugtheit der Tagespflegerinnen gründet. Sandra Pflüger fasst das ganz einfach so zusammen: „Das sind wunderbare Tagesmütter, die ihren Job mit Leib und Seele machen.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim