Wahlveranstaltung - „WIR2020“ zog rund 50 Besucher an / Kritiker von Corona-Schutzmaßnahmen bekommen Applaus „Gängelung“ nicht weiter hinnehmen

Eigentlich sollte die Veranstaltung in der Tennishalle Weikersheim die einzige größere Wahlkampf-Präsentation im Main-Tauber-Kreis sein. Doch „WIR2020“ will einen zweiten Termin.

Von 
Inge Braune
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Das Vater-Sohn-Gespann Wolfgang (Parteivorsitzender) und Tobias Romberg (Wahlkreiskandidat, Bildmitte von rechts) in Weikersheim. © Inge Braune

Weikersheim. Erst Ende November 2020 war der Landesverbandes von „WIR2020“ gegründet worden, kein halbes Jahr nach Gründung der Bundespartei. Mit dem Vater-Sohn-Gespann Wolfgang und Tobias Romberg – der Vater Parteivorsitzender, der Sohn Wahlkreiskandidat nicht nur im hiesigen Wahlkreis 23, sondern auch im Wahlkreis Mannheim II – setzte das Kreis-Orga-Team auf zugkräftige Namen.

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Aufgrund der Reaktionen der rund 50 Gäste, die coronakonform in einem Viertel der Halle Platz gefunden hatten, könnte sich Veranstaltungsleiter und Mitglied des lokalen Orga-Teams Uwe Michel jetzt durchaus eine Folgeveranstaltung etwa in Tauberbischofsheim vorstellen.

Werbung auch per Lautsprecher

Michel begrüßte die Anwesenden mit Erfolgsmeldungen: So sei das Team sehr aktiv bei der Plakatierung und Flyerverteilung, am Wochenende sein in der Kurstadt ein Werbefahrzeug mit Lautsprecherdurchsagen unterwegs, und beim Wahl-Infostand in Bad Mergentheim hätten er und das Team zahlreiche durchaus wohlwollende Reaktionen erlebt. Auch laufe die Kooperation mit Polizei und Ordnungsamt reibungslos.

Nicht einmal mit einem Zeitlimit seien bislang die Veranstaltungen bedacht worden. Dass die Partei trotz des Schnellstarts bereits in 68 der insgesamt 70 baden-württembergischen Wahlkreisen mit eigenen Kandidaten zur Landtagswahl antritt, dokumentiert das enorme Engagement.

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Wie Uwe Michel erklärt auch der aus Tauberbischofsheim stammende Frank Beck, Sohn des dortigen Olympiastützpunkt-Gründers Emil Beck, dass er noch vor einem Jahr keinen Gedanken an irgendeine Parteiaktivität hatte, obwohl ihm früh der Umgang mit Politikern vertraut war: „Lothar Späth und Helmut Kohl saßen bei uns im Wohnzimmer.“

Zur Politik brachte den promovierten Naturwissenschaftler Corona. Er habe sich mit den Studien auseinandergesetzt, halte Covid 19 auch für durchaus gefährlich; aber er könne einfach Bevormundungen à la „wenn ihr nicht folgt, zieh´ ich die Zügel an“ nicht mehr hören und sei deswegen zu WIR2020 gestoßen.

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„So eine Partei, wie wir es sind, würde es unter normalen Umständen gar nicht geben“, eröffnete der 24-jährige Kandidat und als Beisitzer Mitglied des Landesvorstandes Tobias Romberg sein Statement. Mit seinem Einsatz will er möglichst fünf Prozent der Stimmen gewinnen, damit die junge Partei dann auch erfolgversprechend zur Bundestagswahl antreten kann. Das Minimalziel im März liegt bei mindestens einem Prozent der Wählerstimmen, um Anspruch auf die Parteienfinanzierung zu haben, denn: „Wahlkampf kostet wahnsinnig viel Geld.“ In Vorbereitung ist ein Landesparteitag, anvisiert werden Delegiertenversammlungen, das derzeit noch als „Vision“ vorliegende Parteiprogramm soll beim Parteitag zur Abstimmung vorgelegt werden.

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Gerechtigkeit und Freiheit seien ihm besonders wichtig, und dass er sich für mehr Vernunft und weniger Steuerverschwendung in der Politik einsetzen will, ist in Rombergs Kandidatenvorstellung zu lesen. Er wolle „den öffentlichen Diskurs wieder zurück in die Mitte holen und Korruption und Lobbyismus bekämpfen.“

Das aber war zunächst nicht das Thema: Der WIR-Bundesvorsitzende Wolfgang Romberg konkretisierte die Kritik an der gegenwärtigen Politik: Die Partei wolle nicht hinnehmen, „was mit uns gemacht wird, dass wir so gegängelt werden mit Ausgangssperren und eingeschränktem Bewegungsradius.“

Die Krankenhausbelegung sei bereits vor Einführung der Maskenpflicht gesunken, die kontinuierliche Belebung der 21 000 Intensivbetten sei konstant geblieben, auch der Lockdown habe die Kurve nicht verändert. Gewirkt hätten nur die ersten beiden Ansprachen von Kanzlerin Merkel.

„Massives Verbrechen“

Publikumsfragen nach dem zwischengeschalteten WIR2020-Werbevideo konzentrierten sich zunächst auf die Abgrenzung zu anderen Parteien: Wie wolle man parteiintern verhindern, selbst dem Lobbyismus anheimzufallen? Mit welchen Mechanismen Nachhaltigkeit sichern? Wie sich vor Unterwanderung schützen? Und dann: Corona, Corona, Corona, obwohl der Parteiprogrammentwurf sich auch dem Bildungs- und Gesundheitswesen, der Wirtschaft, Landwirtschaft und Umweltschutz sowie generell dem politisch-rechtlichen Bereich widmet.

Ein 85-jähriger Diskutant fürchtet, dass mit der Priorisierung der Senioren „Leute vergiftet“ werden, ein anderer berichtet von seiner deutlichen „Intuition, dass da ein ganz massives Verbrechen begangen“ werde. Ein dritter sieht Corona nur als vorgeschoben, um unter der Hand die ganze Menschheit zu manipulieren und unterdrücken – und fürchtet um die Sicherheit der WIR2020-Vertreter, wenn sie sich solchen Bestrebungen entgegenstellen.

Basisdemokratisch bleiben

Felix Kühweg vom regionalen Orga-Team schlug strikt basisdemokratische Entscheidungen vor: Dann seien die, die den Parteiwillen vornehmlich öffentlich vertreten, weniger gefährdet. Dazu bekenne man sich unbedingt, so Tobias Romberg, der versprach, sowie die Partei im Landtag eingezogen sei, allen Mitgliedern eine „Democracy App“ zur Verfügung zu stellen, um die Basisdemokratie in der Partei sicherzustellen.

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